# taz.de -- Abschied bei Werder Bremen: Unterschiedliche Vorstellungen
       
       > Bremen bezwingt dank Larissa Mühlhaus Eintracht Frankfurt. Mit Birte
       > Brüggemann verlässt indes plötzlich die Frau mit den größten Verdiensten
       > Werder.
       
 (IMG) Bild: Kaum zu stoppen: Larissa Mühlhaus glänzt beim Werder-Sieg
       
       Der März 2026 könnte einst unter dem Titel „A star is born“ in die
       Geschichte des deutschen Frauenfußballs eingehen. Vor zehn Tagen erzielte
       Larissa Mühlhaus, Torjägerin des SV Werder Bremen, bei ihrem
       Länderspieldebüt kurz nach ihrer Einwechslung gegen Slowenien gleich ein
       Tor. Am Samstag im Werder-Trikot zeigte sie nun all das, was sie seit
       eineinhalb Jahren zur dominierenden Spielerin der Grün-Weißen macht in
       Perfektion.
       
       In Führung gingen allerdings die Frankfurterinnen mit einem Doppelschlag
       [1][von Nicole Anyomi] (23.) und Rebecka Blomqvist (26.). Damit schienen
       die Kräfteverhältnisse in der Frauen-Bundesliga wieder geradegerückt und
       der SV Werder, der sich überraschend in der Spitzengruppe etabliert hatte,
       in seine finanziell vorgegebenen Schranken verwiesen. Nach dem
       ernüchternden Aus im DFB-Pokal [2][beim Tabellenvorletzten SGS Essen] war
       die Stimmung bei Werder schon vorher getrübt.
       
       Dann hatte Mühlhaus ihren großen Auftritt. Beim Anschlusstreffer aus 16
       Metern profitierte sie noch davon, dass der Ball unhaltbar abgefälscht
       wurde. Doch der kurz vor dem Pausenpfiff aus gut 25 Metern ins Lattenkreuz
       gezirkelte Freistoß fiel mindestens in die Kategorie „Tor des Monats“. Ihre
       Qualität bei Standards zeigte sie auch beim Freistoß, der in der 52. Minute
       zum 3:2 durch Alber führte. Zu ihren vielfältigen Qualitäten gehört neben
       den vielen gelungenen Dribblings und Pässen auch die Grätsche an der
       Seitenlinie, mit der sie kurz vor Schluss einen Konter unterbindet und
       Szenenapplaus erhält.
       
       Die Kaderplaner in London oder München werden nach diesem Spiel ein dickes
       Ausrufezeichen hinter ihren Namen setzen. Selbst wenn Werder als Dritter in
       die Champions League einziehen sollte, wird der Klub Mühlhaus ziehen lassen
       müssen – wie vor ein paar Jahren Giovanna Hoffmann, die gerade einen
       Vertrag beim VFL Wolfsburg unterschrieben hat.
       
       ## Rede von Professionalisierung
       
       Der März 2026 wird aber auch als der Monat in die Geschichte des
       Werder-Frauenfußballs eingehen, in dem sein eigentlicher Star die Bühne
       verlassen hat. Am Montag teilte der Verein mit: [3][Abteilungsleiterin
       Birte Brüggemann] beendet ihre Tätigkeit kurzfristig. Sportvorstand Clemens
       Fritz würdigte Brüggemanns Arbeit und sprach zugleich von weiteren
       Schritten zur Professionalisierung und Veränderungen in den
       organisatorischen Strukturen.
       
       „Im Rahmen der Gespräche zur zukünftigen strategischen Ausrichtung ist
       Birte auf mich zugekommen und hat gesagt, dass sie sich verändern möchte“,
       sagt Fritz. Brüggemann erklärte, für sie sei nun der richtige Zeitpunkt
       gekommen, „ein gut bestelltes Feld für die nächste Phase der
       Weiterentwicklung in andere Hände zu übergeben“.
       
       Vor fast 20 Jahren erhielt die Fußballlehrerin den Auftrag, den
       Frauenfußball bei Werder aufzubauen. Was in der Verbandsliga begann, führte
       bis ins Pokalfinale vor 45.000 Zuschauerinnen in Köln und vor die Tore der
       Champions League. Brüggemann kämpfte um Trainingszeiten, Spielerinnen und
       Aufmerksamkeit – und verschaffte dem Frauenfußball in Bremen jene
       Bedeutung, in der sich heute viele sonnen.
       
       Man muss kein Hellseher sein, um hinter dem Abschied unterschiedliche
       Vorstellungen über den künftigen Werder-Weg zu vermuten, sonst ließe sich
       ein so abruptes Ende kaum erklären – zumal Werders Frauen gerade die
       erfolgreichste Phase ihrer Geschichte erleben. Brüggemanns Abschied fällt
       zudem in eine Zeit, in der der Frauenfußball immer stärker unter
       Vermarktungsinteressen gerät und die Bundesligaklubs einen eigenen
       Ligaverband gegründet haben. Brüggemann stand stets für Geradlinigkeit und
       deutliche Worte – als Teil einer von Marketing-Phrasen geölten
       Wertschöpfungskette namens Frauenfußball ist sie kaum vorstellbar. Gerade
       deshalb wird sie fehlen.
       
       15 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) Ralf Lorenzen
       
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