# taz.de -- Nachruf auf Yanar Mohammed: Feministische Ikone im Irak ermordet
       
       > Sie kämpfte für die Rechte irakischer Frauen, queerer und benachteiligter
       > Personen. Jetzt wurde Yanar Mohammed am helllichten Tag in Bagdad
       > erschossen.
       
 (IMG) Bild: Yanar Mohammed spricht am 13. Oktober 2015 im UN-Hauptquartier in New York zum Thema Frauen, Frieden und Sicherheit
       
       „Ich bin so stolz, ‚nur‘ eine Feministin zu sein“, sagte Yanar Mohammed im
       Dokumentarfilm „I am the Revolution“. „Denn welche Revolution könnten sie
       machen, die stärker ist als die Revolution der Frauen?“ Am Montag wurde die
       irakische Feministin vor ihrer Wohnung in Bagdad erschossen.
       
       Zwei Bewaffnete auf Motorrädern hätten gegen 9 Uhr auf sie geschossen,
       teilte ihre Organisation für Frauen im Irak mit. Sie starb im Krankenhaus.
       Wer sie getötet hat, ist unklar. Bislang hat sich keine Gruppe zur Tat
       bekannt, irakische Behörden äußerten sich nicht.
       
       Yanar Mohammed wurde 1960 in Bagdad geboren, studierte bis 1984 an der
       Universität Bagdad und erwarb 1993 einen Master in Architektur. Im selben
       Jahr verließ sie mit ihrem Mann und dem kleinen Sohn den Irak. Sie zogen
       nach Kanada.
       
       Ab 1998 gründete sie in Kanada die Organisation Verteidigung der Rechte
       irakischer Frauen (DIWR), die sie 1998, 1999 und 2002 leitete. Die
       Organisation eröffnete ein Frauenhaus im Irak, das nach ihren Angaben
       Hunderte Frauen vor „Ehrenmorden“ bewahrte. Nach der US-Invasion und dem
       Sturz Saddam Husseins kehrte Mohammed zurück. Im Juni 2004 benannte sich
       ihre Gruppe in Organisation für die Freiheit der Frauen im Irak ([1][OWFI])
       um und arbeitete vor Ort. Sie stellte sich gegen die US-britische Besatzung
       ebenso wie gegen sektiererisch-islamistische Gruppen und trat für säkulare
       Demokratie ein.
       
       ## Eine der 100 einflussreichsten Frauen der Welt
       
       Die 2003 gebildete Regierung sah Mohammed kritisch, da sie „auf Spaltung
       entlang konfessioneller, ethnischer und geschlechtsspezifischer Linien“
       beruhe. Bei einer [2][Rede] vor dem UN-Sicherheitsrat im Jahr 2025 warnte
       sie davor, Extremisten die Macht zu überlassen. Die Unterstützung von
       Frauen sei Extremismusprävention.
       
       Ihre Organisation unterstützte Frauen mit Behinderungen, afro-irakische,
       turkmenische oder jesidische Familien. Mohammed solidarisierte sich mit
       queeren Menschen und engagierte sie sich in der linken Szene, war bis zu
       ihrem Tod Mitglied des Zentralkomitees der [3][Kommunistischen
       Alternative.]
       
       „Im Irak sehe ich mich als wichtige Stimme für die Rechte irakischer
       Frauen“, sagte Mohammed. Dafür nahm die BBC sie 2018 in die Liste der 100
       einflussreichsten Frauen der Welt auf.
       
       Immer wieder bekam sie Morddrohungen. 2004 erhielt sie zwei ausdrückliche
       Drohungen der islamistischen Gruppe Dschaisch al-Sahaba im Zusammenhang mit
       ihrer Gleichstellungsarbeit.
       
       ## Erst Verleumdung, dann Mord
       
       Die irakische Regierung versuchte mehrfach, ihre Organisation zu schließen.
       Im Irak arbeitete sie als Chefredakteurin der Zeitung Al-Mousawat
       (Gleichheit). Nach drei Ausgaben [4][habe sie] eine Vorladung erhalten,
       weil sie die Verschleierungspflicht für Frauen in Bagdad abgelehnt hatte.
       Einmal musste sie das Land verlassen, nachdem ein Haftbefehl wegen
       angeblichen Menschenhandels erlassen worden war – eine Anschuldigung, die
       sie zurückwies.
       
       2022 sagte sie: „Die Regierung beginnt mit Verleumdungskampagnen, dann
       folgen Gerichtsverfahren, und wenn das nicht funktioniert, entführen und
       töten sie sie.“ Die Menschenrechtsforscherin [5][Raz Salayi schrieb], die
       fehlende Strafverfolgung früherer Attentate habe dies begünstigt.
       
       Korruption im Irak ermöglicht Milizen politische Morde. [6][Berichten
       zufolge] war die Feministin wenige Tage vor ihrer Ermordung aus Kanada
       zurückgekehrt. Daher wird spekuliert, ob sie überwacht wurde und das
       Attentat gezielt war.
       
       Die Regisseurin von „I am the Revolution“ schrieb: „Sie haben die Frau
       getötet, aber nicht die Bewegung. Die Revolution lebt in jeder Frau weiter,
       die du gerettet hast.“
       
       4 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.owfiraq.org/
 (DIR) [2] https://www.womenpeacesecurity.org/resource/statement-unsc-wps-open-debate-october-2015/
 (DIR) [3] https://www.facebook.com/groups/961536200633379/posts/25903543436005977/
 (DIR) [4] https://www.opendemocracy.net/en/yanar_mohammed/
 (DIR) [5] https://x.com/razsalayi/status/2028449093010248045
 (DIR) [6] https://www.newarab.com/news/iraq-womens-rights-activist-yanar-mohammed-killed-gunmen
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Neumann
       
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