# taz.de -- Mehrheiten mit radikal Rechten sichern: Wo CDU und AfD gemeinsam gegen Verhütung stimmen
       
       > CDU und AfD kürzen das Budget von Pro Familia Norderstedt. Die
       > Beratungsstelle kann nun kaum noch rezeptpflichtige Verhütungsmittel
       > erstatten.
       
 (IMG) Bild: Gibt es nur kostenpflichtig auf Rezept: Antibabypille
       
       Es bleibt eine ambivalente Angelegenheit: Sex ist zwar allgegenwärtig in
       unserer Gesellschaft, Pornos sind leicht verfügbar. Sexualität im
       Allgemeinen und Verhütung im Besonderen bleibt aber meist Privatsache – und
       erst recht das Beantragen von Zuschüssen für Verhütungsmittel. Die
       Beratungsstelle [1][Pro Familia in Norderstedt] muss aber jetzt genau hier
       Beratung und Unterstützung einschränken. Denn CDU und AfD haben im
       zuständigen Kreisparlament Segeberg gemeinsam für die Kürzung des Budgets
       von Pro Familia gestimmt. Die Folge: Die Kosten für
       verschreibungspflichtige Verhütungsmittel können nicht mehr alle erstattet
       werden, wie eine Pro-Familia-Mitarbeitern der taz bestätigte.
       
       Möglich wurde die Mehrheit für diesen CDU-Antrag, weil die CDU seit der
       Kommunalwahl 2023 im Kreistag 25 Mandate hat und die AfD 7. SPD, Grüne,
       FDP, Freie Wähler und ein fraktionsloser Abgeordneter hatten dagegen nicht
       genug Mandate, um die Bugdetkürzung um 40.000 Euro zu verhindern.
       
       ## Großer Einschnitt für Beratungsstelle
       
       Diese Entscheidung bedeutet einen großen Einschnitt in der Geschichte von
       Pro Familia Norderstedt: Seit mehr als 70 Jahren bietet der Verein laut
       Homepage eine „professionelle, vertrauliche Beratung“ an, um Menschen zu
       ermöglichen, „selbstbestimmt ihre Sexualität leben und frei über eine
       Elternschaft entscheiden“ zu können.
       
       Und der Bedarf ist groß: Im Kreis Bad Segeberg konnte Pro Familia dank der
       Förderung seit 2018 etlichen Empfänger*innen von Transferleistungen
       sowie Geringverdienenden die Kosten für Verhütungsmittel erstatten. Eine
       Modellfinanzierung, die „ausdrücklich als Übergang“ gedacht war, bis eine
       „bundesweite Lösung“ gefunden wäre, heißt es im jetzt beschlossenen Antrag.
       
       Die Leistung habe sich damit „von einer zeitlich begrenzten Unterstützung
       zu einer dauerhaften freiwilligen Ausgabe entwickelt“. Der
       Haushaltsituation sei aber geschuldet, „freiwillige Leistungen kritisch zu
       überprüfen und auf ihre Priorität hin zu bewerten“.
       
       Mit dem Antrag hat die CDU-Fraktion um den Vorsitzenden Till Wenzel und
       seine Stellvertreterin Constanze Rode allerdings nicht nur Fakten
       geschaffen, sondern auch wichtige Zeichen gesetzt: nicht nur, dass der
       Antrag gemeinsam mit der AfD beschlossen wurde. Auch wird durch die
       Kürzungen des Budgets für Verhütungsmittel das [2][Selbstbestimmungsrecht]
       etlicher Frauen eingeschränkt. Der AfD-Fraktion um den Vorsitzenden Julian
       Flak und seinen Stellvertreter Sven Wendorf dürfte die Zustimmung zu dem
       CDU-Antrag auch deswegen leichtgefallen sein.
       
       ## Pflegen antifeministischer Ressentiments
       
       Denn die AfD pflegt antifeministische Ressentiments. So fordert sie
       weibliches Selbstbestimmungsrecht allein bei Musliminnen ein, die sie in
       patriarchalen Zwängen gefangen wähnt. Dem Geburtenrückgang unter Deutschen
       dagegen begegnet sie auf Wahlplakaten mit Parolen wie „Neue Deutsche?
       Machen wir selber“.
       
       Das sehen viele Frauen offenbar anders: Seit 2020 beantragen laut Pro
       Famiia allein im Kreis Bad Segeberg immer mehr Menschen einen Antrag auf
       Unterstützung. Das Budget für [3][Antibabypille], Vasektomie,
       Sterilisation, Drei-Monats-Spritze oder Spirale etwa für 2025 sei fast
       aufgebraucht, heißt es. Dabei träfen ungewollte Schwangerschaften fast
       immer Frauen, die die Verhütung großteils allein finanzierten. Zu den
       Antragstellenden gehörten auch junge Menschen in Ausbildung oder Studium.
       Wenn im zweiten Quartal 2026 die Finanzierung durch den Kreis endet, können
       laut Pro Familia rund 80 Betroffene nicht mehr unterstützt werden.
       
       6 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.profamilia.de/angebote-vor-ort/schleswig-holstein/norderstedt
 (DIR) [2] /Frauenrechte-bei-Fortpflanzung/!5838230
 (DIR) [3] /-Antibabypille-wird-65/!6104897
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Speit
       
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