# taz.de -- Keine Strafe für El Hotzo wegen Trump: Öffentlicher Frieden gerade noch gewahrt
       
       > Wegen eines Kommentars über das Attentat auf Trump musste El Hotzo wieder
       > vor Gericht erscheinen. Nach der Entscheidung hat er aber gut lachen.
       
 (IMG) Bild: El Hotzo hat gewonnen
       
       dpa | Es sei „absolut fantastisch“, wenn Faschisten sterben – so hat der
       Satiriker El Hotzo im Juli 2024 das Attentat auf Donald Trump kommentiert,
       bei dem eine Kugel den jetzigen US-Präsidenten am Ohr verletzte.
       
       Wegen dieses hämischen Kommentars und einem weiteren Spruch auf der
       Plattform X musste sich der 30-Jährige, der sich einen Internetclown nennt,
       [1][nun schon zum zweiten Mal] vor Gericht verantworten – wegen der
       Billigung von Straftaten.
       
       Doch kann Sebastian Hotz, wie der Comedian richtig heißt, nun aufatmen: Das
       Berliner Kammergericht verwarf die Revision der Staatsanwaltschaft, damit
       bleibt der Freispruch des Amtsgerichts aus der ersten Instanz bestehen.
       
       In der Nacht im Juli 2024 hatte Hotz die Schüsse auf Trump auch mit dem
       „letzten Bus“ verglichen. Er kommentierte: „Leider knapp verpasst.“
       Ergänzend schrieb er den besagten Spruch über sterbende Faschisten. Die
       Beiträge löschte er kurz danach – auch, weil es ungewohnt viele und
       emotionale Reaktionen gab. Dennoch brach ein Shitstorm in den Onlinemedien
       los und es gab knapp 50 Strafanzeigen.
       
       ## Beachtliche Reichweite
       
       Eine zentrale Frage war nun, ob Hotz mit seinen spitzen Sprüchen auch den
       „öffentlichen Frieden“ gestört habe. Seine Reichweite, er hat auf X weit
       mehr als 700.000 Follower, ist jedenfalls beachtlich.
       
       Der Vorsitzende Richter Gregor Herb verwarf den Gedanken jedoch. Die
       Kommentare seien nicht geeignet, das Vertrauen der Bevölkerung in die
       allgemeine Rechtssicherheit zu erschüttern. Auch sei kein Übergang hin zu
       Aggression oder ein Appell zum Rechtsbruch zu erkennen. Hotz wolle schon
       „von Berufs wegen nicht ernst genommen werden“, meinte der Richter, daher
       folge er der Verteidigung und stufe die Äußerungen als Satire ein.
       
       Zuvor hatte sich auch Hotz in seinem Schlusswort verwundert darüber
       geäußert, dass ausgerechnet er den öffentlichen Frieden gestört haben
       solle. Er sehe sich als Internetclown, der viel Meinung und Empörung habe,
       „aber sehr wenig Ahnung“. Satire dürfe auch unlustig und „saublöd“ sein,
       sagte er. Dafür stehe er sehr gerne mit seinem Namen.
       
       Auch seine Verteidigerin Carolin Lütcke pochte vor Gericht darauf, El
       Hotzos Kommentare seien Witze, die nicht ernstzunehmen seien. „Ein Witz
       bleibt ein Witz!“, sagte sie. Sie könne den „Verfolgungseifer“ der
       Staatsanwaltschaft daher nicht verstehen. An das Gericht gewandt sagte sie,
       die [2][Meinungs- und Satirefreiheit sei ein hohes, schützenswertes Gut.]
       
       ## Anklage erkennt „gewisse Hetze“
       
       Zu einer anderen Bewertung kam dagegen Oberstaatsanwalt Frank Mohr. Satire
       sei nicht immer straflos, sagte er. El Hotzos Äußerungen seien keine
       gewöhnliche Kritik an Trump, sondern mit einer „gewissen Hetze“ verbunden
       gewesen. Der Anklagevertreter zog auch einen Vergleich: Angenommen, der
       Kommentar wäre aus der rechten Szene gekommen und das Opfer ein jüdischer
       Politiker – dann hätte doch niemand Zweifel, dass der Straftatbestand
       erfüllt sei.
       
