# taz.de -- Kürzungen bei Eingliederungshilfen: Inklusion unter Druck
> Zur Konferenz der ostdeutschen Länderchefs protestieren
> Rollstuhlfahrer:innen gegen den geplanten Kahlschlag bei den
> Eingliederungshilfen.
(IMG) Bild: Leistungen der Eingliederungshilfe müssen erhalten bleiben
Die kleine Gruppe, darunter acht Rollstuhlfahrer:innen, wartete am
Mittwochnachmittag im Innenhof des Humboldt Forums. Sie wollten aber nicht
die Ausstellungen besuchen. „Ich bin Assistenznehmerin und kämpfe dafür,
dass es zu keinen Kürzungen bei den Eingliederungshilfen gibt“, sagt Hannah
Furian gegenüber der taz.
Um wie auch Menschen ohne Behinderungen am gesellschaftlichen Leben
teilnehmen zu können, wird Furian von einer persönlichen Assistentin im
Alltag unterstützt. Einen Anspruch darauf hat Furian im Rahmen der
[1][sogenannten Eingliederungshilfen]. Weil die Kosten für die Kommunen
explodieren, stehen die Leistungen seit Monaten im Fokus von
Kürzungsdebatten.
Da vor allem Kommunen die Ausgaben schultern müssen, fürchten die
Aktivist:innen, auf der am Mittwoch gestarteten Regionalkonferenz könnten
die ostdeutschen Regierungschef:innen (MPK-Ost) konkrete Kürzungen der
Hilfsangebote beschließen. Mit einem Rundgang durch das Humboldt Forum
feierten die Politiker:innen, begleitet von einem Pulk Journalist:innen,
den Auftakt der Konferenz.
Furians Forderung stand auch auf einem Transparent, das die kleine Gruppe
kurz nach 17 Uhr auf dem Hof des Humboldtforums entfaltete. Da war gerade
der Regierende Bürgermeister Kai Wegner mit seinen
Ministerpräsidentenkollegen aus Thüringen, Brandenburg und Sachsen sowie
des ehemaligen Regierungschefs von Sachsen-Anhalt Rainer Haseloff im
Humboldt Forum eingetroffen. Obwohl sich sofort Sicherheitspersonal vor das
Transparent stellte, konnten die Politiker:innen die Parole gut lesen:
„Berlin sagt Nein zu Kürzungen bei der Eingliederungshilfe“.
## Neues Bündnis formiert sich
Die eintreffenden Politiker:innen waren sichtlich von der
Protestaktion überrascht. Zu einem Kommentar waren sie weder gegenüber der
Gruppe der Protestierenden noch der Presse bereit.
Mit der Aktion ist das „Berliner Bündnis gegen Kürzungen bei der
Eingliederungshilfe“ erstmals an die Öffentlichkeit gegangen. Neben
verschiedenen Gruppen Assistenznehmer:innen ist auch die
Dienstleistungsgewerkschaft Verdi dort vertreten. Der zuständige Sekretär
Ivo Garbe erläuterte gegenüber der taz den Hintergrund der Aktion. So
schlägt [2][die Kommission zur Sozialstaatsreform] der Bundesregierung eine
Begrenzung der Ausgaben der Eingliederungshilfe für Menschen mit
Behinderungen vor. „Der Vorschlag steht im Kontext anhaltender Klagen von
Ländern und Kommunen über steigende Kosten“, sagt der Gewerkschafter.
Die Protestierenden am Humboldt Forum befürchten, dass diese Kürzungen der
Eingliederungshilfe ein Tagesordnungspunkt der Regionalkonferenz sein wird.
Das Berliner Bündnis fordert von den Berliner
Regierungsvertreter:innen diesen Kürzungsforderungen
entgegenzutreten. „Wenn bei den Eingliederungshilfen gespart wird, wird
entweder der Zugang zu Leistungen eingeschränkt oder die Einkommen den
Beschäftigten sinken. Damit würde die Teilhabe der Menschen mit Behinderung
eingeschränkt“, beschreibt eine Protestierende, die lieber anonym bleiben
will, die Folgen der geplanten Kürzungen.
[3][Die Beschäftigten sind Assistent:innen, die die behinderten Menschen
bei ihrer selbstbestimmten Lebensplanung unterstützen.] „Wir lassen nicht
zu, dass auf den Rücken der Menschen mit Assistenzbedarf und den
Beschäftigten gespart wird“, sagt der Gewerkschafter Ivo Garbe. In der
Öffentlichkeit müsse klar sein, dass Teilhabe ein Menschenrecht ist, dass
bei klammen Kassen nicht einfach über Bord geworfen werden darf.
26 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Peter Nowak
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