# taz.de -- Projekt „Entdecke das High-Deck in Dir!“: Mehr als ein brennender Bus
> Eine Wanderausstellung soll das Image der High-Deck-Siedlung in Neukölln
> verbessern. Bewohner:innen erzählen vom Leben dort und was sie
> bewegt.
(IMG) Bild: Enes Erol ist Teil des Projekts „Entdecke das High-Deck in Dir!“
Enes Erol wohnt in der [1][High-Deck-Siedlung in Neukölln]. Seine Familie
besitzt die Bäckerei „Die Zimtschnecke“ im Sonnencenter, das am Eingang der
Großsiedlung liegt. Zwar habe das Center einen schlechten Ruf, doch der
Laden gelte mittlerweile als Institution, erzählt er. „Das Sonnencenter ist
nicht so negativ, wie alle denken“.
Im zweiten Obergeschoss des Rathauses Neukölln stehen derzeit zehn
lebensgroßen Aufsteller. Darauf sind Menschen abgebildet, die in der
High-Deck-Siedlung wohnen. Erol ist einer von elf Teilnehmenden der
Wanderausstellung [2][„Entdecke das High-Deck in Dir!“]. Das Projekt
erzählt via Aufsteller und Interviews, die über QR-Codes abrufbar sind, die
individuellen Geschichten seiner Bewohner:innen. Es soll helfen, die
Siedlung positiv sichtbar zu machen.
Bezirksbürgermeister Martin Hikel betont bei der Eröffnung in der
vergangenen Woche, dass die High-Deck-Siedlung und ganz Neukölln in den
Medien nicht so widergespiegelt werden, wie sie eigentlich seien. „Auch die
High-Deck-Siedlung stand oft [3][mit anderen Themen in den Schlagzeilen,
als eigentlich das Leben vor Ort ausmachen]“, so Hikel. [4][„Es geht nicht
immer nur um den brennenden Bus.“] Einerseits sei die Siedlung Baukultur,
andererseits auch ein Ort, wo Menschen sehr gern leben, sagt er.
„Neukölln ist mehr als die Summe seiner Probleme“, führt Hikel weiter aus.
Stattdessen sei der Bezirk durch das nachbarschaftliche Miteinander seiner
Bewohner:innen geprägt. „Ausnahmen machen die Schlagzeilen, bestätigen
aber auch die Regel“, meint er.
## Neukölln überall
Laut Projektleiterin Martha Kauffmann startete das Projekt im Herbst 2025.
Ab dem 25. März ziehe die Ausstellung weiter, es seien Stopps in Marzahn
und Lichtenberg geplant. „Bis Ende des Jahres wollen wir in jeden Bezirk“,
meint Kaufmann.
Kauffmann leitet das gemeinnützige Unternehmen MALI, das die Ausstellung in
Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement High-Deck-Siedlung/Sonnenallee
Süd gestaltet hat. Zur Eröffnung damals erschienen auch viele
Bewohner:innen des Wohnkomplexes. „Das Projekt soll nicht nur nach
außen wirken, sondern auch nach innen. Die Menschen sollen wieder stolz
sein können auf ihre Siedlung“, meint Kauffmann.
## Potenzial für frischen Wind
Enes Erol wünsche sich, dass die Siedlung für mehr als einen brennenden Bus
bekannt wird. „Lasst uns mit der Politik zusammen etwas Neues gestalten“,
fordert er. Architektonisch sei die Siedlung interessant für Studierende
und Stadtplaner:innen. Besonders ist, dass die Wohnblöcke des
Gebäudekomplexes in der Sonnenallee durch „High-Decks“, hochgelagerte Wege
über der Verkehrsebene, verbunden sind. „Da ist genug Potenzial, um der
Gegend ein bisschen frischen Wind zu geben“, sagt er.
Es sei wenig in High-Deck investiert worden, klagt Erol. „Wir wohnen alle
da, meine Brüder, meine Eltern. Natürlich bin ich daran interessiert, die
Siedlung etwas attraktiver zu gestalten“. Es müsse mehr für Sauberkeit
getan werden, Grünflächen angelegt und Angebote für Kinder geschaffen
werden. „Es geht mir nicht um das Finanzielle, sondern einfach um das
Soziale“, betont er.
Außerdem hat Erol den Eindruck, dass die Siedlung von Hausverhaltung zu
Hausverwaltung weitergereicht wird. „Es vermittelt das Gefühl, dass du von
der Politik vergessen wirst“, sagt er. Die Eigentümerin Howoge würde nur
selten auf Beschwerden reagieren. Dagegen habe sich sogar eine
Kiezinitiative gebildet.
Meriame Haase ist alleinerziehende Mutter von vier Kindern und wohnt seit
Ende 2011 in der High-Deck-Siedlung. Dort kenne sie fast jede:n. „Wir sind
friedliche Menschen in der Siedlung“, betont sie. Probleme gebe es überall.
Aber gerade die Menschen in der Siedlung würden oft über einen Kamm
geschoren, es werde Schlechtes über sie erzählt. „Wir sind nicht so“,
betont Haase. „Es macht mich sauer, wenn Menschen uns darstellen, als seien
wir gefährlich.“
18 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Ein-Viertel-mit-Schieflage/!1277792/
(DIR) [2] https://maliberlin.de/High-Deck-Siedlung.html
(DIR) [3] /Silvester-in-Berlin-Neukoelln/!5981940
(DIR) [4] /Gewalt-an-Silvester/!5903865
## AUTOREN
(DIR) Martha Lippert
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(DIR) Kürzungen
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