# taz.de -- Softwareentwickler über Linux: „Nicht alle können sich einen neuen Laptop leisten“
       
       > Durch den Umstieg auf Windows 11 bleiben viele Computer auf der Strecke.
       > Carsten Neumann kennt eine Alternative – und will andere von ihr
       > überzeugen.
       
 (IMG) Bild: Hat vielen Nutzer*innen Sorgenfalten auf die Stirn geschrieben: das Windows-11-Update
       
       taz: Herr Neumann, eine Linux-Installations-Party – gibt es da Sekt? 
       
       Carsten Neumann: Nein, aber es gibt Schokolade. Es heißt eigentlich nur
       Party, um die Leute anzulocken. Letztendlich geht es natürlich darum,
       Menschen Linux zu erklären und Linux auf ihren Laptops zu installieren.
       
       taz: Was ist denn das Problem mit anderen Betriebssystemen wie Windows und
       Co? 
       
       Neumann: Es geht um ganz viele Aspekte, zum einen um die Umwelt. Dadurch,
       dass Microsoft [1][für Windows 11 höhere Hardwareanforderungen] aufgerufen
       hat, sind viele Laptops dazu verdammt, auf dem Schrott zu landen. Mit Linux
       können Laptops weiterbetrieben werden. Dabei geht es auch um digitale
       Gerechtigkeit. Nicht alle Leute haben das Geld, sich einen neuen Laptop zu
       kaufen. Außerdem haben sich die Big-Tech-Konzerne Microsoft und Apple
       [2][hinter Donald Trump gestellt] und unterstützen dadurch seine Politik.
       
       taz: Und Linux ist die Lösung? 
       
       Neumann: Es ist eine Lösung, es ist ja aber auch keine radikale Abkehr. Im
       Endeffekt nutze ich weiterhin das Internet, bin weiter Teil des
       kapitalistischen Systems. Aber ich habe ein bisschen mehr Kontrolle, ein
       bisschen mehr Freiheit. Es ist ein Schritt dahin zu sagen, ich möchte
       nicht, dass US-amerikanische Konzerne mir vorschreiben, wann ich mir einen
       neuen Rechner kaufen muss. Ich möchte das selbst entscheiden. Und wenn das
       Ganze sogar noch kostenlos ist, warum soll ich das nicht mal ausprobieren?
       
       taz: Was macht Linux denn anders? 
       
       Neumann: Linux ist das weltweit größte Kollaborationsprojekt,
       Programmierer*innen arbeiten unentgeltlich zusammen am Kernel, das ist
       der Kern. Damit daraus ein Betriebssystem wird, muss noch jede Menge
       Software drum herumgebaut werden. Das nennt man dann eine
       Linux-Distribution. Das Tolle ist, man kann sich den Quellcode angucken und
       ihn für jedes System kompilieren.
       
       taz: Das heißt? 
       
       Neumann: Wenn ich beispielsweise Windows auf dem Smartphone verwenden
       möchte, kann ich das nicht, weil ich den Quellcode nicht habe. Bei Linux
       kann ich den Quellcode umschreiben, für jede Hardware, jeden Prozessor.
       Deswegen läuft Linux inzwischen auch auf fast jedem technischen Gerät, auch
       auf Fernsehern oder Kühlschränken. Android ist im Endeffekt auch ein
       Linux-System, das Google für seine Smartphones umgeschrieben hat. Weil es
       wesentlich einfacher und besser ist, als auf Microsoft zu setzen.
       
       taz: Open Source ist ja schön und gut. Aber funktioniert das auch? 
       
       Neumann: Im Endeffekt kann es bei Open Source natürlich auch Probleme
       geben. Es gibt keine fehlerfreie Software, wenn sie ein gewisses Maß an
       Komplexität erreicht hat. Die Frage ist ja, wie wird darauf reagiert?
       Meiner Meinung nach hat die Open-Software-Community immer relativ gut auf
       Fehler reagiert. Sie haben die Fehler aufgenommen und versucht, sie
       möglichst schnell zu beheben. Bei Microsoft bin ich mir da [3][nicht so
       sicher].
       
       taz: Das klingt für einige jetzt vielleicht trotzdem etwas nerdig. Können
       auch Computer-Dullies mit Linux umgehen? 
       
       Neumann: Ja! Ich muss dazu sagen, Linux war früher komplizierter zu
       bedienen. Dass das nur was für Nerds ist, ist ein Vorurteil. Linux ist
       eigentlich genauso gut und einfach zu bedienen wie Windows. Wenn man
       Anfänger*in ist, dann greift man zu [4][Linux Mint]. Das ist eine
       Linux-Distribution, die sich speziell an Anfänger*innen richtet. Und
       wer sowieso nur ein Officepaket und einen Browser verwendet, vielleicht
       noch ein paar Filme guckt und ein paar E-Mails verschickt, der kann
       eigentlich unter Linux genau dieselben Programme verwenden wie unter
       Windows: Firefox, Thunderbird und LibreOffice.
       
       taz: Aber ist die Installation nicht kompliziert? 
       
       Neumann: Nein, auch nicht. Bei unseren Linux-Partys bekommt man einen
       USB-Stick und kann das System erst mal ausprobieren. Wenn man das dann
       haben möchte, dann installieren wir das zusammen. Das kann aber eigentlich
       auch jede*r von zu Hause aus.
       
       19 Mar 2026
       
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