# taz.de -- Fritz-Kola sponsert CDU: Linksruck an der Cola-Front
       
       > Fritz-Kola gilt als linke Cola. Weil die Firma Sponsor des CDU-Parteitags
       > war, wird sie nun heftig attackiert. Dürfen Linke jetzt noch Fritz
       > trinken?
       
 (IMG) Bild: Mehr Schwarz als Grün? Das ist nicht cool
       
       Die Debatte, ob man als Linker Cola trinken darf, ist so alt wie Coca-Cola.
       Inzwischen gibt es allerlei Alternativen zu dem einst [1][als
       Imperialisten-Gesöff verschmähten Getränk] aus den USA. Doch auch bei den
       Alternativen finden Linke immer wieder dunkle Flecken. Das jüngste Ziel
       linker Kritik an koffeinhaltigen Getränken ist das [2][Hamburger
       Unternehmen Fritz-Kola]. Das nämlich ist als Sponsor des CDU-Parteitags
       aufgetreten.
       
       Online hagelte es Kritik, unter den Posts [3][von Fritz-Kola auf Instagram]
       geht es um kein anderes Thema mehr. In einer Rechtfertigung des
       Unternehmens heißt es, dass mit dem bisherigen gesellschaftspolitischen
       Engagement nichts Entscheidendes erreicht werden konnte. Deswegen habe sich
       das Unternehmen entschieden, sich direkt an die Parteien zu wenden und an
       die Grünen, die SPD, die CDU und die FDP Geld zu spenden. Nicht aber an die
       Linken, da die Spenden von Unternehmen prinzipiell ablehnen.
       
       Mit dieser Erklärung inszeniert sich das Unternehmen Fritz-Kola als aktiver
       Kämpfer gegen den Faschismus und will als Lösung nicht als Problem gesehen
       werden.
       
       Fritz-Kola, so viel sei gesagt, war natürlich nur einer unter Dutzenden
       Sponsoren des CDU-Parteitags. Mit der gleichen Vehemenz könnten Linke jetzt
       also auch fordern, dass Linke ihr Konto bei der Sparkasse kündigen müssen,
       nicht mehr bei Lidl einkaufen, keine Pakete mehr mit DHL verschicken und
       nie wieder ein Uber rufen dürfen.
       
       ## Image zwischen Clubkultur und alternativer Szene
       
       Aber das Unternehmen Fritz-Kola hat sich halt bisher links gebrandet.
       Fritz-Kola war bis grade eben das perfekte Getränk für Menschen, die im
       Kampf gegen den Kapitalismus etwas Koffein benötigen. Die Marke wurde
       Anfang der 2000er-Jahre von zwei Studenten in Hamburg gegründet und setzte
       von Anfang an stark auf ein Image zwischen Clubkultur, alternativer Szene
       und ironischer Selbstvermarktung. Schwarze Etiketten, viel Koffein und
       Werbekampagnen, die sich gegen den Mainstream richten – all das half dabei,
       sich bewusst vom großen amerikanischen Monopol abzusetzen.
       
       Ich wiederum war lange Jahre Coca-Cola-Junkie. Ohne Coca-Cola war ich nicht
       arbeitsfähig. Mindestens zwei Liter davon musste ich trinken, bevor ich
       mich in der Schule konzentrieren konnte, um Deutscharbeiten zu schreiben.
       Oder jedenfalls redete ich mir das lange ein. Vielleicht war es auch
       einfach nur ein rebellisches Verhalten gegen meine Eltern, die mir das Cola
       Trinken verboten hatten. Funktioniert hat es nicht, ich legte einen
       riesigen Coca-Cola-Vorrat an, versteckt unter den Pflanzen im Hinterhof.
       
       Dass Coca-Cola als turbokapitalistische, umweltverpestende, amerikanische
       Marke nicht so ganz zu meinem linken Weltbild passte, war mir bewusst. Umso
       älter und linker ich wurde, umso fader wurde der Geschmack meines
       Lieblingsgetränks, auch wegen Kommentaren aus meinem Umfeld, wie ich als
       Linker Coca-Cola trinken könnte. Letztendlich war es ein langer Weg, bis
       ich mir selbst ein Kaufverbot auferlegte und zu Fritz-Kola wechselte.
       
       Doch auch damit ist es jetzt vorbei. Nicht, weil das Unternehmen den
       CDU-Parteitag sponserte. Sondern weil mir die Rechtfertigung dafür zu plump
       ist: Weil ihr Linken es nicht mit euren Mitteln geschafft habt, den
       Rechtsruck abzuwenden, versuchen wir es halt jetzt mit Parteispenden. Dass
       diese Parteien aber in den vergangenen Jahren allesamt nach rechts gerückt
       sind, ist kein Thema. Puh. Also auch nach dem Genuss von Fritz-Kola kriegt
       man einen ideologischen Kater.
       
       Aber keine Cola ist auch keine Lösung. Vor allem als Nicht-Kaffee-Trinker
       braucht es da eine schlüssige Alternative.
       
       Wo also finden wir jetzt den Linksruck der Cola? Wo stimmt nicht nur das
       Image, sondern auch die Struktur dahinter? Der neue heiße Cola-Scheiß ist
       das Premium-Kollektiv, eine Cola, die ohne Werbung und schriftliche
       Arbeitsverträge auskommt. Es wird auf Ehrlichkeit und Freiwilligkeit
       gesetzt, Entscheidungen über Rezeptur, Vertrieb und Ausrichtung werden
       Konsens-demokratisch getroffen. Dabei können alle, die Teil des Kollektivs
       sind, mitbestimmen. Jedenfalls heißt es das bislang.
       
       Werde ich als Linker jetzt nur noch einwandfreie linke Cola trinken? Eher
       nicht. Die perfekte Cola wird es sowieso nie geben. Und deswegen ist bei
       aller berechtigten Kritik an Fritz-Kola niemand zu verurteilen, der
       Coca-Cola trinkt oder Fritz für links hält.
       
       12 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Die-gute-Cola/!253168/
 (DIR) [2] /Weiches-Image-harte-Konkurrenz/!5026143
 (DIR) [3] https://www.instagram.com/fritzkola/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Fridolin Haagen
       
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