# taz.de -- Palästina-Frage spaltet Grüne in UK: Zack in die Kontroverse
> Die „Greens for Palestine“ stellen auf dem Parteitag einen Antrag, der
> Israel das Existenzrecht abspricht. Parteichef Polanski muss moderieren.
> Kann er das?
(IMG) Bild: Ganz schöner Lautsprecher: Zack Polanski auf einer Wahlkampfveranstaltung in Manchester im Februar
Bei einer Londoner Demo gegen rechts am Samstag tanzte Zack Polanski, der
Parteichef der englischen und walisischen Grünen, auf dem Podium. Grund zum
Tanzen hatte er: In Meinungsumfragen kommt die Partei auf 19 Prozent
Zustimmung und hängte damit Labour um drei Prozentpunkte ab. Das ist nicht
zuletzt Polanski zu verdanken, der bereits [1][bei seiner Ernennung im
September] ankündigte, einen Stil einführen zu wollen, der den der
Rechtspopulisten von Nigel Farrages Reform UK kopiert – wenn auch auf
links-grün gedreht. Diese Forschheit kam offensichtlich gut an.
Polanski, oft lässig mit Sakko auftretend, wurde 1982 in Manchester in eine
jüdische Großfamilie hineingeboren. Bekennend säkular, vegan und in
gleichgeschlechtlicher Ehe lebend, ist Polanski stolz darauf, einer von nur
fünf Juden zu sein, die je eine britische Partei leiteten.
Polanski studierte Soziologie und Theater in Wales und im US-Bundesstaat
Georgia und arbeitete danach als Schauspieler, aber auch als
Hypnotherapeut. Mit einer Journalistin ließ er sich auf ein Experiment ein:
Er behauptete, durch Hypnose ihre Brust vergrößern zu können. Er
entschuldigte sich später dafür.
Zunächst bei den Liberaldemokrat:innen, wechselte er 2017 zu den Grünen.
2021 wurde er Abgeordneter des Londoner Versammlungsrats. Für die nächsten
Unterhauswahlen, die spätestens im Sommer 2029 anstehen, will er sich nicht
nur als Kandidat für das Parlament aufstellen lassen, sondern sieht sich
als potenziell zukünftiger Premierminister, wie er der BBC erklärte.
Bei seiner Politik ginge es ihm um drei Grundfragen, sagte er in einem
Video der Grünen-Partei Mitte März: „Wie man das Leben erschwinglicher
macht, wie man die Mehrheit vor einer reichen Elite schützen kann und wie
wir den Planeten für die zukünftigen Generationen bewahren.“ In konkrete
Politik übersetzt heiße das: Mieter:innenschutz, eine schnellere
Energiewende und Besteuerung von Multimillionär:innen.
## Existenzrecht Israels infrage gestellt
Außenpolitisch geht es bei den Grünen, und bei Polanski vor allem, um
Israel. Manchen in der Partei ist es nicht deutlich genug, Israel des
Völkermords zu beschuldigen und ein Waffenembargo zu fordern. Am Samstag
sollte deshalb beim Grünen-Frühjahrsparteitag über einen Antrag der Gruppe
„Greens for Palestine“ abgestimmt werden, der Zionismus pauschal als
rassistisch definiert und das Existenzrecht Israels infrage stellt.
Die jüdische Gruppe der Grünen argumentierte dagegen: Man schließe damit
Jüdinnen und Juden aus, die selbst kritisch gegenüber dem israelischen
Staat seien. „Zionismus war die Hoffnung auf ein friedliches Land ohne
Verfolgung“, sagte auch Polanski in einem Interview mit dem Londoner
Radiosender LBC. Aber der Zionismus der Regierung Netanjahus sei
rassistisch, da sie „die Ausrottung des palästinensischen Volkes
beinhalte.“
## Diskussion über die Palästina-Frage
Durch technische Probleme kam es am Ende nicht zur Abstimmung, die Lager
auf dem Parteitag überzogen sich dafür gegenseitig mit Unterstellungen.
Polanski hat einst [2][Jeremy Corbyn, Galionsfigur der Linken], für
Antisemitismus in der Labourpartei kritisiert. Kann er seine eigene Partei
nun vor einer Selbstzerfleischung über der Palästina-Frage retten?
Wenig kontrovers hingegen Polanskis Auftritt auf der Demo gegen rechts: Bis
zu einer halben Million Menschen zogen laut Angaben des Veranstalters, das
Bündnis Together Alliance, am Samstag durch London, um unter anderem für
eine humanere Migrationspolitik zu demonstrieren. Die pro-palästinensische
Palestine Coalition organisierte ebenfalls einen Marsch, man traf sich in
Westminster. Man stehe auch hier für die Sache der Palästinenser: „Unsere
Kämpfe“, [3][sagte Polanski in einer Rede], „sind miteinander verbunden.“
29 Mar 2026
## LINKS
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(DIR) [2] /Labour-Abspaltung/!6095753
(DIR) [3] https://www.instagram.com/reel/DWcJTPVGsww/
## AUTOREN
(DIR) Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
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