# taz.de -- Unzufriedene Mieter: Heizungsausfall, Müll und nicht bearbeitete Anliegen
> Die Initiative Bülow Ost hat eine Umfrage unter Mieter:innen von
> Wohnungsunternehmen durchgeführt. Die städtische Gewobag schneidet am
> schlechtesten ab.
(IMG) Bild: Immerhin schön bemalt: Gewobag-Mietshaus in Schöneberg
Der Hinterhof in der Potsdamer Straße sieht aus, als sei eine Bombe
eingeschlagen. Hausmüll, Plastik und Pappe sind weit verstreut. „Bald haben
wir hier wieder ein Rattenproblem“, sagt ein Mieter. An der Stadtreinigung
liege es nicht. Eine Gitter-Einhausung für die Mülltonnen müsse her, damit
diese nicht mehr von Außenstehenden nach Verwertbarem durchwühlt würden.
Dem Grundstückeigentümer Gewobag sei das Problem seit Langem bekannt. „Aber
es ändert sich nichts.“
Unter [1][den sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften] hat die Gewobag
den schlechtesten Ruf. Das ist der Tenor einer stadtweiten Onlinebefragung
von Mieterinnen und Mietern, die die „Mieter:innen Initiative Bülow-Ost“
vom 16. Januar bis 3. März durchgeführt hat.
Am Mittwoch wurde das Ergebnis der nicht repräsentativen Umfrage
veröffentlicht. Für eine repräsentative Umfrage hätten ihnen weder
Ressourcen noch erforderliche Daten zur Verfügung gestanden, heißt es in
der Pressemitteilung der Initiative. Gleichwohl zeigten die Ergebnisse „ein
klares und ernstzunehmendes Stimmungsbild“.
Die Umfrage war über Mieterinitiativen, Aushänge, Flyer sowie soziale
Medien gestreut worden. Stadtweit hätten sich 500 Mieter:innen
beteiligt, die in verschiedenen landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften wie
Degewo, Gesobau und Howoge sowie privaten, wie Vonovia, wohnen, heißt es.
Das Ergebnis zeigt: [2][Viele Mieterinnen und Mieter haben mit ihren
Wohnungsgebern Probleme], was Kommunikation über Mängel und deren
Beseitigung betrifft. Konkret genannt werden unter anderem undurchsichtige
Heizungsabrechnungen, mangelnde Energieeffizienz, Müll und Verwahrlosung in
Wohnanlagen. Bewohner von Gewobag-Häusern haben der Umfrage zufolge die
größten Sorgen und Nöte.
## Mehr als zwei Drittel sind unzufrieden
Zwei Drittel der antwortenden Mieter hätten angeben, insgesamt unzufrieden
zu sein, heißt es. Unter Gewobag-Mietern liege der Anteil bei über 70
Prozent. Mehr als 70 Prozent hätten in der Antwort außerdem angegeben, dass
sich ihre Mietsituation in den vergangenen zwei Jahren verschlechtert habe
– bei den Gewobag-Mietern sogar drei von vier.
Auch nach dem Gefühl der Wertschätzung durch den Wohnungsgeber war gefragt
worden. In drei von vier Antworten habe es geheißen, man fühle sich nicht
oder nur wenig wertgeschätzt. Bei der Gewobag seien es 79 Prozent gewesen.
Bei der Frage nach dem Umgang mit Anliegen hätten 78 Prozent angeben,
offene Anliegen gegenüber dem Wohnungsgeber zu haben, die nicht oder nicht
zufriedenstellend beantwortet worden seien. Bei Gewobag-Mietern liege
dieser Anteil mit 83 Prozent ebenfalls höher.
Nach der Heizungs- und Warmwasserversorgung gefragt, hätten 50 Prozent der
Teilnehmenden berichtet, dass sich die Situation in diesem Bereich
verschlechtert habe. Bei den Gewobag-Mietern habe der Anteil mit 59 Prozent
ebenfalls höher gelegen.
Die Pressestelle der Gewobag wies die „pauschalierten Schlussfolgerungen,
insbesondere zur Gewobag“, gegenüber der taz am Donnerstag zurück. 485
Bewertungen bei rund 400.000 Wohnungen der landeseigenen Unternehmen „auf
Basis methodisch fragwürdiger Erhebungen“ seien keine belastbare Grundlage.
Die pauschale Darstellung, Mieterinnen und Mieter fühlten sich
grundsätzlich nicht wertgeschätzt oder Anliegen blieben systematisch
unbeantwortet, „verzerre“ die Realität. „[3][Unser Fokus liegt auf
konkreten Verbesserungen – im Dialog, faktenbasiert und
verantwortungsvoll]“, so die Gewobag-Pressestelle.
Für die SPD-geführte Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und
Wohnen verwies deren Sprecher, Martin Pallgen, gleichfalls darauf, dass die
Umfrage nicht repräsentativ ist. Er kündigte an, dass die
Landeswohnungsunternehmen und Berlinovo eine Befragung zur
Mieterzufriedenheit und Servicequalität durchführen würden, die eine
repräsentative Basis habe. Wann das geschehen soll, sagte Pallgen nicht.
Nachdenklich zeigte sich der Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg,
Jörn Oltmann (Grüne): „Als städtische Wohnungsbaugesellschaft muss ich
immer den Anspruch verfolgen, besser und kundenfreundlicher zu sein als
private Mitbewerber“. Das müsse auch für Immobilien gelten, die in der
Innenstadt kein einfaches Umfeld haben. „Insofern ist es vielleicht Zeit,
dass die Aufbau- und die Ablauforganisation der Gewobag bei der
Bewirtschaftung generell hinterfragt wird, ob sie diesem Anspruch gerecht
wird. Vielleicht lassen sich ja doch Verbesserungen erreichen“, so Oltmann.
„Wir sind sehr frustriert“, sagte eine Sprecherin der Initiative zur taz.
Sie verwies darauf, dass der zuständige Wohnungsstaatssekretär Stephan
Machulik im Herbst 2025 einen Dialog zwischen Mieter:inneninitiative
Bülowstraße-Ost, Gewobag, Senatsverwaltung und Berliner Mieterverein für
beendet erklärt habe. Machulik habe den Dialog mit unabhängigen
Mieter-Initiativen verweigert und die gewählten Mieterbeiräte als
alleinige, legitimierte Ansprechpartner bezeichnet. Mit Blick auf die
kommenden Wahlen ist sich die Sprecherin allerdings sicher: „Die
Zufriedenheit der Mieter und Mieterinnen wird zunehmend zu einem
politischen Gradmesser für die Berliner Wohnungspolitik.“
19 Mar 2026
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