# taz.de -- Die Wahrheit: Alkohol als Köder
> Irlands Tourismusbranche schwächelt trotz hochprozentiger Lockrufe, jetzt
> werden schon Polizisten in Fremdenverkehrseinrichtungen einquartiert.
Jedes Schulkind hat gelernt, dass sich das Klima Irlands mit drei Worten
zusammenfassen lässt: mild, feucht, wechselhaft. Heutzutage, so weiß die
Irish Times, würde ein einziges Wort ausreichen: Herbst. Die Grenzen
zwischen den Jahreszeiten verschwimmen, in jeder Jahreszeit können neue
Rekorde aufgestellt werden. Die nasseste. Die trockenste. Die heißeste. Die
windigste.
Mit dem Wetter kann Fáilte Ireland, die staatliche Tourismusbehörde, also
niemanden nach Irland locken. Es regnet seit 69 Tagen. Wie kann man
zahlungskräftigen Touristen trotzdem einen Urlaub auf der nassen Insel
schmackhaft machen? Man muss sich auf seine Stärken besinnen und die
Vertreter der ausländischen Tourismusbranche mit Alkohol willig machen.
Gesagt, getan: Für eine Marketingkampagne zum Ködern internationaler
Besucher hat Fáilte Ireland im vergangenen April 644.401 Euro ausgegeben,
davon 60.000 Euro für Alkohol. Die Rechnung fiel bei der
Meitheal-Veranstaltung in Killarney im Südwesten der Insel an. „Meitheal“
ist das irische Wort für Arbeitsgruppe. An dieser „Arbeitsgruppe“ nahmen
389 irische Tourismusdienstleister und 255 internationale Einkäufer teil.
Das heißt, jeder Gast vertilgte Speisen und Getränke im Wert von rund 1.000
Euro. Und ich war nicht eingeladen.
„Ich akzeptiere voll und ganz, dass Ausgaben erforderlich sind, um die
Förderung und Entwicklung unserer Tourismusangebote voranzutreiben“, sagte
Aidan Farrelly, Mitglied der Aufsichtsbehörde für öffentliche Ausgaben. Man
macht sich Sorgen, denn die Besucherzahlen aus dem Ausland sind 2025 um
drei Prozent gesunken, die Ausgaben der Touristen sogar um neun Prozent.
Aber wozu gibt es den Freund und Helfer? Die Garda Síochána, die
Friedenswacht, wie die Polizei offiziell heißt, ist bereits im Mai 2024
eingesprungen, um den Hoteliers unter die Arme zu greifen. Damals richtete
Dublin das Finale der UEFA Europa League zwischen Atalanta Bergamo und
Bayer Leverkusen aus. Aus Sicherheitsgründen wurden Polizisten aus anderen
Landesteilen nach Dublin beordert. Die mussten irgendwo untergebracht
werden.
Die Rechnung für drei Hotel-Übernachtungen belief sich auf 590.000 Euro.
Eine Viertelmillion davon wurde für Unterkünfte ausgegeben, die nie genutzt
wurden. Außerdem hatten dreizehn Polizisten zwei Zimmer im selben Hotel und
elf Polizisten zwei Hotelzimmer in zwei verschiedenen Hotels zugewiesen
bekommen.
Jetzt ergibt sich für die Polizei überraschend die Gelegenheit, die
damalige großzügige Unterstützung der Hotels noch deutlich zu steigern.
Irland ist nämlich bei der UEFA Nations League Israel zugelost worden. Das
Match soll am 4. Oktober in Dublin stattfinden. In Anbetracht der zu
erwartenden Opposition gegen das Spiel ist es diesmal nicht mit ein paar
Polizisten aus anderen Landesteilen getan. Die Garda Síochána wird jedes
einzelne Hotelzimmer in der Hauptstadt benötigen.
2 Mar 2026
## AUTOREN
(DIR) Ralf Sotscheck
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