# taz.de -- Entwicklung in den Städten: Einzelhandel schrumpft – bald weniger als 300.000 Geschäfte
       
       > Seit Ende 2015 ist die Zahl der Geschäfte um rund 70.000 zurückgegangen.
       > Die Branche fordert nun geringere Kosten etwa für Energie.
       
 (IMG) Bild: Eine leere Ladenpassage – viele Städte tun sich schwer mit alternativen Nutzungsarten
       
       dpa | Der stationäre [1][Einzelhandel] in Deutschland dünnt immer weiter
       aus. Die Zahl der Geschäfte dürfte in diesem Jahr auf unter 300.000 sinken.
       Das zeigt eine Schätzung des Handelsverbands Deutschland (HDE). Für 2026
       wird ein Rückgang um weitere 4.900 auf dann noch 296.600 erwartet.
       Schließungen und Neueröffnungen sind darin bereits berücksichtigt.
       
       Seit der deutschen Wiedervereinigung lag die Zahl der Geschäfte laut HDE
       noch nie unter 300.000. In den vergangenen Jahren haben bundesweit bereits
       zehntausende Läden geschlossen. Ende 2015 gab es noch etwa 372.000.
       
       Besonders während der Corona-Pandemie verschärfte sich die Lage, weil viele
       Geschäfte zeitweise nicht öffnen durften. 2021 sank die Zahl um 11.500,
       2022 um 11.000. Im vergangenen Jahr schrumpfte sie um 4.500 auf rund
       301.500. Auch der erstarkende Onlinehandel setzt den stationären Händlern
       zu.
       
       HDE-Präsident Alexander von Preen warnt vor den Folgen: „Viele Innenstädte
       leiden heute schon sichtlich unter Leerständen. So kann und darf es nicht
       weitergehen.“ Die Lage sei vor allem bei vielen mittelständischen Händlern
       ernst. „Das Umfeld mit der seit Jahren vor sich hin dümpelnden Konsumlaune
       ist schwierig“, so von Preen. Die Politik sei in der Pflicht, Kosten bei
       Energie und Beschäftigung zu senken.
       
       Die Branche hat ein durchwachsenes Jahr hinter sich. Der Onlinehandel nahm
       2025 zwar wieder Schwung auf und legte laut HDE preisbereinigt um 3,5
       Prozent zu, doch die Umsätze im stationären Handel stagnierten. Laut einer
       im Januar durchgeführten Händlerumfrage des Verbandes schätzen nur 14
       Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut ein. Jedes zweite
       erwartet 2026 sinkende Umsätze. Das größte Problem bleibt der Befragung
       zufolge die Kaufzurückhaltung.
       
       ## Zahl der Insolvenzen steigt
       
       Die Zahl der [2][Insolvenzen] im Einzelhandel befindet sich auf dem
       höchsten Stand seit zehn Jahren. 2025 verzeichnete der Kreditversicherer
       Allianz Trade 2.571 Insolvenzen, im Vorjahr waren es noch 2.291. Ein
       weiterer Anstieg gilt als wahrscheinlich.
       
       Zuletzt waren unter anderem der Schuhhändler Görtz, der Modehersteller
       Gerry Weber und der Herrenausstatter Wormland betroffen. Der
       Hemdenhersteller Eterna stellt im Sommer insolvenzbedingt seinen Betrieb
       ein. Andere Unternehmen wie der Dekohändler Depot und der Discounter Kodi
       haben ihre Filialnetze deutlich verkleinert.
       
       Die Handelsbranche kommt an diesem Dienstag und Mittwoch in Berlin zu ihrem
       jährlichen Handelsimmobilienkongress zusammen. Zu Gast ist unter anderem
       Sabine Poschmann (SPD), parlamentarische Staatssekretärin im
       Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.
       
       22 Mar 2026
       
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