# taz.de -- Album „The Mountain“ von Gorillaz: Wiedergeburt mit gefälschtem Pass
> Das britische Kunstpop-Projekt Gorillaz ist für sein neues Album „The
> Mountain“ nach Indien gereist, um Trauer zu bewältigen. Ist die Musik nur
> gut fürs Karma?
(IMG) Bild: Ein Filmstill aus dem Animé „The Mountain“ von Jamie Hewlett, in dem die Gorillaz nach Indien reisen
Tod und Sterben cool machen. Trauer ist cool? Richtig gelesen, das ist die
Idee hinter dem neuen Album „The Mountain“ der britischen
Graphic-Novel-Popband Gorillaz. Wobei „cool machen“ salopp bedeutet,
europäische Trauerrituale zu hinterfragen und hinduistische Zeremonien als
trostspendende Alternative in Erwägung zu ziehen.
Musikalisches Vagabundentum haben [1][Damon Albarn] und seinen
Gorillaz-Mitstreiter, [2][den Illustrator Jamie Hewlett], zur Erbauung für
längere Zeit nach Indien geführt und dort vor allem in die Region Jaipur
pilgern lassen – auf der Suche nach Antworten zu existenziellen Fragen wie
den Sinn des Daseins und den Umgang mit der eigenen Sterblichkeit. Der
Verlust ihrer eigenen Eltern belastete die beiden Künstlerkollegen zuvor
immens.
Also fanden die Gorillaz Trost bei den farbenfrohen und lebendigen
Trauerritualen, auf die sie in Indien stießen. Es geht auf „The Mountain“
also um Tod und Wiedergeburt, die ganz großen Themen und dieser musikalisch
exzellent vertonten Universalität hört man gern zu. Indien als
Sehnsuchtsort ist seit den Ausschweifungen und Meditationsreisen der
Hippies ab Ende der 1960er hinlänglich bekannt. Aber dieses Album fügt der
Suche nach Spiritualität eine interessante neue Facette hinzu.
## Aufnahmen vor Ort
Ein Teil der Musik wurde auch vor Ort aufgenommen und dementsprechend
vielfältig und weltumarmend klingen die 14 Songs. [3][Die fiktive
Geschichte der von Jamie Hewlett gezeichneten Cartoon-Band daz]u: „The
Mountain“ erzählt, was passiert, als die animierte Band bestehend aus
Murdoc Niccals, Russel Hobbs, 2D und Noodle mithilfe von vier gefälschten
Pässen nach Mumbai umzieht.
Good Vibrations hört man dem Intro von „The Mountain“ immer an. Kein
Verzagen angesichts der Trauerarbeit hört man aus vielen Songs zwischen
Rap, Pop und Dancefloor, sondern Aufbruch und aufrichtige Fröhlichkeit.
Signifikant dabei natürlich immer Albarns stark verfremdete Stimme, über
die lustigerweise geschrieben wurde, sie klänge wie „ein Notruf aus den
Trümmern eines Barackenviertels“.
Globalpop-Einflüsse mischt die Musik auf „The Mountain“ raffiniert mit
straightem melodischen Pop, also zumindest was Albarn seit Blur-Tagen
darunter versteht und so unterscheidet sich der Sound frappierend von
traditioneller indischer Musik. Für das Album hat die Band sogar das Label
Kong gegründet.
Die eingängige Single-Ausskoppelung „The Happy Dictator“ [4][mit Ron und
Russell Mael von den Sparks] ist zwar nicht mehr so prägnant wie frühere
Singles wie „Feel Good Inc“ und „Melancholy Hill“, aber dennoch mit hohem
Wiederkennungsfaktor. Wie stets darf man sich nicht vom
Gorillaz-Wohlfülsound blenden lassen, denn die hintersinnigen und
gesellschaftskritischen Kommentare der Texte bleiben scharf: „In a world of
fiction/I am a velvet glove (oh, what a happy land we live in)/I am your
soul, your resurrection, I am the love/ So look out to the west now/See
where the devil lies/ Its pharmakon is with you and your empire it is
paralysed/I'll propagate eternity and seal it with my kiss.“
Klugerweise hat [5][Albarn] sein Song-Archiv durchforstet, um ungenutzte
Gesangsschnipsel von inzwischen verstorbenen Gastsängern der Gorillaz
herauszusuchen. Bobby Womacks Soulstimme wird etwa für „The Moon Cave“
reanimiert. [6][Albarn] promotet wie so oft in seiner musikalischen Arbeit
(Africa Express) kaum bekannte Musiker wie etwa das Sarod-spielende
Brüderpaar Amaan Ali Bangash und Ayaan Ali Bangash, Sitar-Virtuosin
Anoushka Shankar, Bansuri-Flötist Ajay Prasanna und Tabla-Spieler Viraj
Acharya. Alles klassische Hindustani-Musiker. Auch der syrischen Sänger
Omar Souleyman steuert auf mehreren Songs Gesang bei und so amalgamieren
sich für „The Mountain“ auf interessante Weise westliche, arabische und
indische Musikstile.
Der Umgang ist dabei nie patronisierend, er macht neugierig und ist offen
gestaltet. „The Mountain“ ist ein großartiges Album geworden, das zwar
nicht an die Magie des Gorillaz-Albums „Plastic Beach“ heranreicht, für das
Albarn Bandmitglieder von The Clash wieder zusammenbrachte, aber fast. Und
wenn uns nur ein Gruß aus dem Jenseits von The-Fall-Sänger Mark E. Smith im
elektrisierenden „Delirium“ erreicht.
5 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Annette Walter
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