# taz.de -- UN-Resolution zu Sklavenhandel: „Schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit“
> Die UN-Generalversammlung stuft transatlantischen Sklavenhandel als
> schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein. Deutschland enthält
> sich.
(IMG) Bild: Von hier aus wurde viele Sklaven verschifft: Fort Saint Anthony in Ghana
Die UN-Generalversammlung hat am Mittwoch eine als wegweisend betrachtete
Resolution angenommen, die den transatlantischen Sklavenhandel als
„schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ anerkennt. Mit Ja stimmten
123 Staaten, drei votierten mit Nein und 52 enthielten sich. Das Datum
hätte symbolischer nicht sein können. Der 25. März ist der Internationale
Tag zum Gedenken an die Opfer der Sklaverei und [1][des transatlantischen
Sklavenhandels].
Bei der Einstufung als „schwerstes Verbrechen“ verweist die Resolution auf
mehrere zentrale Aspekte: den enormen Umfang und die jahrhundertelange
Dauer des transatlantischen Sklavenhandels, seinen systematischen Charakter
sowie eine besondere Brutalität.
Ausschlaggebend seien zudem die bis heute anhaltenden Folgen, da
rassistisch geprägte Arbeits-, Eigentums- und Kapitalverhältnisse weiterhin
globale gesellschaftliche Strukturen beeinflussen, wie der ghanaische
Menschenrechtsanwalt Oliver Barker-Vormawor gegenüber der taz erklärte.
Anders als die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats sind jene der
Generalversammlung zwar nicht rechtsverbindlich, gelten aber als guter
Gradmesser für die globale Stimmung zu bestimmten Themen. „Das Ergebnis
wird als bedeutender Schritt gesehen, um zumindest die Tür für Gespräche zu
öffnen, die lange nicht geführt wurden“, so Barker-Vormawor, der an der
Ausarbeitung beteiligt war.
## Anhaltende Spannungen
Die [2][von Ghana eingebrachte Resolution] fordert unter anderem dazu auf,
eine Entschuldigung für den Sklavenhandel in Erwägung zu ziehen und
konkrete Schritte zur Wiedergutmachung zu unternehmen. Dazu können
finanzielle Entschädigungen, Schuldenerlasse, Entwicklungshilfe sowie die
Rückgabe geraubter Kulturgüter gehören.
Während das Ergebnis eindeutig ausfiel, verdeutlichte die Abstimmung jedoch
auch die anhaltenden Spannungen im Umgang mit historischer Verantwortung:
Während sie breite Unterstützung von den Mitgliedstaaten der Afrikanischen
Union sowie den Karibikstaaten erhielt, waren es vor allem westliche
Länder, die sich enthielten oder dagegen stimmten – darunter sämtliche 27
EU-Mitgliedsstaaten und Ghanas ehemalige Kolonialmacht Großbritannien.
Als Begründung wurde unter anderem die Formulierung „schwerstes Verbrechen“
angeführt. Diese erschaffe eine Hierarchie, die Sklavenhandel über andere
Verbrechen wie Völkermord stelle. Unklar sei auch, wer der Empfänger der
„Wiedergutmachungsgerechtigkeit“ sein solle. Zudem bestehe kein
Rechtsanspruch auf Wiedergutmachung für historische Ungerechtigkeiten, die,
als sie begangen wurden, nach internationalem Recht nicht als illegal
galten.
Laut Barker-Vormawor geht es bei der Resolution jedoch nicht darum,
historisches Leid gegeneinander aufzuwiegen – darin eingeschlossen auch die
Debatte um die Versklavung afrikanischer Menschen durch arabische Händler
–, sondern blinde Flecken sichtbar zu machen.
## Dunkles Zeitalter
Zwischen 1500 und 1800 wurden etwa 12 bis 15 Millionen Menschen in Afrika
gefangen genommen und nach Amerika und in die Karibikstaaten verschleppt,
um dort als Sklaven ausgebeutet zu werden. Schätzungen zufolge starben mehr
als 2 Millionen Menschen allein auf der langen Überfahrt.
Das heutige Ghana war eines der am stärksten vom transatlantischen
Sklavenhandel betroffenen Regionen Westafrikas. Noch heute zeugen unzählige
Sklavenforts entlang der ghanaischen Küste von dem dunklen Zeitalter.
Seit einigen Jahren treibt das westafrikanische Land die Aufarbeitung aktiv
voran. So rief Ex-Präsident Nana Akufo-Addo 2018 die afrikanische Diaspora
ausdrücklich dazu auf, den Kontinent zu besuchen und sich mit seiner
Geschichte auseinanderzusetzen.
Daraus entstand die Initiative „Year of Return“, die 2019 an den 400.
Jahrestag der Ankunft der ersten dokumentierten versklavten Afrikaner im
heutigen US-Bundesstaat Virginia erinnerte. Mit der Kampagne verbindet
Ghana historisches Gedenken mit einer politischen Botschaft: Die
Vergangenheit des transatlantischen Sklavenhandels soll auch als
Ausgangspunkt für neue Verbindungen zwischen Afrika und der Diaspora
genutzt werden.
26 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Helena Kreiensiek
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