# taz.de -- Familiendrama: Beckham trennt sich von Beckham
> Doch nicht alles friedlich bei der Star-Familie Großbritanniens? Brooklyn
> Beckham rechnet mit seinen Eltern via Social-Media-Post ab.
(IMG) Bild: Die Beckhams: David, Victoria, Brooklyn und Nicola Peltz
Die Beckhams sind längst das säkulare Pendant zu den Royals auf der
britischen Insel. Ob Klatschblatt oder Social Media, die Beckhams fehlen
selten. Quasi folgerichtig erlebten Fußballstar und Metrosex-Model Sir
David und seine Ehefrau, die Popsängerin und Designerin Victoria, Anfang
der Woche dann auch ihren Prince-Harry-Moment. So wie vor einigen Jahren
der jüngste Sohn von König Charles dem Buckingham Palace den Rücken kehrte,
wendete sich nun der älteste Sohn Brooklyn von seinen Eltern ab. Auf
Instagram machte er mit seiner Familie Schluss.
So wie Prince Harry beließ es aber auch Brooklyn nicht einfach bei der
Ansage: „Tschüssikowski, I do it my way.“ Nein, der Abgang wurde als
erzwungener Schritt eines Opfers inszeniert, das sich nicht mehr anders zu
helfen weiß, als die Eltern öffentlich dafür anzuklagen, dass sie sich mehr
für ihre Marke als für ihre Kinder interessieren.
Die heute Nepo-Babys genannten Kinder prominenter Eltern haben es nicht
leicht. Haben sie nur etwas weniger Talent zu Selbstvermarktung oder
-verwirklichung, gelten sie der Öffentlichkeit schnell als Underperformer.
Doch auch für prominente Eltern sind die weniger talentierten Kinder ein
Problem. Imagepflege war für die Reichen und Mächtigen schon immer
existentiell. Im hypermedialen Zeitalter ist das Kuratieren der eigenen
Performance für Milliarden Menschen daily routine wie das Zähneputzen.
Die Beckhams waren darin Pioniere. Zwar haben sich David und Victoria ihren
Status hart erarbeitet, speisten aber auch den Status ihrer Kinder, vor
allem den ihres ältesten Sohn Brooklyn, von Anfang an in ihre öffentliche
Performance und damit ihr Branding als emanzipierte, autonome,
geschlechtergerechte, gutaussehende, sympathische und liebevolle
Großfamilie ein. Und jetzt hat der Sohn von Social-Media-Pionieren seine
Eltern auf Social Media gekillt.
## Ritterschlag ohne Sohn
Die Hinweise darauf, dass es zwischen den Beckhams und der Geliebten von
Brooklyn schon länger nicht mehr läuft, verdichteten sich vergangenes Jahr:
Brooklyn war weder bei Daddys 50. noch bei seinem königlichen Ritterschlag
zugegen, im Jahresrückblick der Familie fand er dementsprechend keine
Erwähnung.
Nun schuf er Klarheit: Versöhnung mit der Familie sei nicht mehr drin. Er
lieferte eine Anklage, die seitdem für hunderte Memes sorgt: der Vorwurf an
die Mutter, sie habe den Brauttanz gekapert und „unangemessen“ mit dem
Bräutigam, also ihrem Sohn, getanzt.
Was „unangemessen“ meint, darüber wird nun eifrig gewitzelt. Und genau das
ist mutmaßlich die Absicht hinter dieser Formulierung. Diese Memes und den
Hass, den Victoria Beckham nun abkriegt, sind mutmaßlich um ein Vielfaches
verletzender für das ehemalige Spice-Girl als es das Video vom Brauttanz
sein könnte. Ob es überhaupt ein Video gibt, ist umstritten. Und wenn, dann
könne es sich nur in den Händen von Brooklyn und seiner Frau Nicola
befinden.
Man kann die Memes, die sich über Victorias Tanzqualitäten lustig machen,
lustig finden. Aber eigentlich nur dann, wenn man vergessen hat, dass noch
vor einem Jahr eine Tanzszene von Victoria und David selbst zum gefeierten
Meme („Liebs!“, „Schon toll“, „So ein tolles Paar“) wurde. Und nur dann,
wenn man über das Stöckchen springt, was Brooklyn da hingehalten hat. In
Erwartung, dass es ja nur peinlich sein kann, was eine superehrgeizige
Ü-50-Mutter da hinlegen kann.
