# taz.de -- Ostdeutsche Allgemeine Zeitung: Chefredakteur sucht das Weite
> Dorian Baganz, Chefredakteur der gerade erst gegründeten „Ostdeutschen
> Allgemeinen Zeitung“, hat schon genug. Nun weht der Wind von rechts noch
> schärfer.
(IMG) Bild: „Schönes Bild, toller Text“: Zumindest kurz war der Wessi Dorian Baganz Feuer und Flamme für die osttümelnde OAZ
Wird das zum Fall für die Antidiskriminierungsbeauftragte? Ein
westdeutscher Journalist heuert als Chefredakteur bei einer Zeitung an, die
sich als „ostdeutsches Leitmedium“ versteht. Dann geht er nur drei Wochen
nach dem Erscheinen der ersten Ausgabe.
Zwar einerseits dem offiziellen Kommuniqué zufolge „auf eigenen Wunsch“.
Andererseits erklärt der Geschäftsführer eben jener [1][Ostdeutschen
Allgemeinen Zeitung] (OAZ), Dirk Jehmlich: „In den vielen Gesprächen und
Zuschriften unserer Leserinnen und Leser ist deutlich geworden, dass sich
eine große Mehrheit eine Chefredakteurin oder einen Chefredakteur mit
ostdeutscher Biografie wünscht. Dieses Feedback nehmen wir sehr ernst.“
Die Geschichte um das Ausscheiden von [2][Dorian Baganz], geboren 1993 in
Duisburg, ist die jüngste Episode rund um Holger Friedrichs neues Projekt
OAZ. Es gab und gibt Schwierigkeiten bei der Suche nach Personal, ein
großer Teil der Inhalte und auch der Autor:innen kommt vom Mutterblatt
Berliner Zeitung.
Ein Redakteur der Berliner Zeitung sagt: „Nun wird also ein Ostdeutscher
gesucht. Dabei war die erste Suche erfolglos, wegen Feigheit der
Angesprochenen.“ So hielt sich die Zeitung zunächst an ihre eigene Parole:
„Ostdeutsch ist keine Frage der Herkunft. Ostdeutsch ist eine Haltung.
Fleißig. Loyal. Bescheiden.“
## Mit kurzer Frist
Dorian Baganz verschickte am Donnerstagabend eine knappe Erklärung an
verschiedene Redaktionen, Betreff: „Beendigung meiner Aufgabe als
Chefredakteur der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Er habe am vergangenen
Mittwoch, zwei Monate nach seiner Ernennung, „von der Möglichkeit Gebrauch
gemacht, das Arbeitsverhältnis während der Probezeit mit kurzer Frist zu
beenden“.
In der am Freitag erschienenen vierten Wochenendausgabe der OAZ stand
Baganz noch im Impressum. Sein Beitrag zum Blatt ist ein ganzseitiges
Interview mit BSW-Chefin Amira Mohamed Ali. Das Editorial schrieb – anders
als in den ersten drei gedruckten Ausgaben der Zeitung – nicht mehr Baganz,
sondern ein Lokalredakteur.
Mögliche Gründe für sein Ausscheiden: Wenige Tage vor seiner Entscheidung,
den Posten abzugeben, war bekanntgemacht worden, dass [3][Philippe
Debionne], früherer Chefredakteur des Nordkurier, den „Vorsitz der
Chefredaktionen“ von Berliner Zeitung und Ostdeutscher Allgemeine
übernehmen soll. Er wäre mithin eine Art Ober-Aufseher für Baganz und den
neuen Chefredakteur der Berliner Zeitung, Moritz Eichhorn, geworden.
Sowohl Debionne als auch Eichhorn haben einen gewichtigen Anteil daran,
dass sich Holger Friedrichs Zeitungen nach rechtsaußen öffnen. Vorläufiger
Höhepunkt war ein von Eichhorn mitgeführtes doppelseitiges Interview Ende
Februar in der Wochenendausgabe der Berliner Zeitung mit dem neurechten
Vordenker Götz Kubitschek. In der Unterzeile die Frage: „Ist er zu
gefährlich für ein Zeitungsinterview?“ Eichhorn und wohl auch Friedrich
fanden das nicht, Baganz aber sehr wohl?