       Nach dem Urteil äußerte sich Hotz erleichtert, dass das Strafverfahren
       abgeschlossen ist. Zugleich witzelte er, eine Verurteilung hätte natürlich
       der Werbung für sein neues Buch besser gedient. Gefragt, ob seine Sprüche
       über Trump „saublöd“ gewesen seien, sagte Hotz, dies sei tatsächlich kein
       Gag, an den er sich länger erinnert hätte, wenn es nicht die Welle von
       Aufmerksamkeit gegeben hätte.
       
       Vor dem Prozess hatte Hotz gewarnt, sein Fall könne als gefährliches
       Exempel dienen. Im Falle seiner Verurteilung müssten Satirikerinnen und
       Satiriker „damit rechnen, dass jeder Witz und jeder Post juristische
       Konsequenzen nach sich ziehen könnte, solange er von genügend Menschen
       absichtlich missverstanden wird“, sagte der Comedian der Deutschen
       Presse-Agentur. „Das ist eine Welt, in der ich ungern leben möchte.“
       
       Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisierte, dass der Fall neu
       aufgerollt wurde. Es sei unverständlich, dass die Staatsanwaltschaft das
       erste Urteil des Amtsgerichts nicht akzeptieren könne, sagte Sprecher
       Hendrik Zörner der dpa. „Da stellt sich schon die Frage, was Satirefreiheit
       eigentlich wert ist. Oder sind die Staatsanwälte so humorfrei, dass sie die
       Satire im Posting von El Hotzo bis heute nicht verstanden haben?“
       
       Kurz vor dem Prozess hatte El Hotzo sogar noch mal nachgelegt. Er postete
       auf X eine Zeichnung, die die Funktion eines Bolzenschussgeräts an einem
       Rind zeigt. Dazu schrieb er: „morgen Trump-Tweet Revision“.
       
       Und vergangene Woche nahm Hotz Trumps Manieren aufs Korn, weil sich der
       US-Präsident erfreut über den Tod des früheren FBI-Direktors Robert Mueller
       geäußert hatte, der von 2017 bis 2019 eine mögliche Einmischung Russlands
       bei der US-Wahl 2016 zugunsten Trumps untersucht hatte.
       
       Hotz schrieb: „gut, dass er nur US-Präsident ist, wenn er zB Comedy-Autor
       wäre, müsste er für sowas vor Gericht“.
       
       (Aktenzeichen 2 ORs 33/25)
       
       27 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Prozess-um-El-Hotzo/!6100424
 (DIR) [2] https://de.wikisource.org/wiki/Was_darf_die_Satire%3F_(Tucholsky)
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Satire
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Schwerpunkt Pressefreiheit
 (DIR) Kolumne übrigens
 (DIR) Satire
 (DIR) Jan Böhmermann
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Prozess um „El Hotzo“: Das Dilemma des Tyrannenmörders und seiner Fans
       
       Friedrich Schiller, Rolf Hochhuth und Sebastian Hotz („El Hotzo“) haben
       Gemeinsamkeiten. Nur war letzterer zu früh dran.
       
 (DIR) Gerichtsentscheid über Satire: El Hotzo darf weiter schlechte Witze machen
       
       Der Satiriker Sebastian Hotz hatte vor einem Jahr einen Witz über das
       Attentat gegen Donald Trump gemacht. Ein Gericht entschied nun: Das war
       erlaubt.
       
 (DIR) „El Hotzo“ über deutsche Comedy: „Parteivorsitz? Bloß nicht!“
       
       Sebastian Hotz gelang 2020 im Internet der Durchbruch. Ein Gespräch über
       Serotonin durch Likes und die größte Krankheit der deutschen Comedy.