# taz.de -- Festivalkoordinatorin über Jazz: „Ich wollte Musikerinnen präsentieren“
> Studienfach ist Jazz in Osnabrück schon lange. Jetzt feiert ihn erstmals
> ein Jazzfestival: Kuratiert hat es die Klarinettistin Shabnam Parvaresh.
(IMG) Bild: Die mongolische Sängerin Enji ist gegenwärtig eine der angesagtesten Stimmen der Jazzwelt
taz: Frau Parvaresh, Sie gehören zu dem Team, das sich traut, an diesem
Wochenende das erste Jazzfestival Osnabrück zu veranstalten. Welcher Teufel
hat Sie denn da geritten?
Shabnam Parvaresh: Ich habe in Osnabrück Jazz studiert, aber obwohl wir
hier an der Hochschule eine der größten Jazzabteilungen Deutschlands haben,
gibt es keine Jazzszene in der Stadt. Die [1][Studentinnen und Studenten,
die hier Jazz studieren], gehen darum nach ihrem [2][Studium alle weg]. Und
um den Jazz in der Stadt ein wenig präsenter zu machen, habe ich hier
Jazz-Enthusiasten gefunden und mit ihnen zusammen den Verein Jazz49
gegründet. Das Festival ist nun unsere erste Initiative.
taz: Was bedeutet der Name?
Parvaresh: Die 49 ist einfach die Postleitzahl von Osnabrück.
taz: Es könnte aber ja auch das Durchschnittsalter der Vereinsmitglieder
sein. Denn das Problem bei Jazz ist doch, dass er vor allem von alten,
weißen Männern gehört wird.
Parvaresh: Das stimmt. Ich bin ja selber Musikerin und spiele meistens vor
diesem Publikum.
taz: Wenn Jazz gerade in erfolgreichen Filmen wie „La La Land“, „Whiplash“
oder dem Pixar-Animationsfilm „Soul“ eine wichtige Rolle spielt, ist er für
eine kurze Zeit wieder hip. Doch das scheint nicht nachhaltig zu sein.
Parvaresh: Aber ich sehe auch das Potenzial, dass man das mit gutem
Marketing ändern kann. Man muss das Programm vielleicht ein wenig
attraktiver machen, sodass [3][der Jazz für junge Menschen wieder cool und
nicht so altmodisch wirkt].
taz: Ist Ihre Aufgabe also, Jazz möglichst gut zu verkaufen?
Parvaresh: Ich würde nicht sagen, dass wir Jazz „verkaufen“ wollen. Unser
Ziel ist eher, mehr Menschen für Jazz zu interessieren und ihnen zu zeigen,
wie lebendig, vielfältig und spannend diese Musik sein kann. Wir möchten
neugierig machen – besonders auch Menschen erreichen, die vielleicht noch
nie ein Jazzkonzert besucht haben.
taz: Die Verpackung ist also wichtig?
Parvaresh: Ja, wenn das Design gut ist, werden auch junge Menschen
aufmerksam. Denn ein Design kann sofort eine positive Wirkung haben und
sogar unsere Stimmung verbessern.
taz: Spielt es nicht auch eine wichtige Rolle, wer bei dem Festival
auftritt?
Parvaresh: Das stimmt! Als Kuratorin habe ich versucht, an diesen drei
Tagen möglichst vielen Facetten zu präsentieren. Es geht dabei um eine
Balance zwischen den Auftritten von international berühmten Jazzgrößen wie
Aaron Parks sowie Jakob Bro und jungem, deutschem Jazz. Und ich wollte
Musikerinnen präsentieren. Und so habe ich die mongolische Sängerin Enji
und die vier Frauen der Gruppe Hilde eingeladen, die gerade für den
deutschen Jazzpreis nominiert wurde.
taz: Was ist für Sie das Besondere an Jazzkonzerten?
Parvaresh: Das Besondere an Jazzkonzerten ist für mich das gemeinsame
Spielen und die Improvisation. Die Musiker hören einander zu, reagieren
spontan aufeinander und [4][diese lebendige Kommunikation] auf der Bühne
macht Jazz so spannend. In vielen anderen Musikrichtungen, zum Beispiel im
Pop, passiert so etwas viel seltener, weil die Stücke meist stärker
festgelegt sind und weniger Raum für spontane musikalische Dialoge lassen.
taz: Wenn beim Jazz dagegen jemand heute genauso klingt wie gestern, hat er
etwas falsch gemacht.
Parvaresh: Genau! Die Musik kommt aus dem Moment. Das klingt nicht immer
schön, sondern kann manchmal auch weh tun. Aber jeder Moment ist anders und
lässt sich nicht wiederholen.
12 Mar 2026
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