# taz.de -- Nach dem Tod von Habermas: So einen tollen Nachruf hätte man selbst gern
> Die meisten Menschen bekommen keinen Nachruf. Auf die Masse von
> Beileidsbekundungen, wie sie Habermas erhielt, kann man fast neidisch
> werden.
(IMG) Bild: Der Frankfurter Soziologe und Philosoph Jürgen Habermas 1973
Als neulich dieser Habermas gestorben ist, haben sich alle schier
überschlagen. Ich weiß ja noch nicht mal so richtig, was der überhaupt
gemacht hat. Irgendwas wohl ausgedacht und hingeschrieben. Wäre ich da
drauf gekommen, hätte ich das auch schreiben können. Locker. Genauso gut.
Vermutlich besser.
Der hat halt einmal seine Masche gefunden und ist auf der dann ewig
rumgeritten. Rate ich mal frei heraus, weil wer für seine Texte
recherchiert, entfernt auch die Hauptsicherung, bevor er eine Glühbirne
wechselt. Solche Kollegen kenne ich zur Genüge: typische One-Trick-Ponys.
Doch weil das für die Leute einprägsamer ist als neue Ideen, belohnt unsere
träge Konsumgesellschaft den immer gleichen alten Senf auch noch mit
Nachruhm bis zum Abwinken.
Natürlich bin ich neidisch. Gebe ich gern zu. Weil, wenn ich tot bin, steht
das nicht mal in dem Werbeblättchen, das die einem immer in den Briefkasten
stopfen. Statt wie bei [1][Habermas] in den Hauptnachrichten. Dabei ist
mein Nachname ganz ähnlich. Aber vielleicht auch besser so. Denn man stelle
sich vor, der eigene Nachruf kommt zwar in der „Tagesschau“, aber da sitzen
dann Millionen ignorante Orks wie ich auf der Fernsehcouch.
## Häh? Wer soll denn das sein?
Und wenn dann das Schwarzweißbild des Verstorbenen eingeblendet wird,
tröten wir alle pietätlos rum, „Häh? Wer soll denn das sein? Den kennt doch
kein Schwein! Kriegt hier jetzt bald jeder Hausmeister ein
Staatsbegräbnis?“, und dabei purzeln uns die Erdnüsse aus dem Lästermaul
und in die Ritzen zwischen den Sofapolstern, wo man sie erst Jahre später
wiederfindet.
Wie erniedrigend. Stelle ich mir die Banausen vor ihrer Glotze vor, wäre es
mir eh lieber, wenn mein Tod komplett ausgeblendet wird. Und statt
Begräbnis [2][Biotonne].
Ja gut, natürlich hab ich von Habermas schon gehört – ich möchte die
pseudocoole ahnungslose Attitüde jetzt nicht überstrapazieren. Der hat das
zweischneidige Käsemesser mit geriffeltem Griff nahezu im Alleingang
erfunden. Und die TuS Ottelbüren in die Oberliga Nord geführt. Große Namen
damals in der Mannschaft. Bundschuh, Bräsig, Katermeier und nicht zu
vergessen Kolopinski, der später sogar zu [3][Real Madrid] gegangen ist.
Den Abstieg ein Jahr später mit nur siebzehn Punkten und über hundert
Gegentoren hat er allerdings gar nicht mehr miterlebt. Da war er längst
entlassen.
29 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Uli Hannemann
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