# taz.de -- Serie über Entführung: Kind verloren
       
       > „All Her Fault“ ist spannend bis zur letzten Sekunde. Hohe
       > Schauspielkunst inklusive und mit viel Dunkelheit in den Biographien der
       > Verdächtigen.
       
 (IMG) Bild: Dakota Fanning als Jenny Kaminski in „All Her Fault“
       
       Marissa klopft an eine Tür, sie will ihren Sohn Milo von einem Treffen mit
       einem Schulfreund abholen. Eine ältere Frau öffnet. Milo? Von dem Jungen
       habe sie noch nie etwas gehört.
       
       Der Thriller „All Her Fault“ beginnt unmittelbar, denn dass es sich hier
       nicht um ein Missverständnis, sondern um ein Verbrechen handelt, ist nach
       wenigen Minuten klar.
       
       Das Playdate war erfunden, der Sechsjährige wurde entführt. Und eine
       Tatverdächtige ist auch schnell ausgemacht: Carrie, die Nanny des
       Schulfreundes.
       
       Eine klassische Geschichte einer Kindesentführung könnte man denken, doch
       wieso entführt eine junge Frau aufwändig das Kind einer anderen Familie?
       Und wieso fordert sie dann nicht einmal Lösegeld?
       
       ## Trotz allem überrascht
       
       Einige Cliffhanger später offenbart sich: die Auswahl an Verdächtigen ist
       groß. Jede_r könnte etwas mit dem Verschwinden zu tun haben: Der Vater mit
       Helferkomplex, die suchterkrankte Tante oder der spielsüchtige beste Freund
       der Mutter.
       
       Und so nähert man sich bei der verzweifelten Suche nicht nur dem
       verschwundenen Kind, sondern auch kaputten Figuren und ihren dunklen
       Vergangenheiten. Und ist von der Auflösung trotz allem überrascht.
       
       Der Plot basiert auf dem [1][Roman der irischen Autorin Andrea Mara]. Für
       die Serie wurde die Handlung unnötigerweise von der Mittelschicht in Dublin
       zur obersten Oberschicht nach Chicago verlegt. Dabei gab es in den
       vergangenen Jahren wahrlich genügend popkulturelle Abhandlungen über
       a[2][nstrengende Superreiche] („Succession“, „Triangle of Sadness“,
       „[3][White Lotus“]).
       
       Die Redundanz verzeiht man dem Thriller jedoch, weil die Figuren dank der
       schauspielerischen Leistung mehr sind als Karikaturen. Sarah Snook
       („Succession) überzeugt als verzweifelte Mutter. Schauspieler Jake Lacy
       („White Lotus“) ist als sabotierender und helfender Vater so nervig, dass
       man sich wünscht, er wäre statt des Kindes verschwunden.
       
       Am Ende bleibt man bei dem Thriller „All Her Fault“ nicht nur wegen der
       klassischen Spannungselemente acht Stunden am Ball, sondern auch wegen der
       liebevollen und akkuraten Zeichnung von Mutterschaft und
       Frauenfreundschaften.
       
       13 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.penguin.de/autoren/andrea-mara/766756
 (DIR) [2] /Netflix-Serie-Ein-neuer-Sommer/!6034661
 (DIR) [3] /Tiere-in-The-White-Lotus/!6081759
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Carolina Schwarz
       
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