# taz.de -- „Berliner Zeitung“: Chefreporterin kehrt Verleger Friedrich den Rücken
> Die Journalistin Anja Reich-Osang arbeitete drei Jahrzehnte lang für die
> „Berliner Zeitung“. Jetzt nimmt sie Abschied – auch von Verleger Holger
> Friedrich.
(IMG) Bild: Die Journalistin Anja Reich-Osang, 12. Mai 2025, Berlin
Es ist eine sentimentale Abschiedsmail. „Die Arbeit bei der Zeitung war für
mich immer auch eine Herzensangelegenheit“, schreibt Anja Reich-Osang an
die Kolleg:innen der Berliner Zeitung, „und die Redaktion ein Ort, von
dem man losfährt, um für die Leser die Welt zu erkunden, und zu dem man
anschließend wieder zurückkommt. Eine feste Basis, eine Heimat.“
Doch Reich-Osang kehrt nach 30 Jahren als Redakteurin nicht mehr zu diesem
Blatt zurück, das 2019 von Holger und Silke Friedrich gekauft wurde und
seitdem eine eigenwillige Entwicklung genommen hat. Stichworte:
Kreml-Propaganda, China-Connection, politische Öffnung nach rechts außen.
Der von Holger Friedrich vorangetriebene Umbau liest sich wie der
Gegenentwurf zu dem, was Anja Reich-Osang in ihrer Mitteilung an die
Redaktion als „das Besondere an der Berliner Zeitung“ beschreibt: „Dass man
eigentlich immer alles schreiben konnte, sich alles in Bewegung befand,
ständig neue Leute mit neuen Ideen kamen, die Redaktion ein Spiegelbild der
Gesellschaft war, im Guten wie im Schlechten“. Mit Reich-Osang geht die
Reporterin Wiebke Hollersen, seit 2021 bei der Zeitung – eine weitere
Ost-Frau.
Die gebürtige Ost-Berlinerin Reich-Osang, Jahrgang 1967, gehörte zu den
prägendsten Autorinnen: Sie war unter anderem Korrespondentin in New York,
erlebte dort den 11. September 2001 und verfasste mit ihrem Mann, dem
Spiegel-Reporter Alexander Osang, ein Buch zu ihren Erlebnissen. Später
ging das Paar gemeinsam nach Tel Aviv, auch dort arbeitete sie als
Korrespondentin für die Zeitung. 2020, mit der Rückkehr nach Berlin,
erfasste die Osangs eine neue Wirklichkeit: Die Friedrichs hatten die
Zeitung gekauft.
## Schlechtes Betriebsklima
Alexander Osang beobachtete Holger Friedrich und seine Familie für [1][ein
Spiegel-Porträt] über den Verleger, überschrieben: „Der Systemsprenger“. Es
ging darin unter anderem um die Stasi-Vergangenheit von Holger Friedrich.
Osang forderte, Friedrich das „Recht auf Irrtümer“ einzuräumen, er sei
schließlich „ein Anfänger im Geschäft“. Und verglich den Verleger mit
Sigmund Jähn: „Er ist ja selbst so was wie der erste Mann im All. Ein
Kosmonaut.“
Man könnte sagen: Die Osangs waren sehr wohlwollend gestimmt. Zu dem
Porträt gab es damals allerlei Diskussionen. Der Branchendienst Kress
thematisierte, dass nur in einem Halbsatz erwähnt worden war, dass Osangs
Frau bei der Berliner Zeitung arbeitete. Der Deutsche Journalisten-Verband
erklärte, nach der Lektüre der Geschichte könne man sich eigentlich nicht
wundern darüber, dass sich Holger Friedrich immer wieder in die
Berichterstattung und Themenplanung der Redaktion einmische.
Das Betriebsklima wurde immer schlechter. Ehemalige Redakteur:innen
sagen, dass Friedrich Widerworte nur schwer ertrage, wiederum aber voll des
Lobes sei über die westdeutschen Führungsleute. Philippe Debionne,
inzwischen Chefredakteur, habe er als „ausgesprochen loyal gegenüber der
Institution“ gewürdigt, berichtet einer. Der Geschäftsführer des
Tochterblatts [2][Ostdeutsche Allgemeine], Dirk Jehmlich, schimpft über
Friedrich-Kritiker:innen: Dies seien Leute, „die wegen schlechter Leistung
gehen mussten oder die nur noch da sind, weil niemand Abfindungen zahlen
möchte“.
Anja Reich-Osang fällt in eine andere Kategorie. Sie spricht zwar nicht
über ihre Erlebnisse mit Holger Friedrich und ihre Sicht auf die
Entwicklung des Blattes, und auch Friedrich selbst lässt eine Anfrage der
taz unbeantwortet. Doch es lässt sich ziemlich sicher davon ausgehen, dass
die Trennung schmerzhaft ist. Für beide. Und dennoch wohl unvermeidbar.
1 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.spiegel.de/kultur/berliner-zeitung-verleger-holger-friedrich-und-seine-ddr-geschichte-a-00000000-0002-0001-0000-000173324622
(DIR) [2] /Neue-Ostdeutsche-Allgemeine-Zeitung/!6157221
## AUTOREN
(DIR) Matthias Meisner
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