# taz.de -- Ausnahmespieler Florian Wirtz: Zwei Tore, vier Gemälde
       
       > Im Schweizer „Joggeli“ macht Florian Wirtz ein außergewöhnlich gutes
       > Spiel, kredenzt Tore und Vorlagen und stiftet damit viel Hoffnung für die
       > WM.
       
 (IMG) Bild: Wahre Liebe: Nationalspieler David Raum (r.) freut sich über Florian Wirtz’ Tor gegen die Schweiz
       
       Als sich die deutsche Nationalmannschaft in ihren neuen Farben vor dem
       mitgereisten Anhang im St. Jakob-Park bedankte, drängte es Florian Wirtz,
       22, nicht in den Mittelpunkt. Der Kreativdirektor der diesmal
       tiefblau-türkisfarben angetretenen DFB-Auswahl hielt sich eingerahmt von
       Ergänzungsspieler Pascal Groß und [1][Debütant Lennart Karl] am Rand auf.
       
       Fast schüchtern hob er nach dem Torspektakel gegen die Schweiz (4:3) in
       dieser kühlen Nacht die Arme, während ihn alsbald erste Augenzeugen in den
       Himmel hoben. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus verpasste ihm als
       RTL-Experte „einen Stern hinter der Eins“ – und Bundestrainer Julian
       Nagelsmann wollte da nicht widersprechen. Die Gala von Basel sei
       „außergewöhnlich“ gewesen.
       
       Der erste Sieg gegen die effizienten Eidgenossen nach 18 Jahren ging
       weitgehend auf sein Konto. Sein 38. Länderspiel sei „wahrscheinlich“ sein
       bislang bestes gewesen, gab der Ausnahmespieler vom FC Liverpool zu. „In
       den wichtigen Momenten muss es klappen – heute war es da.“
       
       Der Schweizer Kapitän Granit Xhaka, [2][wie Wirtz ein Baustein der
       Meisterelf von Bayer Leverkusen 2024], hielt fest: „Ganz Deutschland kann
       froh sein, so einen Spieler zu haben.“ Zwei großartige Vorlagen und zwei
       grandiose Volltreffer hatten wie Gemälde ausgesehen – das kulturbewusste
       Publikum im Dreiländereck reagierte mit anerkennendem Raunen in dieser
       [3][traditionsreichen Spielstätte].
       
       ## Kunstschuss zum 3:2
       
       Genau auf jener Seite, in der am 19. Juli 2025 die [4][deutsche
       Nationaltorhüterin Ann-Katrin Berger] bei der Frauen-EM eine Parade für die
       Ewigkeit hinlegte, zirkelte Wirtz die Kugel vom Strafraumeck zu einem der
       schönsten Länderspieltore der Geschichte unter die Latte. War der
       Kunstschuss zum 3:2 überhaupt nach einer schnell ausgeführten Ecke
       detailliert so geplant?
       
       „Es war ein bisschen gewollt. Ich würde aber lügen, wenn ich sage, dass ich
       den genau dahin schießen wollte“, gab der Torschütze zu, der vor der Pause
       bereits die Tore von Jonathan Tah und Serge Gnabry präzise aufgelegt hatte.
       Erst per Flanke, dann per Schnittstellenpass. Zur ständigen Präsenz kamen
       geniale Konstruktionen, die der gebürtige Kölner meisterhaft aus dem
       Fußgelenk schüttelte.
       
       Wie sein 4:3 fast aus dem Stand, um die Schweizer Kuhglocken zum Verstummen
       zu bringen. „Den wollte ich dahin schießen“, erläuterte Wirtz fröhlich
       grinsend. Die Defensivschwächen lächelte er derweil locker weg. „Man merkt
       ein bisschen, dass wir lange nicht miteinander gespielt haben.“ Solange man
       ein Tor mehr schieße als der Gegner, sei doch alles in Ordnung.
       
       Ansonsten wollte Wirtz nicht zu weit nach vorne blicken. Mit dem FC
       Liverpool warte noch eine „heiße Saisonphase“, erst danach werde die WM
       wirklich sein Thema. Aber klar sei: „Man will ins Finale. Wir müssen uns
       vor keinem verstecken.“ Seine blitzgescheiten Ideen und sein enormer
       Aktionsradius tun der DFB-Elf vor allem deshalb gut, weil mit Jamal Musiala
       der zweite Zauberfuß aus der Heim-EM einfach nicht in Tritt kommt.
       
       ## Auf dem Weg zum Weltfußballer?
       
       Erst in Basel hatte der Bundestrainer deutliche Sorge geäußert, dass die
       schwere Verletzung aus der Klub-WM immer noch nachwirkt: „Er hat nicht mehr
       so viel Zeit. Ich will ihm nur die Daumen drücken, dass da nichts mehr
       passiert.“ Eines ist auch klar: Wenn es beim nächsten Großereignis übers
       Achtelfinale mit einem möglichen Gegner wie Frankreich hinausgehen soll,
       braucht es am besten beide Unterschiedsspieler in Topform. Insofern
       beruhigend, wie spiel-, einsatz- und lauffreudig sich Wirtz präsentierte.
       
       Natürlich kam ihm entgegen, dass sich viel mehr Räume öffneten als im
       Alltag der Premier League. Zu den Anpassungsproblemen in England holte
       Nagelsmann etwas weiter aus. Er habe den Stareinkauf der „Reds“ nie
       wirklich schlecht gesehen, aber die Umgewöhnung sei eben „nicht leicht“
       gewesen; auch weil der Ballkünstler derart „harten Gegenwind“ bis dahin
       kaum kannte.
       
       „Das beschäftigt einen jungen Menschen“, so Nagelsmann. Wirtz habe in
       dieser Zeit immer wieder das Gespräch gesucht: „Er hat sich extrem
       geöffnet: Wir haben viel enger zueinander gefunden.“
       
       Am Limit sei der Edeltechniker noch längst nicht. „Er ist im Weltfußball
       ein Name. Und wenn er sich das beibehält, dann wird er über ganz, ganz
       lange Zeit ganz oben stehen bei allen Klubs. Weil er einfach unfassbar gut
       ist, engagiert und immer mit der nötigen Power“, befand der Bundestrainer.
       Gegen eines hätte er gewiss nichts: wenn Florian Wirtz bis zur auf allen
       Ebenen herausfordernden WM diese Form konserviert.
       
       29 Mar 2026
       
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