# taz.de -- Feministischer Kampftag in Bremen: Israel wird für patriarchale Gewalt verantwortlich gemacht
> Am Rande der 8.-März-Demonstration in Bremen kommt es zu unwürdigen
> Szenen: eine Gruppe und ein Grüppchen spielen Nahost-Konflikt.
(IMG) Bild: Demo am 8. März: Worum es eigentlich gehen soll am feministischen Kampftag
Worum geht es beim [1][feministischen Kampftag?] Ganz klar, um den
Nahostkonflikt. Zu diesem Schluss muss kommen, wer am späten
Sonntagnachmittag zur Abschlusskundgebung der Demonstration auf dem Bremer
Domshof gekommen war.
Zwischen Dom und Rathaus, 50 Meter von der Kundgebungsbühne entfernt,
stehen sich zwei Gruppen gegenüber, getrennt von Polizist:innen. Moment,
das eine ist nur ein Grüppchen: Eine ältere Frau mit Israelflagge, neben
ihr zwei Männer.
Der eine trägt die alte iranische Flagge aus Monarchiezeiten vor 1979, als
die Islamisten die Herrschaft übernahmen. Der andere ein Schild: „Rape is
not Resistance“, Vergewaltigung ist kein Widerstand. Es spielt an auf die
Vergewaltigung, Folter und Ermordung von Kindern und Frauen durch die vom
Iran unterstützten Hamas-Milizen am 7. Oktober 2023 in Israel.
Die Gruppe auf der anderen Seite besteht aus etwa 30 Personen, junge Männer
und Frauen. Viele tragen die Kufiya um ihren Hals, das Tuch ist Symbol der
palästinensischen Widerstandsbewegung, ein paar wedeln die palästinensische
Flagge, eine Frau trägt die libanesische. Auch den Libanon greift Israel
derzeit an.
## Aggressive Männer auf der Demo gegen patriachale Gewalt
Viele aus der Gruppe wirken wie Bürgerkinder, die persönlich nichts, aber
auch gar nichts mit Palästina verbindet. Umso dringlicher ist ihnen das
Anliegen, den drei Personen zu zeigen, wo der Hammer hängt. Wie ein Hund an
der Leine, der eine Katze entdeckt hat, bellen sie die israelische Flagge
und die drei Menschen an. „Free, free Palestine!“ Einige der Männer treten
so agressiv auf wie sie aussehen: In martialischem Autonomenschick, schwarz
und zerfleddert. Ob sie wissen, dass sich die Demonstration laut Aufruf
[2][gegen patriarchale Gewalt] wendet?
Die Polizei fordert die drei Adressat:innen des Geschreis auf, sich noch
ein paar Meter vom Kundgebungsort zu entfernen. Sie tun es, ein Teil der
Palästinafreund:innen rückt nach. Doch als wäre die Situation nicht
würdelos genug, beginnen zwei Frauen um die drei Personen herum zu tanzen.
Die eine ist rosa verschleiert und trägt Sonnenbrille, die andere einen
wilden Kurzhaarschopf und zerfetzte Kleidung. Erfolglos versucht sie mit
den Tanzschritten der Verschleierten mitzuhalten.
Auf Nachfrage erklärt eine Polizistin, wie die Situation entstanden ist.
„Die Versammlungsleitung hat die Frau mit der Israelflagge gebeten, diese
herunter zu nehmen, das wollte sie nicht, deshalb sind wir eingeschritten.“
Die versammlungsleitende Person möchte sich erst gar nicht zu dem Vorfall
äußern und sagt dann, die Demo sei auf jeden Fall auch ein „safe space für
jüdische Menschen“. Die drei hätten aber sehr agressiv auf die
Aufforderung, die Flaggen einzurollen, reagiert.
Es sei ihnen nicht um die Israelflagge gegangen, sondern um die iranische.
„[3][Monarchisten] wollen wir hier echt nicht haben.“ So ganz kann das
nicht stimmen, denn laut den per Messenger an die Ordner:innen
weitergegebenen Regeln waren Nationalflaggen an sich unerwünscht. Mit
Ausnahme der kurdischen und der palästinensischen Flagge, weil es dort laut
Aufrufschreiben eben „patriarchale Kriegsgewalt“ gebe.
Immerhin blieb es in Bremen bei diesem Scharmützel am Rande der
Demonstration und war nicht deren Kern. Anders war es laut
Zeug:innenberichten bei der von der Linken organisierten Veranstaltung
im benachbarten Oldenburg. „No one is free until we are all free“ lautete
dort das Motto, „Solidarität ist unsere Waffe“ in Bremen.
Gemeinschaft, das wird gerne vergessen, hat immer zur Voraussetzung, dass
Individuen oder Gruppen ausgeschlossen werden. Die Gemeinschaft
entscheidet, wer zu ihr gehört und wer nicht.
10 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eiken Bruhn
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