# taz.de -- Thailand hat neuen Premierminister: Ein Regierungschef namens Maus
       
       > Der alte und neue Regierungschef Thailands ist eher konservativ und
       > schwerreicher ehemaliger Bauunternehmer. Er gilt als gewiefter
       > Strippenzieher.
       
 (IMG) Bild: Eng mit dem Militär? Ministerpräsident Anutin Charnvirakul
       
       Anutin Charnvirakul ist der vierte thailändische Premierminister in drei
       Jahren. Der eher konservative, schwerreiche ehemalige Chef des
       familieneigenen Baukonzerns wurde am Donnerstag mit großer Mehrheit zum
       Regierungschef und damit zu seinem eigenen Nachfolger gewählt.
       
       [1][Im Amt ist der royalistische Anutin, 58, bereits seit September.] Nach
       der Entlassung seiner Vorgängerin Paetongtarn Shinawatra von der
       Pheu-Thai-Partei durch das Verfassungsgericht im Sommer 2025 wurde der Chef
       der Partei Bumjaithai mit Hilfe der progressiven Kräfte im Parlament zum
       Premierminister einer Minderheitsregierung gewählt. Zur Bedingung machten
       die Progressiven, innerhalb von vier Monaten Neuwahlen abzuhalten. Im
       Dezember kam er dann einem Misstrauensantrag der Progressiven mit der
       Auflösung des Parlaments zuvor.
       
       Thais haben lange Namen, die selbst für Einheimische zum Zungenbrecher
       werden können, weshalb jeder auch einen superkurzen Spitznamen hat. Der des
       neuen Premierministers lautet Noo – auf Deutsch „Maus“. Der Name geht
       zurück auf eine 2016 erschienene Biografie „Wo ein Loch ist, ist auch eine
       Maus“ und würdigt Anutins Talent, sich aus brenzligen Situationen
       herauszuwinden und Chancen beim Schopf zu packen.
       
       In Thailands notorisch turbulenter Politik hat sich Anutin seit der
       Übernahme der Partei Bumjaithai von seinem Vater vor über zehn Jahren den
       Ruf eines gewieften Strippenziehers erworben. Bumjaithai war seitdem
       Juniorpartner in den gewählten Regierungen, deren Koalitionen nicht zuletzt
       aufgrund Anutins Geschick als Makler der Macht gebildet werden konnten.
       
       ## Cannabis-Legalisierung
       
       In der gewählten Regierung des ehemaligen [2][Putschgenerals Prayut
       Chan-o-cha] reüssierte Anutin 2019 als Gesundheitsminister, eigentlich
       nicht der glamuröseste Job. Dann aber brach die Coronapandemie aus. Mit der
       Durchsetzung harscher Lockdowns, die Organisation der Impfkampagne, dann
       der [3][Legalisierung von Cannabis] und als Innenminister in der Regierung
       seiner Vorgängerin wurde Anutin aber eine landesweit bekannte wie auch
       kontroverse Figur.
       
       Die Wahl im Februar dieses Jahres hat seine Partei dann gegen die
       Progressiven erdrutschartig gewonnen, eine Überraschung. Inmitten des
       schwelenden, von Anutin aus wahltaktischen Gründen am Köcheln gehaltenen
       militärischen Konflikts mit Kambodscha und der immer volatiler werden
       politischen Weltlage präsentierte sich Anutin mit seinem Amtsbonus als
       erfahrener und durchaus effizienter Regierungschef.
       
       Anutins jetzige Koalition mit der Pheu-Thai-Partei des Politclans der
       Shinawatras entbehrt nicht einer gewissen Ironie. 2008 nämlich waren eine
       Reihe einflussreicher Politiker aus der damals regierenden Partei der
       Shinawatras ausgetreten und hatten Bumjaithai gegründet.
       
       Anutins Versprechen, dem lange Zeit von politischen Turbulenzen und Dramen
       geprägten Thailand Stabilität und die lahmende Wirtschaft in Schwung zu
       bringen, ist erst mal Makulatur. Der Irankrieg beschert auch dem Königreich
       explodierende Preise für Öl und Gas und die Unterbrechung von Lieferketten.
       Zudem sind die steigenden Kosten für Flugtickets ein schwerer Schlag ins
       Kontor für Thailands kränkelnden Tourismus.
       
       Gleichwohl erlebten die Thais bei der live im TV übertragenen Wahl des
       Premierministers einen gutgelaunten Anutin. Im Vertrauen auf seine
       Maus-Fähigkeiten versprach er vor thailändischen Medien: „Die
       Regierungskoalition ist bereit … dem Land Wohlstand zu bringen.“
       
       19 Mar 2026
       
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