## Wechsel des Themenfelds
Dorian Baganz ist ein eher linker Journalist. Er war 2019 Lokalreporter für
die Süddeutsche Zeitung im Umland von München. Ende desselben Jahres
schrieb er insgesamt [4][23 Artikel für die taz]. Seit 2022 arbeitete er
für die linke Wochenzeitung Der Freitag. Er schrieb über Klimathemen und
soziale Umbrüche. Erst in seinen letzten Monaten bei der Wochenzeitung
wechselte er das Themenfeld.
Es ging nun häufig um den Ukraine-Krieg und das BSW. Er [5][interviewte
Gabriele Gysi]. Sein letzter Beitrag für den Freitag war ein Gespräch mit
dem SPD-Politiker Rolf Mützenich, den er vorstellte als „letzten
Pazifisten“ und „Deutschlands wichtigsten Friedenspolitiker“. Im Rückblick
lasen manche in der Freitag-Redaktion diese Texte wie ein
Bewerbungsschreiben bei Holger Friedrich.
Die extreme Rechte kann das Ding von Dorian Baganz eigentlich so gar nicht
sein. Trotzdem war er auf seinem neuen Posten der Ostdeutschen Allgemeinen
sehr loyal, zumindest zunächst. Als sich Baganz, Friedrich und
Mitstreiter:innen vor dem Start der ersten Ausgabe zur
Redaktionskonferenz versammelten, durfte der Medienjournalist Jörg Wagner
filmen.
In [6][Folge #007 seines Podcasts „Medienhölle]“ gibt es eine
bemerkenswerte Passage, in der Baganz das gefällige Porträt von AfD-Chef
Tino Chrupalla in der ersten OAZ-Ausgabe überschwänglich lobt: „Schönes
Bild, toller Text, der diesem Mann einfach auch gerecht wird“ und der sich
„deutlich unterscheidet von anderen Porträts dieses Mannes, die wir in der
Vergangenheit gelesen haben“.
Zudem sei „Der Mann hinter den Zuschreibungen“ auch „einfach eine schöne
Schlagzeile“. Gut, schließt Baganz, dass das Stück im Blatt prominent
platziert sei. Ein digital zugeschalteter Teilnehmer der
Redaktionskonferenz fragt, ob das alles nicht ein bisschen „zu viel ‚gute
AfD‘ auf prominenten Plätzen“ sei. Baganz widerspricht: Man müsse nur
„weiter runterscrollen“, dann komme „auf einem prominenten Platz auch ein
BSW-Politiker“.
Damals also machte Dorian Baganz noch ziemlich viel mit. Aber irgendwann
und vielleicht gerade noch rechtzeitig zog er die Reißleine. Womöglich
hatte sich auch bei ihm herumgesprochen, welche Erfahrungen
Mitarbeiter:innen der Berliner Zeitung vor ihm mit Holger Friedrich
gemacht haben.
Immer häufiger meldeten sich zuletzt Kolleg:innen. Einer schildert der taz
anonym, wie er von Holger Friedrich gefördert und schnell auch wieder
„entfördert“ worden sei, „als nicht gepasst hat, was und wie ich zu
‚Holgers Herzensthemen‘ schreibe.“ Menschen wie Friedrich flögen
„gefährlich unter dem Radar“, weil sie „nicht so laut sind wie die
größenwahnsinnigen Entrepreneure unserer Zeit, die Elon Musks und Christian
Wolfs, gleichsam aber umso empfindlicher und bissiger reagieren, wenn man
ihre Lebensleistung nicht mit staunendem Mund würdigt, wie sie es sich
wünschen. Oder sie, Gott bewahre, kritisiert“.
Bisher schweigt Dorian Baganz zur Frage, ob er mit Holger Friedrich
ähnliche Erfahrungen gemacht hat. In seiner persönlichen Erklärung steht
eine Andeutung: Bei der Entscheidung zum Verzicht auf den
Chefredakteursposten hätten „unterschiedliche Vorstellungen über die
inhaltliche Ausrichtung“ ebenso eine Rolle gespielt wie „Fragen der
persönlichen Zusammenarbeit“.
13 Mar 2026
## LINKS
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(DIR) [6] https://medienhoelle.podigee.io/8-neue-episode
## AUTOREN
(DIR) Matthias Meisner
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