## Die böse Rabenmutter
Viele im Netz jedenfalls springen über Brooklyns Stöckchen. Für sie steht
endgültig fest: Victoria ist böse Rabenmutter und fiese Schwiegermutter,
die keine andere Frau, schon gar keine Jüngere neben sich duldet. Der
Beweis? 15 Sekunden Videoschnipsel vom Fotoshooting bei der Premiere der
Netflix-Doku „Victoria Beckham“, in denen die Beckham ihre Schwiegertochter
Nicola Peltz leicht wegdrängt, um sich selbst in den Vordergrund zu rücken.
Nun, vielleicht geht es eleganter. Aber wieso sollte die Hauptfigur eines
Films einer Schauspielerin Platz machen, die vor allem dafür bekannt ist,
zweimal für die goldene Himbeere der schlechtesten Nebendarstellerin
nominiert worden zu sein und die Tochter eines US-amerikanischen
Milliardärs ist, der damit prahlt, Elon Musk und Donald Trump verkuppelt zu
haben?
In der „Doku“, in der Victoria auch selbst als Produzentin mitgewirkt hat,
inszeniert sie sich als liebende Ehefrau und Mutter, aber auch als Frau,
die nichts mit Geschirr, Marmelade einkochen, Tomaten pflanzen oder Brot
backen zu tun haben will. Die Botschaft: Wir sind ein modernes Ehepaar, in
dem Daddy die Hausarbeit macht.
Nicht ausgeschlossen, dass der ehrgeizigen Victoria ihre emanzipierte
Geschichte jetzt vor die Füße fällt. Vielleicht auch, weil derzeit eher
Tradwives als Spice Girls im Trend liegen. Auf Social Media jedenfalls
tobt, gerade auch von Frauen angefacht, die Wut auf die Rabenmutter, die
ihren Sohn in die Verzweiflung getrieben hat.
## Fast so gut wie Dallas
Inwiefern Brooklyn von seinen Eltern eingeengt, benutzt und kontrolliert
wurde, werden wir wahrscheinlich nie erfahren. Die ganze Sache hat jedoch
das Zeug zu einer Neuauflage von Dallas. Dieses Mal spielten die schönen
Töchter und Söhne der Reichen nicht in den Kulissen von Ölfeldern und
Banken. Sondern in denen von Social-Media, Start-ups und Techmilliarden.
Denn genauso wie Brooklyn Opfer seiner ehrgeizigen Mutter geworden sein
könnte, könnte er auch Opfer seiner Schwiegereltern samt Tochter geworden
sein.
Die Eltern von Nicola Peltz gehören zu den reichsten Familien der USA, Elon
Musk war auf der Premiere von Nicolas Regiedebüt „Lola“, von dem trotz
dieses prominenten Besuchs der Rest der Welt keine Notiz nahm. Nicola Peltz
hat sich den Namen Beckham sicher nicht nur aus reiner Liebe zugelegt.
Aufmerksamkeit ist einem damit auf jeden Fall sicher. In „Lola“ spielt sie
die Hauptrolle selbst. Der Plot: Lola muss ganz viel Geld organisieren, um
ihren kleinen Bruder von seiner toxischen Familie zu befreien.
Brooklyn Beckham könnte am Ende zwar wirklich als Volltrottel dastehen.
Aber auch die Beckhams und ihr über Jahrzehnte aufgebautes, sorgsam
gepflegtes Image dürfte beschädigt sein. Die Reaktion von David Beckham,
der sich am Dienstag ausgerechnet auf dem Wirtschaftsgipfel in Davos
befand, ist so kryptisch wie eindeutig: „Sie machen Fehler“, sagte Beckham.
„Aber Kinder dürfen Fehler machen. So lernen sie.“
Fehler machen immer die anderen, soso. Dieser Satz dürfte für eine Soap
reichen, aber der coole Boomer-Move eines Metrosex-Mannes, der das Internet
verstanden hat, sieht wohl anders aus.
21 Jan 2026
## AUTOREN
(DIR) Doris Akrap
## TAGS
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