# taz.de -- Stimmung beim ZDF: Es werden weitere Fehler passieren
       
       > Nach dem KI-Desaster im „heute journal“ steht das ZDF unter Druck.
       > Während Intendant Norbert Himmler wiedergewählt wird, ringt der Sender um
       > Aufklärung.
       
 (IMG) Bild: Kurze Unterbrechung im ZDF-Fernsehgarten auf dem Mainzer Lerchenberg, auch hier gab es Unwetter
       
       Am Ende ging alles wie erwartet sehr glatt durch. Der ZDF-Intendant heißt
       auch ab dem nächsten Jahr Norbert Himmler. Am Freitag brauchte es, anders
       als bei seiner ersten Wahl 2021, auch nur einen Durchgang, bei dem eine
       klare Mehrheit von 48 Stimmen gegen dreimal Nein und zwei Enthaltungen
       stand. Nur die Freude darüber kam in Moll. Denn das ZDF, das Himmler jetzt
       bis 2032 führen darf, ist ein ganz anderes geworden.
       
       Was natürlich am 15. Februar und dem [1][KI-Desaster beim „heute journal“]
       liegt, aber nicht nur. Noch vor der Intendantenwahl im Fernsehrat stand das
       Thema auf der Tagesordnung des obersten ZDF-Gremiums, die Reihenfolge war
       extra noch mal geändert worden. „Der Sachverhalt ist gravierend, er bedarf
       der lückenlosen Aufklärung“, sagte die Fernsehratsvorsitzende, die frühere
       Bundesfamilienministerin Gerda Hasselfeld.
       
       Doch mit der lückenlosen Aufklärung ist es längst nicht mehr getan. Das
       spüren im ZDF wohl alle, deswegen ist die Stimmung auf dem Lerchenberg
       gerade höchst gemischt. Von Panik könne keine Rede sein, sagt ein
       ZDF-Mitarbeitender, aber „das Gewitter, in dem wir stehen“, gehe natürlich
       nicht spurlos an den Redaktionen vorbei. Und allen sei klar, dass „die
       Aufmerksamkeit uns gegenüber jetzt am Anschlag ist“.
       
       Im Fernsehrat hatte Himmler sehr formal erklärt, dem ZDF sei die „Tragweite
       bewusst, wir gehen damit transparent und konsequent um“. Dann kamen noch
       einmal die Fakten: Der zunächst im „Mittagsmagazin“ gesendete Beitrag war
       in Ordnung, aber für den zweiten Durchgang im „heute journal“ noch mal
       „angepasst und um zwei Szenen aus dem Netz ergänzt worden“. Dass die eine
       sich selbst als KI zu erkennen gab und die zweite aus einem völlig anderen
       Zusammenhang Jahre zuvor stammte, sei bei der Abnahme durch die
       Schlussredaktion nicht erkannt worden. „Auch mit Kennzeichnung hätte das
       KI-Material nicht beim ZDF verwendet werden dürfen“, so Himmler. Und: „Die
       KI-Bildsequenzen hätten der Schlussredaktion auffallen müssen.“
       
       ## Das ZDF weiß nicht alles
       
       Die Revision des Senders ist nun beauftragt, den Vorgang zu prüfen.
       Weitere, auch arbeitsrechtliche Konsequenzen sind zu erwarten. Die
       Ergebnisse der Prüfung gehen an das Justiziariat des Senders, das dann
       darüber entscheidet, kündigte Himmler an. „Auch die Aufarbeitung hat am
       ersten Tag zu lange gedauert, auch daraus müssen wir Konsequenzen ziehen“,
       sagte Himmler. Oder, wie es ein anderer nicht ganz so ranghoher ZDF-Mensch
       formuliert: „Wir haben am Anfang Quatsch erzählt“, und dadurch sei die
       Sache dem Sender dann so richtig um die Ohren geflogen.
       
       Im Fernsehrat sagte ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten, es brauche eine
       neue „Lernkultur, in der Fehler schnell zugegeben werden und nicht nach
       möglichen Erklärungen gesucht wird“. Das ist richtig, vor allem aber muss
       das ZDF wie alle Medien viel offener damit umgehen, dass es nicht alles
       weiß – und Fehler dazugehören.
       
