# taz.de -- Thailands Ministerpräsident suspendiert: Länger im Amt als erlaubt
       
       > Das Verfassungsgericht in Thailand hat Ministerpräsident Prayut
       > Chan-o-cha vorerst suspendiert. Die Begründung: Er habe seine Amtszeit
       > überschritten.
       
 (IMG) Bild: Bangkok am Dienstag: Protest gegen die zu lange Amtszeit von Prayut Chan-o-cha
       
       Bangkok ap/afp/taz | Das thailändische Verfassungsgericht hat am Mittwoch
       Ministerpräsident Prayut Chan-o-cha von seinen Aufgaben entbunden. Die
       Anordnung gelte, bis das Gericht darüber entschieden habe, ob der
       Regierungschef seine Amtszeit überschritten hat, teilte der Gerichtshof
       mit.
       
       Das Gericht beschloss einstimmig, es gebe ausreichend Anlass, eine Petition
       zu prüfen, in der es hieß, der Ministerpräsident habe seine Amtszeit
       überschritten. Mit 5 zu 4 Stimmen einigten sich die Richter darauf, Prayut
       ab dem heutigen Mittwoch bis zu einer Entscheidung zu suspendieren. Das
       Gericht äußerte sich nicht dazu, wann eine Entscheidung darüber getroffen
       wird, ob der Ministerpräsident bereits länger als die gesetzlich erlaubten
       acht Jahre im Amt war. Sollte das Gericht zu dem Schluss kommen, dass dies
       der Fall war, würde er sein Amt umgehend verlieren.
       
       Die Anhänger des 68-jährigen Staatschefs argumentieren, dass Thailands neue
       Verfassung erst seit 2017 in Kraft ist. Prayuts Mandat zähle somit erst
       seit 2017 oder sogar erst seit der Parlamentswahl im Jahr 2019. Der
       ehemalige Armeechef Prayut kam 2014 durch einen Militärputsch gegen die
       demokratisch gewählte Regierung von Yingluck Shinawatra an die Macht. Er
       stand fünf Jahre lang an der Spitze der Militärregierung, bis er bei der
       Wahl 2019 als Ministerpräsident bestätigt wurde.
       
       Gegen die militärnahe Regierung und ihre Verbindung zum Thailändischen
       Königshaus [1][gab es 2020] und 2021 Proteste, die aber zu keinen
       Änderungen führten. Die führenden Figuren der Bewegung wurden zu großen
       Teilen inhaftiert, unter anderem wegen Mayestätsbeleidigung.
       
       Dem Gesetz zufolge müsste der stellvertretende Ministerpräsident Prawit
       Wongsuwan das Amt des Regierungschefs kommissarisch übernehmen, da er unter
       mehreren Stellvertretern an erster Stelle steht. Er ist ein enger
       politischer Verbündeter von [2][Prayut] und gehört derselben Gruppe
       innerhalb des Militärs an, die 2014 den Putsch anstieß, der Prayut an die
       Macht brachte.
       
       24 Aug 2022
       
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