# taz.de -- Neue „Ostdeutsche Allgemeine Zeitung“: Altbekannte Meckerei
> Die „Ostdeutsche Allgemeine Zeitung“ pendelt zwischen Ostalgie,
> Sowjetromantik und AfD. Einen neuen Blick auf Ostdeutschland sucht man
> vergeblich.
(IMG) Bild: Ist Deutschland wirklich verstummt? Durchaus hörbare Demonstrierende bei einer islamfeindlichen Pegida-Veranstaltung 2015 in Dresden
Mit dem neuen Medium Ostdeutsche Allgemeine Zeitung will [1][Verleger
Holger Friedrich] das ostdeutsche Bewusstsein stärken und zum Dialog
einladen. Doch heraus kommt eine Ausgabe voller [2][Ostalgie und
reaktionärem Ungeist.] Durch alle 56 Seiten zieht sich die Anbiederung an
die Transformierung und Perpetuierung alter DDR-Muster.
Parlamentskorrespondent Florian Warweg entlarvt etwa die
Bundespressekonferenz als Ort der Machtausübung der Herrschenden. Auf den
„Lügenpressen“-Sound setzt Thomas Fasbender mit dem eigentlichen
ideologischen Leitartikel „Warum Deutschland verstummt“ noch eins drauf.
Wie man das macht, hat er in seinen Moskauer Jahren beim russischen
Propagandasender „Russia today“ gelernt. Er beschreibt die „Frontlage im
Kulturkampf“ und ein angeblich wieder aufkommendes „Wir“-Gefühl gegen die
Diktatur der woken Gesinnungsgemeinschaften. Hübsch rassistisch führt er
solche angeblich wiedererstehenden Volksgemeinschaftsgefühle auf den alten
Grundsatz „Blut ist dicker als Wasser“ zurück.
„Debatte“ nennt sich irreführend die Seite, auf der Verleger Holger
Friedrich vom ostdeutschen Verlag und seine Frau Silke ins gleiche Horn des
guten alten Fanfarenzuges stoßen. Westmedien wie die taz gelten ihm als
Spalter, die den Osten stigmatisieren und „medialen Unfug“ verbreiten.
Peinlich geradezu die Seite „Warum ich kein Wessi mehr sein will“ von
Christian Baron. Er schwärmt von den tatsächlichen sozialen
Errungenschaften der DDR und ihrem Bildungssystem, erklärt aber nicht
ansatzweise, warum der übergroße Teil ihrer Bürger sich 1990 möglichst
rasch dem westdeutschen Radikalkapitalismus anschließen wollte.
## Das ewige Beleidigtsein
Die OAZ zeigt: Man ist grundsätzlich gegen den Staat und „die da oben“,
doch selbst einen Wandel anstoßen, wäre zu viel verlangt. In der Zeitung
findet man keine Spur von Aufforderung zu demokratischer Mitwirkung an
einer Korrektur des Ist-Zustandes.
Es ist ein Blatt, das vom ewigen Beleidigtsein der Straße eingenommen wird.
Im Zentrum des Blattes blickt die OAZ aber hellsichtig in die Zukunft.
Sachsens stets kompatibler Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU)
bekommt ein doppelseitiges Interview ohne neue Aussagen. Gefolgt von einem
rührseligen Porträt des lieben und netten Tino Chrupalla von der AfD. Aha,
die Vorwegnahme der sich anbahnenden und in den Kommunen längst vollzogenen
Wiedervereinigung von Mutter- und Tochterpartei?
Fast schon ironisch ist, dass es überwiegend Bio-Wessis sind, die in der
Ausgabe schreiben. Diese versuchen vermeintlich empathiegeladen den
diskriminierten Ossis die Erkenntnis der Gnade ihrer richtigen Geburt und
folglich ihres angelegten Übermenschentums zu erklären.
Das missglückte Projekt zeigt, dass es bessere Berichterstattung aus dem
Osten braucht. Eine „Ostdeutsche Konkrete“ verspräche mehr Erfolg, denn mit
der Wirklichkeit im Berichtsgebiet hat diese erste OAZ nur partiell etwas
zu tun. Ein abgekochter Millionär wie Holger Friedrich, der sich seit 2019
mit Mediengeschäften versucht, sollte inzwischen wissen, dass sein
Verfolgungswahn kein guter Pate für eine Zeitungsgründung ist. Friedrich
ist als Großkapitalist im Geiste US-amerikanischer Tech-Milliardäre
eigentlich nicht gerade der Idealtyp, den Ossis mögen.
## Nicht ohne Zumutung
Und doch kann die OAZ mit einer Leserschicht gewiss rechnen. Bei vielen
Ü-60ern zuckt das alte Mitgliedsbuch der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft
nach wie vor unruhig im heimischen Traditionskabinett. Offener Diskurs sei
ohne Zumutung nicht möglich, heißt es auf der Grundsatzseite. Die Zumutung
ist schon mal gelungen. Um es mit dem „Tasso“ des gesamtdeutschen (oder
doch hessischen?) Altmeisters Goethe zu sagen: „So fühlt man Absicht und
man ist verstimmt!“
23 Feb 2026
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