# taz.de -- Miete, Kredite und Handyverträge: Die Schufa will neu punkten
       
       > Die größte Auskunftei Deutschlands ändert ihr umstrittenes
       > Scoring-Verfahren. Was das für Verbraucher:innen heißt.
       
 (IMG) Bild: 2027 wird die Schufa 100 Jahre alt. Hier recherchieren „Karteiführerinnen“ der Schufa 1930 in Berlin
       
       Was ist der Schufa-Score? 
       
       Mobilfunkvertrag, Kredit, Zahlung auf Rechnung bei einem Onlineshop oder
       eine Wohnung zur Miete – [1][in vielen Situationen wollen
       Vertragspartner:innen Einblick in die Schufa-Daten haben]. Damit
       wollen sie sich absichern: Wie wahrscheinlich ist es, dass Kundinnen oder
       Mieter ihre Zahlungsverpflichtungen erfüllen? Maßgeblich für die
       Entscheidung für oder gegen ein:e Interessent:in ist dann häufig der
       Schufa-Score. Damit schätzt die Schufa ab, wie wahrscheinlich Kund:innen
       wie vereinbart zahlen.
       
       Warum ist der Score so umstritten? 
       
       Bislang tappten Verbraucher:innen bei vielen Fragen im Dunkeln: Wie
       kommt der eigene Score zustande? Warum hat er sich zu bestimmten
       Zeitpunkten verbessert oder verschlechtert? Welches Unternehmen hat wann
       persönliche Daten von der Schufa angefordert? Warum bekommt man als
       Verbraucher:in nicht die gleichen Zahlen zu sehen, die Mobilfunkprovider
       oder Onlineshops präsentiert bekommen?
       
       Und wie kann es eigentlich sein, dass letztlich ein Privatunternehmen in
       vielen Bereichen über die wirtschaftliche Teilhabe von Menschen
       entscheidet? Denn wer den potenziellen Vertragspartner:innen die
       Schufa-Auskunft verweigert, kann damit rechnen, direkt aussortiert zu
       werden. Der Schufa-Score ist mächtig. Das Unternehmen ist Deutschlands
       größte Auskunftei im Verbraucherbereich. Pro Tag beantwortet es
       durchschnittlich 350.000 Bonitätsanfragen.
       
       Was ändert sich jetzt? 
       
       Die Schufa hat ihren Score komplett umgebaut. Damit sollen
       Verbraucher:innen einfacher erkennen können, wie und warum ihre Bonität
       so eingeschätzt wird. „Der neue Score wird verständlich, aussagefähig und
       gut vorhersehbar“, versprach Schufa-Chefin Tanja Birkholz bereits bei der
       [2][Vorstellung der Pläne] im vergangenen Jahr. Konkret heißt das: Statt
       einer prozentualen Wahrscheinlichkeitsangabe gibt es nun zwischen 100 und
       999 Punkten. Je höher der Wert, desto wahrscheinlicher schätzt die Schufa
       es ein, dass die Betreffenden die Zahlungsverpflichtungen erfüllen.
       
       Keinen Score erhält, zu wem die Schufa eine „Zahlungsstörung“ registriert
       hat – also etwa eine nicht gezahlte Rechnung. Warum die Schufa eine:n wie
       bewertet, lässt sich nach Registrierung auf der Webseite des Unternehmens
       kostenlos einsehen. Dort gibt es auch Informationen darüber, welche Firmen
       zuletzt die eigenen Schufa-Daten angefragt haben.
       
       Der neue Score gilt seit dem 17. März. Bislang nutzen ihn laut der Schufa
       rund 25 Prozent der Unternehmen, die den Score beziehen. Bis Jahresende
       sollen es die Hälfte sein, und bis Ende 2028 soll der alte Score komplett
       ersetzt werden. Mit der Umstellung bekommen Verbraucher:innen erstmals
       dieselben Score-Werte angezeigt wie ihre Vertragspartner:innen. Das gilt
       auch für Branchen wie Handel und Banken, die bislang eine Extraberechnung
       bekamen.
       
       Was wirkt sich positiv auf den Score aus, was negativ? 
       
       Für den neuen Score sind 12 Kriterien maßgeblich. Dazu zählen, wie lange
       der älteste Bankvertrag schon läuft, wie lange man schon die älteste
       Kreditkarte hat, wie lange man an derselben Adresse wohnt und ob man einen
       Immobilienkredit abgeschlossen hat. Für jedes der 12 Kriterien werden
       Punkte vergeben. Je mehr Punkte, desto besser die Bewertung im Score.
       Beispiel Ratenkredit: Wer in den vergangenen 12 Monaten keinen
       abgeschlossen hat, bekommt die maximale Punktzahl von 66. Hat die Schufa in
       diesem Zeitraum einen Ratenkredit registriert, gibt es 48 Punkte, bei zwei
       Ratenkrediten 32 Punkte und bei mehr als drei 0 Punkte. Diese Infos zu
       jedem Kriterium [3][können Verbraucher:innen nun über sich einsehen].
       
       Wie lässt sich der eigene Score verbessern? 
       
       In der Vergangenheit hatte die Schufa ihre Intransparenz über die Kriterien
       und die Score-Berechnung auch damit begründet, dass sich der Score sonst
       manipulieren lasse. Nun gibt die Auskunftei selbst Tipps für eine bessere
       Bewertung. Zum Beispiel, alte Verträge nach Möglichkeit nicht zu kündigen
       und neue Vertragsabschlüsse strategisch zu timen. Denn wer etwa ein neues
       Girokonto oder eine neue Kreditkarte braucht, holt gerne mehrere Angebote
       ein.
       
