# taz.de -- Neuer „Polizeiruf“ aus München: Eine Frage der Banküberweisung
       
       > Falsche Fährten werden hier gelegt, aber wir wissen Bescheid und lassen
       > uns nicht auf dem falschen Fuß erwischen. Dann kommt Tobias Moretti.
       
 (IMG) Bild: Kommissarin Cris Blohm (Johanna Wokalek) versucht, Rechtsanwalt August Schellenberg (Tobias Moretti) aus der Reserve zu locken
       
       Wu Tang Clan sagten es ja schon Anfang der Neunziger: „Cash Rules
       Everything Around Me, C. R. E. A. M., get the money“ – selbst wenn man
       dafür vielleicht auch mal was einstecken muss. Wie die
       Protagonist:innen des sonntäglichen [1][Polizeirufs aus München] zum
       Beispiel, so viel sei schon mal verraten.
       
       Wobei: Der Titel allein, „Ablass“, macht ja schon klar, wohin die
       Marschrichtung der heutigen Fälle geht. Tue Schlechtes, Geld wird’s danach
       regeln. Aber bis wir dahin kommen, sind wir erst einmal nicht mit einem,
       nein, wir sind gleich mit zwei Fällen konfrontiert, die auf den ersten
       Blick nichts miteinander zu tun zu haben scheinen.
       
       Eingefleischte Fans des Genres aber wissen gleich, hah, hier wartet eine
       falsche Fährte auf uns: Die separat wirkenden Erzählstränge werden noch
       ineinander verflochten, so viel ist klar.
       
       Kommissar Dennis Eden (herrlich bajuwarisch: Stephan Zinner) scheint in
       seiner Freizeit allerdings nicht so gerne Krimis zu konsumieren, sonst
       würde er nicht den halben Film damit verbringen, seine Kollegin Cris Blohm
       ([2][weltgewandt: Johanna Wokalek]) davon abbringen zu wollen, vermeintlich
       klaren, längst aufgeklärten und vor allem völlig unzusammenhängenden Fällen
       auf den Grund gehen zu wollen. Warum auch ermitteln, wenn man stattdessen
       auch noch ein Feierabendbier trinken kann? Ein Prosit der Gemütlichkeit!
       
       ## Die Welt ist schlecht
       
       Wokaleks Cris Blohm allerdings kann nicht loslassen, ihr Bauchgefühl bringt
       sie dazu, die Regeln der Polizeiarbeit zu ignorieren (what else is new im
       deutschen Krimi) und sich selbst, scheinbar, in körperliche Gefahr zu
       begeben. Aber ihr Bauchgefühl soll ihr schließlich recht geben: Die Welt
       ist schlecht. Ihre Hoffnung, dass in dieser schlechten Welt aber anständige
       Menschen auch Anständiges tun, die wird enttäuscht.
       
       Und hier zeigt sich der Polizeiruf vielleicht realistischer als viele
       andere Krimis seiner Art. Natürlich ist Recht käuflich, und natürlich gibt
       es auch keine Gerechtigkeit auf der Welt, wie ein Protagonist (toll: Yoli
       Fuller) irgendwann Kommissarin Blohm erklärt.
       
       Wenn die Welt gerecht wäre, warum sei seine Familie in Burkina Faso dann in
       Armut gefangen? Auf diese großen Fragen der Welt hat die Kommissarin keine
       Antwort mehr.
       
       [3][Tobias Moretti]s wunderbar zwielichtiger Anwalt August Schellenberg
       aber schon: Am Ende geht’s immer nur um einen Deal, ganz im Sinne des
       globalen Zeitgeists. Und wenn der am Ende für beide Seiten funktioniert
       (oder zu funktionieren scheint), was spricht dann noch gegen Ablasshandel?
       
       Für die Generation Kommissar Rex, also die Generation dieser Autorin, ist
       es natürlich herzzerreißend, Moretti in einer moralisch nicht zweifellos
       integren Rolle zu sehen. Immerhin lohnen sich seine Auftritte in dieser
       inhaltlich wie auch farblich düsteren Erzählung von Christian Bach, mit dem
       Moretti auch schon in der Vergangenheit zusammengearbeitet hat.
       
       „Ablass“ wirft interessante moralische Fragen nach Recht und Gerechtigkeit,
       ihrer Käuflich- und Unkäuflichkeit, nach Verbrechen, Strafe, Schuld und
       Sühne auf. Zwischen mehreren Erzählsträngen und dementsprechend auch viel
       Personal bleibt zwar leider nur wenig Raum, diese Fragen in jedem Detail
       auszuleuchten. Aber vielleicht reicht ja auch die Andeutung, dass der
       Umgang mit Schuld nicht nur im Gerichtssaal entschieden wird. Sondern auch
       in der Psyche der Täter:innen – und ihren Banküberweisungen.
       
       Dollar, Dollar Bills, y’all!
       
       15 Mar 2026
       
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