# taz.de -- Urteil an Berliner Kammergericht: Vier bis sechs Jahre Haft für Hamas-Auslandsoperateure
> Die vier Männer unterhielten Waffendepots für potenzielle Anschläge in
> Europa, so das Berliner Kammergericht. Beauftragt wurden sie von der
> Hamas.
(IMG) Bild: Im Kammergericht Berlin bei der Verhandlung gegen vier mutmaßliche Mitglieder der radikal-islamistischen Hamas
Es war eine undankbare Aufgabe, mit der Ali Al A., Mohamed B., Ibrahim El
R. und Nazih R. betraut waren. Mindestens sechsmal fuhren die vier Männer
im Lauf des Jahres 2023 von Berlin aus nach Polen, um im Wald etwas zu
suchen. Ohne Erfolg. Im Dezember des Jahres wurden sie schließlich
festgenommen. Zuvor hatten ausländische Stellen – mutmaßlich israelische
Geheimdienste – den deutschen Behörden einen Hinweis gegeben: Die vier
Männer seien Mitglieder [1][der Terrororganisation Hamas] – und was sie in
Polen suchten, sei ein Waffenversteck.
Am Mittwoch, über zwei Jahre nach [2][der Festnahme,] hat das Kammergericht
Berlin die vier Männer wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation zu
Haftstrafen zwischen viereinhalb und sechs Jahren verurteilt. El R., der am
längsten ins Gefängnis muss, wurde zusätzlich auch noch wegen Verstößen
gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffenrecht verurteilt.
Damit folgte das Gericht weitgehend dem, was die Bundesanwaltschaft auch in
ihrem Plädoyer gefordert hatte. Es war [3][das erste Mal], dass sich ein
deutsches Oberlandesgericht damit auseinandersetzte, ob die Zugehörigkeit
zur Hamas für eine Verurteilung nach Paragraf 129 als Mitgliedschaft in
einer Terrororganisation bestraft werden kann.
Als die Vorsitzende Richterin das Urteil verkündet, bleiben die vier
regungslos, Al. A hört mit geschlossenen Augen zu. Die vier, die allesamt
in Libanon geboren wurden, hatten die Hamas-Mitgliedschaft in ihren
Aussagen zwar abgestritten, doch eine Vielzahl von Indizien sprach von
Anfang an gegen sie.
## Sargträger für Hamas-Größe
So standen alle vier nachweislich in Kontakt mit dem Vizekommandeur der
Qassam-Brigaden in Libanon, Chalil al-Charas. Die Brigaden sind der
militärische Flügel der Hamas. Und als al-Charas im November 2023 bei einem
israelischen Luftangriff getötet wurde, reiste El R. in den Libanon und
fungierte bei der Beerdigung als Sargträger. Ein Video zeigt, wie er dabei
Hamas-Parolen skandierte. Al-Charas war es höchstwahrscheinlich auch
gewesen, der die vier damit beauftragt hatte, die geheimen Waffenlager der
Gruppe in Europa zu kontrollieren und einsatzbereit zu halten.
Für die Fahrten nach Polen lieferten sie vor Gericht eine Vielzahl
widersprüchlicher Alternativerklärungen. Es habe sich um Campingausflüge
gehandelt, sagte der eine. Es sei eine Verkaufsfahrt gewesen, bei der man
eine Torarolle und Edelsteine habe veräußern wollen, ein anderer – warum
genau diese Gegenstände, das blieb unklar. Zwischenzeitlich stellte einer
der Angeklagten die Fahrten als Ausflug dar, um im Wald Heilkräuter zu
sammeln.
Diese Behauptungen würdigte die Vorsitzende Richterin nun zwar als „sehr
fantasievoll“, verwarf sie aber vollständig, unter anderem mit Verweis auf
das konspirative Vorgehen der Männer bei den Fahrten. Sie wechselten auf
dem Weg nach Polen mehrmals das Auto und nahmen oft Ehefrauen oder
unbeteiligte Bekannte mit, um ihr Vorgehen zu verschleiern.
Und während die Suchaktion in Polen scheiterte und auch die
Sicherheitsbehörden bis heute nicht klären konnten, ob das Depot dort
wirklich existierte, hatten die vier andernorts durchaus Erfolg. El R. war
in den Vorjahren etwa mehrmals nach Bulgarien gereist, wo er ein
Geheimlager überprüfte, in dem Ermittler*innen später ein Sturmgewehr,
vier Pistolen, Munition und Schalldämpfer fanden. Und auch in Dänemark
kontrollierte die Gruppe offenbar ein ähnliches Depot.
Auf einem USB-Stick bei einem der Angeklagten fanden Ermittler*innen
außerdem Kartensoftware, in der drei Orte markiert waren: die
US-Militärbasis Ramstein in Rheinlandpfalz, das Tempelhofer Feld in Berlin
und die israelische Botschaft im Südwesten der Hauptstadt. Weder die
Staatsanwaltschaft noch das Gericht glauben aber, dass die Verurteilten
unmittelbare Terrorangriffe auf diese Orte planten. Ihre Tätigkeit habe
eher dazu gedient, die prinzipielle Möglichkeit künftiger Anschläge
offenzuhalten, so die vorsitzende Richterin in der Urteilsbegründung.
Dass die Hamas weiter in Europa aktiv ist, zeigt derweil eine ganze Reihe
von Festnahmen im letzten halben Jahr. Im Mittelpunkt steht dabei eine
Waffenübergabe in Berlin, die die Polizei [4][im Oktober 2025 auffliegen
ließ.] Damals wurden drei Männer verhaftet, die zur Hamas gehören sollen.
Bei ihnen wurden ein Sturmgewehr sowie eine Pistole und Munition
sichergestellt. Seitdem werden immer wieder [5][weitere Personen
festgenommen], die mit dem Komplex in Verbindung stehen sollen.
25 Mar 2026
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## AUTOREN
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