# taz.de -- Polizeiruf 110: Mit diesem Ende rechnen die Kommissare nicht
> Es ist der dritte und letzte „Polizeiruf 110“ in Halle an der Saale. Ein
> Abschied, inklusive Tränen vor dem Kamin und einer toten Oma.
(IMG) Bild: Die Ermittler Koitzsch und Lehmann: Ein letztes Mal im Einsatz
Ein „Polizeiruf“ geht zu Ende, eine neue Kolumnistin fängt an: Irgendetwas
Hochsymbolisches verbirgt sich sicherlich in dieser Parallele. Was für mich
nun ein Grund zu feiern ist, war für die Schauspieler Peter Kurth (68) und
Peter Schneider (51) die dritte und damit auch schon wieder letzte Folge
ihrer 2021 gestarteten Reihe um das Ermittlerduo Henry Koitzsch und Michael
Lehmann aus Halle.
In einem Interview mit der Fernsehzeitschrift Hörzu (ja, es gibt sie noch)
zeigen sich die beiden Schauspieler reichlich bedröppelt vom Ende „ihres“
Polizeirufs.
Sie hätten vergangenes Jahr davon aus Medienberichten erfahren, also
genauer gesagt, dass nur drei Folgen von vornherein angelegt gewesen seien.
Warum es nicht weiterginge, verstünden sie selbst nicht so genau, die
Kommunikation sei nicht so gut gewesen, erzählen die Schauspieler, und
eigentlich würden sie sich daran erinnern, dass man nach ein paar Folgen
über die Zukunft sprechen wollte.
Die Wege der ARD, sie bleiben unergründlich. Klar ist nur: Der Hallenser
„Polizeiruf“-Ableger, mit Fanfaren zum 50-jährigen Jubiläum der Serie
gestartet, findet ein Ende. Trotz des offensichtlichen Spaßes der beiden
Hauptdarsteller an der Saale, wohl stabilen Einschaltquoten und drei
aufeinander abgestimmten Drehbüchern vom preisgekrönten Leipziger
Schriftsteller Clemens „Ihr verdammten Wichser!“ Meyer. Doch was passiert
im letzten „Polizeiruf“ mit Koitzsch und Lehmann?
## Die Handlung ist nur Nebensache
Eine alte Dame stirbt in ihrer Badewanne. Der Tod stellt sich als Mord
heraus – und der Fall führt die beiden Kommissare zurück in die
Vergangenheit, zu ihren eigenen ungeklärten Fällen (wie etwa aus der ersten
Folge der Reihe), in die DDR und die Nachwendejahre. Aber das ist nur
Oberfläche, denn auf der Metaebene beschäftigt sich die Folge „Der Wanderer
zieht von dannen“ mit Einsamkeit. Ein lobenswertes Unterfangen, ist
Einsamkeit doch eine der drängendsten sozialen Herausforderungen der
Gegenwart.
Lange verkündeten Studien, dass im Osten die Bevölkerung einsamer sei als
im Westen, die Einsamkeit sogar ein Treiber der Hinwendung zur AfD wäre. So
politisch aufgeladen wird’s bei unseren Protagonist:innen hier nicht,
aber mutterseelenallein sind oder fühlen sich trotzdem alle: die Opfer der
mysteriösen Mordserie, die Nebencharaktere, die Kommissare sowieso. Und
natürlich, so viel sei verraten, auch die potenziellen Täter.
Doch zieht die Handlung, wie der titelgebende Wanderer, am Publikum vorbei.
Das liegt an den Rückgriffen auf die ersten zwei Ausgaben der Reihe, aber
vor allem auch an den halbmotivierten Nebenschauplätzen und Nebelkerzen.
Am Schluss hätte man auch gut auf die falschen Fährten und vor allem die
fast schon offensiv karikaturhaften Frauenfiguren verzichten können. Wenn
schon Mackerzirkus, dann bitte ehrlich. Denn in genau solchen Momenten ist
der Film am stärksten, wenn Regisseur Thomas Stuber und Autor Meyer nicht
so tun müssen, als würden weibliche Protagonist:innen sie jenseits von
Klischees interessieren. (was von einer anderen Figur als bemitleidenswert
dargestellt wird, für mich allerdings nach einem ziemlich guten Abend
klingt).
Allein wegen der Spielfreude der beiden Hauptdarsteller ist’s schon schade
um dieses Ermittlerteam. Aber wo eine Tür zugeht, geht eine andere auf.
Leider nicht für den „Polizeiruf“ in Halle, aber immerhin für diese
Kolumnistin.
15 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Aida Baghernejad
## TAGS
(DIR) Krimi
(DIR) Polizeiruf 110
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