# taz.de -- Schalke 04 orientiert sich nach oben: Die Schönheit des Hässlichen
       
       > Mit dreckigen Siegen und künstlicher Intelligenz hat der
       > Zweitliga-Spitzenreiter in die Spur gefunden. Sie könnte in die Erste
       > Liga führen.
       
 (IMG) Bild: Trifft so ganz ohne Schalke-DNA: Edin Džeko
       
       Wer aufsteigen will, so geht die alte Weissagung, muss auch die dreckigen
       Spiele gewinnen; braucht ohnehin das notwendige Glück. Das gilt gerade in
       dieser wie ausgependelt wirkenden Zweitligasaison, in der aktuell die
       ersten fünf Mannschaften nur fünf Punkte trennen. Und in der obendrein auch
       Abstiegskandidaten regelmäßig in der Lage sind, den Topmannschaften äußerst
       unangenehme Fragen zu stellen.
       
       Wenn dem so ist, dann hat [1][Schalke] nicht nur wegen seines zarten
       Vorsprungs von zwei Punkten auf den Rest die besten Chancen. In dieser
       Saison haben sie auch das notwendige Glück. Gegen Bielefeld reichte ein
       glücklicher Abstauber Edin Džekos, um den nächsten hässlichen Sieg
       einzufahren; wobei hässlich an dieser Stelle natürlich eine Frage der
       Perspektive ist. Am Bildschirm sieht Schalkes Fußball tatsächlich grausam
       aus, als müsste man 90 Minuten einem Ochsen zusehen, wie er bei nasskaltem
       Nebelwetter einen Pflug durch den Acker treibt. Im Stadion aber ist so viel
       Freude wie lange nicht mehr: Jede Grätsche wird bejubelt, und da es sehr
       viele Grätschen gibt aktuell, strahlt über der Arena wochenends die Sonne
       der Freude.
       
       Schuld daran ist auch Libuda, also „[2][Stats Libuda]“, eine KI, die
       Spieler nach der neu definierten Schalke-DNA sortiert. Ein Scoutingsystem,
       das vor allem auf eher primäre Qualitäten setzt: Sprints, Zweikampfquote,
       abgerissene Kilometer. Dass sie den Bumms nicht Marc Wilmots benannt haben,
       ist eines der großen Rätsel der Ära der Künstlichen Intelligenz.
       
       Eigentlich, so hätte man nach der Winterpause denken können, könnte sich
       das Repertoire von S04 erweitern: neben Edin Dzeko (der nun gar nicht die
       neuen Schalke-Qualitäten mitbringt, aber nach fünf Toren in sieben Spielen
       schon jetzt zweitbester Torschütze im Team ist) kam ja auch zum Februar
       [3][Adil Aouchiche.] Den hatte die KI als „zu gut“ für Schalke aussortiert;
       wobei zu gut meint, dass er auch mal einen sauberen Pass spielt. Und vor
       allem auch saubere Standards schlagen kann. Das hat in der Hinrunde
       gefehlt. Auch das Tor gegen Bielefeld fiel nach einer Aouchiche-Ecke.
       
       Es folgten im Spätwinter dann tatsächlich Spiele, in denen auch
       Unbeteiligte im Geschehen auf dem Rasen „Fußball“ erkennen konnten, unter
       anderem ein fulminantes [4][5:3 gegen Magdeburg]. Seither aber ist der
       neualte Schalke-Fußball zurück: laufen, laufen, laufen durch den Tag durch
       die Nacht durch den Tag laufen, laufen, laufen. Und der Mut ist so müde
       geworden und die Sehnsucht so groß – nämlich bald wieder gegen Dortmund
       spielen zu dürfen. Und denen mit diesem unangenehmen, bärbeißigen Fußball
       gern auch zweimal im Jahr die Tour zu versauen. Das wäre dreckig, aber
       schön. Frédéric Valin
       
       8 Mar 2026
       
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