# taz.de -- Sterbebegleiterin über Spiritualität: „Wichtig ist, dass man die Stille aushält“
> Die Initiative „Your Rime-Care“ will bundesweit spirituelle
> Sterbebegleitung koordinieren. Sie ist buddhistisch orientiert und
> konfessionsoffen.
(IMG) Bild: Sanftheit für die letzte Lebensphase: Erholungszimmer im Bamberger Kinder- und Jugendhospiz „Sternenzelt“
taz: Frau Radke, was bietet die Initiative „Your Rime-Care“, die sich auf
der Bremer Messe „Leben und Tod“ erstmals vorstellt?
Daniela Radke: Es ist eine gemeinnützige, nicht sektiererische
Unternehmensgesellschaft, die buddhistisch inspirierte [1][Sterbe- und
Krankenbegleitung] organisiert und anbietet. Nicht sektiererisch bedeutet,
dass nicht nur Angehörige aller Konfessionen, sondern auch aller
buddhistischen Schulen willkommen sind. Wir möchten bundesweit auf
Ehrenamtler- und Spendenbasis Gespräche, Präsenz und, falls gewünscht,
buddhistische Rituale für Menschen mit lebensbegrenzender Diagnose oder in
der Sterbephase anbieten.
taz: Woher kam der Impuls?
Radke: Es gab verschiedene Begebenheiten. Einmal bekam ich, langjährige
praktizierende Buddhistin und recht gut vernetzt, den Anruf eines Herrn,
der eine Sterbebegleitung für seinen buddhistischen Bruder suchte. Er
wohnte 450 Kilometer von mir entfernt, deshalb konnte ich nicht hinfahren.
Also habe ich alle entsprechenden Vereine und Zentren im Umkreis angerufen,
aber niemanden gefunden. Ich habe dann mehrmals am Telefon mit dem
Sterbenden gesprochen, aber das ja ist nicht dasselbe.
taz: Gab es solche Anfragen häufiger?
Radke: Ein anderes Mal wurde spirituelle Begleitung für ein [2][Kind auf
der Palliativstation] und dessen buddhistische Familie gesucht. Nach zwei
Tagen habe ich zum Glück jemanden gefunden, der das übernahm. Die
Notwendigkeit, eine deutschlandweite Koordinationsstelle wie „[3][Your
Rime-Care“] zu gründen, war also da.
taz: Ist der Bedarf in unserer christlichen, oft auch säkularen
Mehrheitsgesellschaft so groß?
Radke: Ich denke ja. Statistiken sind zwar immer ungenau, aber es leben
schätzungsweise 300.0000 Buddhisten in Deutschland. Und nicht zu vergessen:
Wer heute 70 und älter ist, war in der Jugend oft in indischen Ashrams und
ist mit Hinduismus und Buddhismus in Berührung gekommen. Bei einem
Praktikum auf einer Palliativstation habe ich außerdem erlebt, dass sich
viele Menschen ihre Spiritualität aus verschiedenen Traditionen
zusammenstellen. Ich kenne zum Beispiel eine ältere Dame, deren
Spiritualität schamanische, buddhistische und christliche Elemente vereint.
taz: Und wie muss ein Sterbebegleiter konkret agieren?
Radke: Wichtig ist, dass man sich zurücknehmen kann. Dass man achtsam ist
und zu spüren versucht, was der andere braucht. Dass man vor allem die
Stille aushält. Denn im Sterbeprozess kann man oft nichts mit Worten
ausrichten. Aber man kann präsent sein. Falls derjenige praktizierender
Buddhist war, kann man außerdem mit Ritualen oder Mantragesängen durch den
Sterbeprozess helfen.
taz: Wie kommunizieren Sie mit sterbenden Alzheimerpatienten?
Radke: Mit Farben, dem Anschauen von Bildern oder Gesängen. Eine
[4][demenzielle Veränderung] bedeutet nicht, dass diese Menschen nicht mehr
am Leben teilnehmen; dass sie nicht Wünsche und Bedürfnisse hätten oder
nicht spirituell wären. Auch demenziell veränderte Menschen haben ein sehr
feines [5][Gespür für spirituelle Dinge.]
taz: Begleiten Sie ausschließlich Sterbende?
Radke: Nein. Wir betreuen auch onkologische Patienten. Die sitzen mit der
Diagnose zu Hause, sorgen sich und wünschen sich Gespräche. Sie sind in dem
Moment noch nicht palliativ, und viele überleben eine Krebserkrankung ja
dank der modernen Medizin. Aber auch in der Anfangsphase brauchen sie
jemanden, der da ist. Der ihnen das Gefühl gibt, dass man sich nicht nur
medizinisch und psychologisch, sondern auch spirituell um sie kümmert. Auch
diese Versorgungslücke will „Your Rime-Care“ schließen helfen.
8 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Krankenhausseelsorger-ueber-Sterben/!6087657
(DIR) [2] /Palliativmedizinerin-uebers-Sterben/!6134551
(DIR) [3] https://www.your-rime-care.net/
(DIR) [4] /Demenz-und-ploetzlich-ist-alles-anders/!6116327
(DIR) [5] https://www.demenz-podcast.de/?episode=demenz-podcast-folge-38
## AUTOREN
(DIR) Petra Schellen
## TAGS
(DIR) Hospiz
(DIR) Demenz
(DIR) Tod
(DIR) Sterben
(DIR) Spiritualität
(DIR) Tod
(DIR) Friedhof
(DIR) Bremen
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Death Festival in Berlin: Tanzen mit dem Tod
In westlichen Gesellschaften ist der Tod oft ein Tabuthema. Beim Death
Festival im Holzmarkt wird er dagegen körperlich erfahren und besprochen.
(DIR) Kunst auf Friedrichshainer Friedhof: Gestickte Poesie rund um den Tod
Das „Deadly Matters Kollektiv“ regt mit Installationen auf einem Friedhof
zum Nachdenken über Leben, Sterben und Tod an. Ein kleiner Rundgang.
(DIR) Hilfe bei der Trauer um Haustiere: „Man kann Trauer nicht messen“
Die Hospizhilfe Bremen begleitet Menschen beim Sterben und stemmt sich
gegen die Tabuisierung des Themas. Dazu gehört auch die Trauer um
Haustiere.