# taz.de -- Was braucht Integration?: Mehr Geduld statt Pessimismus
> Dass Migration so negativ gesehen wird, ist mit Fakten nicht zu erklären,
> sagt Berlins Integrationsbeauftragte. Vieles laufe eigentlich ganz gut.
(IMG) Bild: Die Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial (l.) stellt mit ihrer Mitarbeiterin Anne-Marie Kortas neue Zahlen zu Migration vor
Das negative Bild von Migration, das derzeit den öffentlichen Diskurs und
politische Entscheidungsprozesse bestimmt, ist nicht gerechtfertigt. Dies
war die Hauptbotschaft, die Berlins [1][Integrationsbeauftragte Katarina
Niewiedzial] am Mittwoch bei einer Veranstaltung zur Situation Geflüchteter
in der Hauptstadt vermitteln wollte. „Wer in dem Feld arbeitet, weiß, dass
die Realität ein differenziertes Bild ergibt.“
Gerade in Berlin, das seit 2018 sogar ein [2][Gesamtkonzept zur Integration
und Partizipation Geflüchteter] hat, sei die Situation – etwa was
Integration in den Arbeitsmarkt anbelangt – besser als vielfach
wahrgenommen. Zugleich kritisierte Niewiedzial aktuelle Entscheidungen der
Bundesregierung wie die [3][drastischen Kürzungen bei den Sprach- und
Integrationskursen] als „absurd“. „Sprache ist und bleibt der Türöffner“,
sagte sie.
Tatsächlich sind die Zahlen im Bereich Arbeit ermutigend. So hat Berlin die
niedrigste Arbeitslosenquote unter Ukrainer:innen bundesweit: 35 Prozent
der arbeitsfähigen Menschen aus diesem Land haben in Berlin Arbeit, die
Beschäftigungsquote bei Geflüchteten aus den Asyl-Hauptherkunftsländern
(Syrien, Afghanistan, Türkei, Irak, Somalia, Iran) beträgt sogar 50
Prozent. Zum Vergleich: Die Beschäftigungsquote unter Deutschen liegt bei
etwa 77 Prozent.
Positiv zu vermelden ist auch, dass die Beschäftigungsquote besonders unter
Syrer:innen und Frauen aus den Hauptherkunftsländern steigt, Letztere
stellen auch immer mehr Auszubildende. Und vor allem: Zwei Drittel der
Geflüchteten, die in Berlin arbeiten, tun dies als Fachkraft oder „auf
höherem Anforderungsniveau“.
## 177.000 Geflüchtete leben derzeit in Berlin
Doch wer zählt überhaupt als Geflüchteter? Die Integrationsbeauftragte
definiert dies anhand des „humanitären Aufenthaltsstatus“: Wer Asyl
beantragt oder bekommen hat, wer wie die Ukrainer vorübergehenden Schutz
oder aus anderen humanitären Gründen ein Bleiberecht hat, gilt als
geflüchtet. Wer (später) eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis, ein Visum
für Arbeit oder Studium bekommt oder eingebürgert wird, ist kein
Geflüchteter mehr.
Nach dieser Definition sind etwa 5 Prozent der Berliner Bevölkerung
Geflüchtete, etwa 177.000 Menschen. Ein Viertel von ihnen sind Kinder und
Jugendliche, ein knappes Drittel Ukrainer:innen, 30 Prozent von ihnen leben
seit mehr als fünf Jahren in Berlin. Knapp 25 Prozent wohnen in
Unterkünften des Landes, die anderen in bezirklichen Wohnungslosenheimen
oder Mietwohnungen.
Um das Ankommen besser zu unterstützen, früher sagte man Integration, aber
der Begriff gilt in Fachkreisen heute als „vergiftet“, habe man in den
vergangenen Jahren den Fokus auf die Bezirke beziehungsweise die
„Sozialräume“ gelegt, in denen die Menschen leben, erklärt Niewiedzial.
„Dort passiert das Ankommen, und wenn es Probleme gibt, entstehen sie
dort.“ Das Programm BENN („Berlin entwickelt neue Nachbarschaften“), über
das seit vielen Jahren Begegnungsstätten und
Stadtteilverschönerungsprojekte finanziert werden, aber auch die
Integrationslotsen, die Geflüchtete beraten, sind Ausfluss dieser
Erkenntnis, ebenso die bezirklichen Integrationsbeauftragten mit ihren
Etats für Projekte vor Ort.
Seit Anfang des Jahres können die Bezirke zudem mit der
„Gemeinschaftspauschale“ zusätzliches Geld beim Land beantragten – und zwar
umso mehr, je mehr Geflüchtete sie bei sich unterbringen: 165 Euro pro Jahr
gibt es für jeden Platz in einer Geflüchtetenunterkunft. Ausgegeben werden
kann das Geld je nach Bedarf vor Ort: für Nachbarschaftstreffs, Kinder- und
Jugendeinrichtungen, Beratungsangebote in den Unterkünften, aber auch für
(befristete) Stellen im Bezirk, etwa im Jugend- oder Sozialamt. Das meiste
Geld bekommen in diesem Jahr Pankow (eine Million Euro),
Tempelhof-Schöneberg (900.000) und Lichtenberg (800.000).
Wie hilfreich und wichtig Nachbarschaftsarbeit für ein gelingendes Ankommen
ist, erzählte am Mittwoch der ehemalige Geflüchtete Khalil Sharaf. Der
Syrer kam 2015 nach Berlin, seit 2017 arbeitet er im BENN-Projekt im
Märkischen Viertel in Reinickendorf. Sharaf berichtete von einem Mann, der
neu war und „sehr unsicher und ängstlich“, also habe er ihn ermuntert, eine
ehrenamtliche Arbeit zu übernehmen. „Dadurch bekam er mehr Selbstvertrauen,
knüpfte Kontakte und fand schließlich einen Job.“
Gerade beim Thema Arbeit sei „geduldige und individuelle Hilfe“ wichtig,
merkte Niewiedzial an. Denn in Deutschland sei das Netzwerken bei der
Jobsuche enorm wichtig, sprich: ohne „Vitamin B“ geht oft gar nichts. „Und
alte Schulfreunde haben die Geflüchteten hier nun mal nicht.“
18 Mar 2026
## LINKS
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(DIR) [2] https://www.berlin.de/lb/intmig/flucht-und-ankommen/strategien/
(DIR) [3] /Kuerzung-von-Integrationskursen/!6162037
## AUTOREN
(DIR) Susanne Memarnia
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