# taz.de -- Schufa-Auskunft reformiert: Hört auf, mich zu beobachten!
> Die Schufa will transparenter werden und ändert ihr Punktesystem, doch
> das Unternehmen bleibt eine unangenehme, kontrollierende Instanz.
(IMG) Bild: Unter ständiger Beobachtung
Liebe Schufa,
[1][du sagst, es soll alles besser werden mit uns.] Das freut mich, denn
ich denke oft an dich. Du bist mein Schatten, meine Begleiterin. Als ich
eine Wohnung in Berlin suchte, ein neues Bankkonto abschloss und Klamotten
im Internet kaufte. Immer sitzt du mit strengem Blick auf meiner Schulter
und beobachtest alles, was ich mit meinem Geld so anstelle.
Du willst ein Urteil über mich fällen. Sollte man mir Geld leihen? Zahle
ich es pünktlich zurück? Eine Zahl zwischen 0 und 100 entschied über mein
Schicksal. Dich komplett zufriedenzustellen, das schien unmöglich zu sein.
Ich habe große Angst vor dir. Was, wenn meine Unachtsamkeit und unbezahlte
Rechnungen mal dafür sorgen, dass ich keinen Kredit bekomme, wenn ich
dringend einen brauche? Ich monatelang verzweifelt eine neue Wohnung suche
und mich der Vermieter wegen deinem Urteil doch nicht einziehen lässt?
Immer wenn mein Daumen über die „Später zahlen“-Funktion schwebt, meldest
du dich in meinem Hirn. Dass ich sie nicht nutzen muss, ist ein Privileg,
das verstehst du nicht.
Ich bin nicht die Einzige, die du beobachtest. Ich muss mir da nichts
einbilden. Bei fast 70 Millionen Menschen ziehst du dieselbe
kontrollierende Nummer ab wie bei mir. Ob das okay ist? Das hast du wohl
niemanden gefragt. Und entscheidest weiter über private Schicksale.
Viele verkennen dein wahres Gesicht, glauben, dass eine Behörde, eine
staatlich kontrollierte Institution hinter dir steht. Doch so ist es nicht.
Du bist eines der machtvollsten Unternehmen, besessen von Banken und
Einzelhändlern, die interessiert sind an meinem Umgang mit Geld.
Über die Jahre bist du kontrollierender geworden. Wolltest mehr
Informationen haben, [2][dir Kontoauszüge anschauen und kurz speichern.] Im
Gegensatz dazu würdest du dir deine Einschätzung noch mal überlegen, die
Leute neu bewerten. Zum Glück kam es nicht so weit.
Jetzt wirst du nun doch weicher im Alter, dich gibt es ja schon seit 1927.
Du willst dich ändern. Das haben mir schon oft Personen versprochen. Offene
Kommunikation sei dir wichtig, sagst du. „Radikal“ sei deine Veränderung,
sagen jetzt einige. Anhand von 12 Kriterien darf ich mich nun von dir
messen lassen. Keine spät bezahlten Rechnungen? Gut. Plus 264 Punkte. Keine
neuen Ratenkredite? Gut. 66 Punkte.
Es mag sein, dass du transparenter wirst, doch du bleibst unfair, magst die
Armen und Jungen nicht. Wer wenig Geld hat und nicht pünktlich zahlen kann,
den bestrafst du. Wer auf Raten kauft auch. Du siehst es nicht gern, wenn
Leute oft umziehen. Stellst Leute unter Generalverdacht. „Es ist nichts
Persönliches“, willst du dich herausreden. Nur Statistik! Leute, die
jahrzehntelang an der gleichen Adresse wohnten, zahlen eben mit einer
höheren Wahrscheinlichkeit ihren Kredit zurück, denkst du.
Ich besitze keine Immobilie und habe daher auch nie einen Immobilienkredit
besessen. Was macht das in deinen Augen mit mir? Ich bin weniger wert. Denn
wer gewissenhaft sein Haus abbezahlt, der ist a) meistens reich und b)
wurde durch die Bank gut geprüft. Keine 55 Punkte für mich.
Nun willst du mich neu an dich binden, für einige Euro im Monat, kannst du
mich auch per Mail belästigen. „Meine Schufa kompakt“ oder „Meine Schufa
plus“ nennst du dich dann und hältst mich über meine Bonität am laufenden.
Doch das will ich gar nicht. Ich will nicht, dass du netter oder einfacher
zu verstehen bist.
Liebe Schufa, ich will, dass du für immer gehst.
17 Mar 2026
## LINKS
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(DIR) Anastasia Zejneli
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