# taz.de -- Krimiserie „Scarpetta“ mit Nicole Kidman: Autopsie der Vergangenheit
> Verbrechen, Familiendramen, Arbeitshierarchien und eine starke
> Ermittlerin – „Scarpetta“ kann mehr als die üblichen Forensikerserien.
(IMG) Bild: Jamie Lee Curtis als Dorothy Farinelli in „Scarpetta“
Krimiserien über Gerichtsmediziner gibt es in Hülle und Fülle. Von
„Crossing Jordan“ über „Body of Proof“ bis zum öffentlich-rechtlichen
„[1][Thüringenkrimi]“ über die Jenaer Forensikerin Mala Murphy. Dazu kommen
noch CSI-Serien, diverse [2][True-Crime]-Doku-Formate und nicht zuletzt Jan
Josef Liefers als legendärer Tatort-Forensiker. Tut da noch eine weitere
Gerichtsmedizinserie wirklich Not?
Eigentlich kaum, aber Amazon Prime wartet nun mit der wirklich sehenswerten
und starbesetzten Serie „Scarpetta“ auf, in der [3][Nicole Kidman] die
Titelrolle der selbstbewussten Gerichtsmedizinerin aus Virginia spielt. Der
Achtteiler basiert auf den seit 1990 insgesamt 29 erschienenen
[4][Scarpetta-Romanen von Patricia Cornwell], die zu jenen
Taschenbuchkrimis gehören, die gerne in Ferienwohnungen zurückgelassen
werden.
Aber die Amazon-Serie kann sich wirklich sehen lassen und ist mehr als nur
irgendeine weitere Forensiker-Krimiserie. Denn neben Spannung und
Verbrechen geht es hier auch um Beziehungsstreit, Familiendramen, die Rolle
von KI und eine Agentengeschichte. Irgendwann fällt sogar ein
bioenergetisches Labor aus der Erdumlaufbahn auf das Feld eines verdutzten
Bauern.
Als Rahmenhandlung dient die Suche nach einem Serienkiller. Kay Scarpetta
ist ihm auf der Spur und stellt plötzlich fest, dass es sich um den
gleichen Täter handeln könnte, der schon vor knapp 30 Jahren zu Beginn
ihrer Karriere mordete. Hat sie damals den falschen Mann überführt? In zwei
großartig miteinander verknüpften Handlungssträngen (1998 und 2026) werden
die verschiedenen Kriminalfälle aufgerollt.
## Serie lebt von hervorragenden Schauspielern
Die Serie springt immer wieder von einer Zeitebene in die andere. Rosy
McEwen muss sich als junge Scarpetta Ende der 90er gegen latenten Sexismus
am Arbeitsplatz wehren und ermittelt zusammen mit ihrem Partner Pete Marino
(Bobby Cannavale), der später ihre überdrehte Schwester Dorothy (Jamie Lee
Curtis) heiratet. Die Serie erzählt wundervoll, wie aus den Kollegen
plötzlich streitende Familienmitglieder werden. Kay kümmert sich außerdem
um Lucy (Ariana de Bose), die Tochter ihrer Schwester. Denn die fährt
lieber nach Hawaii und feiert Party, wenn sie nicht gerade als
Kinderbuchbestsellerin in den Medien herumgereicht wird.
Lucy wird zu einer Art Computer-Wunderkind und kreiert nach dem Tod ihrer
Ehefrau Janet (Janet Montgomery) eine KI, mit der sie sich zum Missfallen
ihrer Mutter via Bildschirm täglich unterhält und die fester Bestandteil
dieser durchgeknallten, ständig miteinander im Streit liegenden Familie
wird.
Die Krimigeschichte in „Scarpetta“ ist vielschichtig, wird mit
fortlaufender Handlung immer komplizierter und erst im Lauf der Zeit werden
offene Fragen und Rätsel aus der Vergangenheit gelöst. Auch wenn der Serie
ein Krimibestseller zugrunde liegt, ist „Scarpetta“ keine eindimensionale
Crime-Story von der Stange wie der Großteil der Forensiker-Serien.
Der Achtteiler erzählt neben der spannungsgeladenen Krimigeschichte auch
von Karriere, Arbeitshierarchien, familiären Traumata, polizeilichem
Fehlverhalten und seelischen Abgründen. Die Serie in kinotauglichen Bildern
lebt dabei auch vor allem von den großartigen Schauspielern. Da das bis zur
letzten Szene spannend bleibt und mit einem Cliffhanger endet, dürfte eine
Fortsetzung wahrscheinlich sein.
11 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.zdf.de/serien/thueringenkrimi-100
(DIR) [2] /Hype-um-Wahre-Verbrechen/!5972495
(DIR) [3] /Nicole-Kidman/!t5630786
(DIR) [4] https://buchszene.de/buch_tag/buchreihen/kay-scarpetta/
## AUTOREN
(DIR) Florian Schmid
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