       Fragen hier über mehrere Monate hinweg Banken den Score ab, wirkt sich das
       negativ aus. Doch Anfragen und Abschlüsse, die innerhalb eines
       28-Tage-Zeitraums eingehen, werden zu einer Anfrage gebündelt. Wer sich
       also schnell kümmert und entscheidet, hat einen besseren Score als eine
       Person mit identischen Kriterien, die einen Abschluss über Monate streckt.
       „Tatsächlich kann der neue Score für mehr Klarheit und Transparenz sorgen,
       aber es gibt weiterhin strukturelle Probleme“, sagt Adriana Cuppuleri von
       der NGO Algorithmwatch.
       
       Was belohnt die Schufa? 
       
       Neben Treue – zum Bankkonto, zur Wohnung – belohnt die Schufa auch das
       Alter von Verbraucher:innen. Beispiel Bankvertrag: Wer den ältesten
       Bankvertrag schon seit mindestens 20 Jahren laufen hat, erhält dafür die
       Höchstpunktzahl von 69. Darunter gibt es stufenweise etwas weniger Punkte,
       je nach Laufzeit. Ab 15 Jahren 56 Punkte, ab 10 Jahren 49 Punkte, und dann
       in weiteren Schritten runter auf 0 Punkte, wenn der Vertrag noch frischer
       ist als 3 Monate.
       
       Ein ähnliches Muster gibt es bei Kreditkarten und der Adresse.
       Immobilienkredite werden mit 55 Punkten belohnt. Auch die werden
       tendenziell ältere Menschen abgeschlossen haben. „Für junge Menschen ist es
       so viel schwieriger, einen Kredit oder einen bestimmten Vertrag zu
       bekommen“, kritisiert Cuppuleri. Die Schufa verteidigt ihren Ansatz:
       „Fahranfänger haben am Anfang auch höhere Versicherungsbeiträge, weil die
       Versicherung nicht weiß, ob jemand vorsichtig fährt“, sagt Sprecher Robert
       Heusinger. Nach dem Abschluss des ersten eigenen Konto- und eines
       Kreditkartenvertrags könne man nach einem Jahr in der zweitbesten
       Risikoklasse – gut – landen.
       
       An welchen Punkten gibt es noch Kritik? 
       
       Christine Steffen, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale NRW, weist auf
       einen weiteren Nachteil hin: „Auch Menschen, die Angebote vergleichen und
       häufiger den Anbieter wechseln, handeln sich bei der Schufa Punktabzüge
       ein.“ Sowohl Steffen als auch Adriana Cuppuleri kritisieren zudem, dass
       fehlerhafte Einträge weiterhin ein großes Risiko für Verbraucher:innen
       bedeuten – und diese dann selbst aktiv werden und auf eine Korrektur des
       Fehlers hinwirken müssen. So würden laut Steffen etwa Inkassobüros der
       Schufa immer wieder Zahlungsstörungen auf Basis unberechtigter Forderungen
       melden – das ist nicht erlaubt.
       
       Kritisch sieht Cuppuleri auch die Idee, dass Verbraucher:innen auf
       freiwilliger Basis Einblick in weitere Daten geben können. So hatte die
       Schufa vor einigen Jahren geplant, dass Verbraucher:innen ihre
       Kontoauszüge öffnen können, um trotz schlechtem Score einen
       Mobilfunkvertrag oder eine Ratenzahlung zu bekommen. Nach Protesten ruderte
       die Schufa zurück.
       
       Cuppuleri sagt zu solchen Konzepten: „Damit bekommt eine Auskunftei auch
       Einblick in sehr sensible Daten, etwa Zahlungen an Parteien, an religiöse
       Gemeinschaften oder für medizinische Zwecke.“ Sie fordert daher klare
       gesetzliche Regelungen für Auskunfteien und darüber hinaus. Gerade
       Fintechs, also digitale Finanzdienstleister, räumen sich oft Einblicke in
       die Kontoauszüge ein. Es brauche eine Regulierung dessen, welche Daten
       erhoben, gespeichert und nach welcher Zeit sie gelöscht werden müssten.
       
       Was können Verbraucher:innen tun? 
       
       Die Verbraucherzentrale NRW rät, regelmäßig die eigenen bei der Schufa
       gespeicherten Daten zu überprüfen. Dafür müsse man keinen Account dort
       anlegen. Es reiche, das Recht auf eine kostenlose Datenkopie nach Artikel
       15 der [4][Datenschutz-Grundverordnung] in Anspruch zu nehmen. Das sei auch
       öfter als einmal jährlich möglich, wenn man davon ausgehe, dass sich die
       eigenen Daten geändert hätten. Bemerke man Fehler, solle man sich sowohl an
       die Auskunftei wenden als auch an das Unternehmen, das die falschen Daten
       übermittelt hat.
       
       Die Datenkopie kann auch für Menschen interessant sein, die das kostenlose
       Schufa-Konto nutzen. Denn hier werden die Daten quartalsweise aktualisiert
       – wer tagesaktuelle Daten haben will, braucht einen kostenpflichtigen
       Account. Vor Drittanbietern, die Zugänge zu Schufa-Daten verkaufen, um sie
       dann anzubieten, warnen die Verbraucherschützer:innen übrigens. Hier
       zahle man für eine Leistung, die man auch kostenlos bekommen könne.
       
       21 Mar 2026
       
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