# taz.de -- Adventskalender im Sommer: Ein ziemlich teures Hobby
       
       > Adventskalender sollte es das ganze Jahr über geben – auch im Sommer.
       > Denn es gibt immer gute Gründe, jemanden zu beschenken.
       
 (IMG) Bild: Hauptsache Geschenke verpacken – zur Not muss man eben den passenden Feiertag erfinden
       
       Gestern war es ein Teller in Erdbeerform, dazu eine Packung
       Dinkel-Kaiserschmarrn (große Empfehlung), heute war es ein Jutebeutel mit
       bunten Eismotiven. Jeden Tag ein Türchen, beziehungsweise Geschenkchen, bis
       zum eigentlichen großen Event am 14. Juni.
       
       Was ist los? [1][Ja, ist denn bald schon Weihnachten??] Hat die taz kein
       Kalendarium??? Lügenpresse!!?! Nein, es ist so, ich habe nämlich ein Hobby.
       Ein ziemlich teures Hobby: Adventskalender basteln. Aber auch bekommen. Das
       gesamte Jahr über. Eine Freundin und ich betreiben dieses Hobby derart
       begeistert und ambitioniert, dass ein Freund bereits Feiertage erfindet, an
       denen wir uns wieder einen Kalender zukommen lassen können. Das lateinische
       Wort adventus bedeutet schließlich Ankunft. Und ankommen kann so ziemlich
       alles zu jeder Zeit.
       
       Diese Freundin und ich, wir sind beide große Geburtstagsenthusiastinnen.
       Ein Tag, an dem man im Mittelpunkt steht, mit guten Wünschen, Geschenken
       und Kuchen überhäuft wird, wie kann man dem nicht entgegenfiebern? Einmal –
       es wird ein 25. 12. gewesen sein, also nachdem wir uns gegenseitig normale
       Adventskalender gebastelt und das letzte Türchen geöffnet hatten, stellte
       ich ihr die Frage aller Fragen: „Willst du einen
       Geburtstagsadventskalender? Dann gibt’s aber kein extra Geschenk am großen
       Tag.“ Na, und ob sie das wollte.
       
       Ihr Geburtstag fällt übrigens auf einen 28. Also jedes Jahr 28 Artikel
       kaufen. Ächz, jault mein Konto. Juhu, rufe ich. Aber, mag irgendein
       Schlaumeier jetzt einwenden: Wenn Vorfreude die schönste Freude ist, wozu
       braucht es dann Adventskalender? Tja, sage ich dann: Für die doppelte
       Freude natürlich!
       
       Ist man dann erst mal drinnen im Adventskalender-Rabbithole, stellt man
       fest: es handelt sich um eine bodenlose Angelegenheit. Anlässe für
       Adventskalender können sein:
       
       – Geburtstagscountdown
       
       – Hochzeitscountdown
       
       – Geburtscountdown (hier werden wegen der fehlenden Planbarkeit immer noch
       Zugaben benötigt, außer es wird ein Kaiserschnitt)
       
       – Umzugscountdown
       
       – Prüfungscountdown
       
       – Bucherscheinungscountdown (Habe ich bekommen. Hehe.)
       
       – Untersuchungsergebniscountdown
       
       – Die eine oder andere Person mag es makaber finden, aber auch die Zeit
       zwischen einem Todesfall und einer Beerdigung kann mit einem
       Adventskalender tröstlicher gestaltet werden. Vielleicht sogar gerade die:
       Erinnerungen an den geliebten Menschen, Gutscheine für gemeinsame
       Aktivitäten, Gedichte über Trauer, [2][etwas Genähtes aus einem
       Kleidungsstück] der verstorbenen Person, Fotos, konkrete Hilfestellungen
       bei bürokratischen Herausforderungen (der Tod zieht allerhand davon nach
       sich).
       
       Genau genommen gibt es unzählige Anlässe, Adventskalender zu erstellen, die
       Fantasie ist grenzenlos, allein der Kontostand ist es nicht. Vergangenes
       Jahr habe ich zum Beispiel einen Urlaubscountdown-Adventskalender mit dem
       Motto „Eis“ verschickt. Hinter 14 Türchen fanden sich über 20 Artikel, auf
       denen ein Eis abgebildet ist.
       
       Denn, ja, das ist auch noch so eine Sache – das Zusammenstellen bereitet
       derart viel Freude, dass wir uns gegenseitig oft mehr als ein Geschenk pro
       Türchen gönnen. Mittlerweile scheint uns eine einzelne Tuchmaske zu
       mickrig, da muss schon noch ein Lippenpflegestift beigelegt werden, und
       Tassen gibt es nur noch gemeinsam mit einem hübschen Teebeutel oder einem
       der Kaffee-Sachets, die man aus Hotelzimmern mitnehmen kann.
       
       So, nun muss ich zum Schluss kommen. Ein Freund hat nämlich bald
       [3][Geburtstag] und ich muss – ach was, ich darf – seine Geschenke
       verpacken.
       
       13 Jun 2026
       
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