       Dem widerspricht bis heute das Selbstverständnis nahezu aller Medien in
       Deutschland, was ein einfacher Blick über den großen Teich zeigt. Die
       [2][New York Times korrigiert auf ihren gut auffindbaren
       „Corrections“-Pages] tagtäglich ihre Fehler, viele davon auch im Print. Es
       sind über 4.000 im Jahr, ohne dass es ihrem Ruf als seriöses Blatt von
       Weltrang schaden würde, im Gegenteil.
       
       Das ZDF will nun seine Abnahmeregeln für alle Redaktionen noch mal
       „konkreter fassen und schriftlich fixieren“, kündigte Schausten an. „Wir
       verbessern die Frühwarnsysteme und die Fehlerkultur“, nach den Sendungen
       soll „nachlaufend“ geprüft werden, „was an Diskussionen und Fehlerhinweisen
       im Netz passiert.“ Intern werde viel darüber geredet, „dass wir hier zu
       viel Vertrauen zueinander hatten. Wir haben uns hier zu viel aufeinander
       verlassen. Das heißt nicht, dass wir den Kollegen nicht mehr trauen, aber
       wir brauchen in diesen Zeiten ein engmaschiges Netz“, so Schausten.
       
       Dass ausgerechnet [3][Julian Reichelts Möchtegern-Fox Nius] den Skandal mit
       ans Licht brachte und sich gerade massiv am ZDF abarbeitet, drückt
       zusätzlich auf die Stimmung in Mainz. „Bestürzung“ herrscht vor allem
       darüber, dass die interne Aufarbeitungsschalte vor knapp drei Wochen mit
       über 1.000 Teilnehmenden komplett mitgeschnitten wurde und bei Nius
       landete.
       
       ## KI wird immer besser
       
       Die üblichen Verdächtigen nehmen die harten Worte und den offenen Streit
       jetzt in den sozialen Medien als Beleg, dass das ZDF im Chaos versinkt, und
       befeuern so ihre Kampagnen gegen alle Öffentlich-Rechtliche. Doch das
       Gegenteil ist der Fall: „Gerade weil da nichts unter den Tisch gekehrt
       wird, ist es ein gutes Zeichen“, sagt einE Teilnehmer*in der Runde. Was
       Nius & Co. daraus machten sei natürlich „komplett unseriös“. Dort ging es
       auch am Montagmorgen, diesmal mit dem ÖRR-Renegaten Waldi Hartmann als
       Kronzeugen, munter weiter gegen das ZDF.
       
       In Mainz soll es nun weitere Schulungen in Sachen KI geben, das ZDF müsse
       „den Fehler so aufarbeiten, dass wir uns für die Zukunft im KI-Zeitalter
       neu aufstellen“. Wir haben Workflows überprüft und einen Maßnahmenkatalog
       beschlossen, sagte Schausten im Fernsehrat: „Bei jedem Frame, den wir
       senden, muss klar sein, woher kommt das Material.“
       
       Doch wie das gehen soll, fragen sich so manche in den Redaktionen
       angesichts des Arbeits- und vor allem Zeitdrucks. Auch eine
       Schlussredaktion, die kurz vor der Sendung zig Beiträge abzunehmen habe,
       könne die nicht jedes Mal seriös gegenrecherchieren. Zumal die KI ja immer
       besser wird. „Jetzt kommen die Dinge, die man nicht mehr erkennen kann –
       wie gehen wir damit um?“, bringt das einE ZDF-RedakteurIn auf den Punkt.
       Bildagenturen, deren Material das ZDF verwendet, prüften „schon ganz gut“,
       hängten aber zur Sicherheit auch immer noch den Satz „Veröffentlichung auf
       eigene Gefahr“ hinten dran.
       
       Und natürlich werden auch, abgesehen vom Umgang mit KI, weiter Fehler beim
       ZDF passieren. Weshalb einE Mitarbeiter*in eine Konsequenz schon mal
       auf den Punkt bringt: „Wir müssen intern wie extern klarer vermitteln, dass
       wir nicht fehlerlos sind.“ Damit hat das ZDF, anders als Nius & Co.
       suggerieren, nach anfänglichem Herumgestolper jetzt ziemlich überzeugend
       angefangen.
       
       16 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /ZDF-heute-journal-und-KI/!6152669
 (DIR) [2] https://www.nytimes.com/international/section/corrections
 (DIR) [3] /Nius/!t6108338
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Steffen Grimberg
       
       ## TAGS
       
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       unverantwortlich.
       
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       Was lernen wir aus dem KI-Gate des „heute journals“ im ZDF? Betrachtungen
       zur eigenen Rolle in der Journalismus-Branche sind jedenfalls angebracht.