# taz.de -- Familienplanung: Wie Scheidungen den Kinderwunsch beeinflussen
       
       > Warum bekommen Menschen Kinder und warum nicht. Eine neue Studie
       > untersucht, welchen Einfluss der Beziehungsstatus der Eltern hat.
       
 (IMG) Bild: Hallo, hier bin ich!
       
       Das [1][Kinderkriegen] steckt in einer globalen Krise. In Südkorea etwa
       versucht deshalb der Staat nachzuhelfen und ruft 2024 den „Babytrain“ ins
       Leben. Der soll die Reisezeit zwischen den Gewerbegebieten Seouls und den
       Vorstädten reduzieren. In der Vorstellung verbringen junge Menschen so mehr
       Zeit mit ihren Liebsten und bekommen mehr Kinder.
       
       Wenn Staaten lenken wollen, wer wie viele Kinder bekommt, ist das
       schwierig. Aber sie müssen dennoch die besten Grundlagen dafür schaffen.
       Vor allem wegen hoher Lebenshaltungskosten, teurer Mieten sowie Angst vor
       Krisen verschieben Paare ihre Kinderwünsche. Zumal stehen Frauen häufig vor
       beruflichen und finanziellen Einbußen. Andere wollen einfach ein [2][ganz
       anderes Lebensmodell]. Aber spielt auch das eigene Aufwachsen eine Rolle?
       Das hat nun eine Studie aus den Niederlanden untersucht.
       
       ## Die Studie
       
       Tatsächlich bekommen Scheidungskinder im späteren Leben etwas weniger
       Nachkommen, als wenn die Eltern verheiratet geblieben wären, dafür werden
       sie im Schnitt früher Eltern. Das zeigt eine Studie im Fachjournal
       [3][Demography], die das Leben von 1,75 Millionen Menschen der
       1970er-Jahrgänge untersucht hat. Der Blick auf die Geschlechter offenbarte:
       Nicht nur blieben männliche Scheidungskinder fast dreimal so oft kinderlos
       wie weibliche, sie bekamen durchschnittlich auch weniger Kinder. In Zahlen
       waren die Männer zu 6,1 Prozent häufiger kinderlos und bekamen insgesamt 13
       Prozent (Frauen: 5 Prozent) weniger Kinder im Vergleich zu denen mit
       verheirateten Eltern.
       
       Insgesamt war die Kinderzahl in den späten 1970er-Jahrgängen höher als in
       den frühen. Das könne an einer wachsenden gesellschaftlichen Akzeptanz für
       Trennungen liegen und daran, dass Väter häufiger im Leben der Kinder
       blieben, sagt der Forschungsdirektor am Bundesinstitut für
       Bevölkerungsforschung Martin Bujard dem Spiegel. Bei der Übertragbarkeit
       des Ergebnisses auf Deutschland ist Vorsicht geboten.
       
       Die Studie füge eine wichtige Dimension zur Fertilitätsforschung hinzu, so
       die Soziologin Heike Trappe. Dennoch könne sie keine kausalen Zusammenhänge
       aufstellen, auch vermittelte Werte und Einstellungen der Herkunftsfamilie
       könnten treibende Gründe sein. Zumal Scheidungen sehr unterschiedlich
       verlaufen können – destruktiv oder mit guter Kommunikation, weshalb diese
       einzeln betrachtet werden müssten.
       
       ## Was bringt’s?
       
       Nicht nur der Status „verheiratet“ zählt, sondern auch, wie gesund die
       Beziehung der Eltern ist. Egal welche Form die Partnerschaft auch annehmen
       soll, an den Bausteinen für eine gesunde Beziehung, etwa Kommunikation und
       konstruktive Konfliktfähigkeit, wird so schnell nichts rütteln. Die Studie
       zeigt auch: Im Gesamtbild fallen die wirtschaftlichen Unsicherheiten und
       die erschwerte Vereinbarkeit des Kinderkriegens mit anderen Lebensbereichen
       weiterhin stärker ins Gewicht. Dort kann Sozialpolitik ansetzen.
       
       14 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Geburtenrate-sinkt-fast-ueberall/!5998056
 (DIR) [2] /Geplante-Kinderlosigkeit/!5819294
 (DIR) [3] https://doi.org/10.1215/00703370-12487209
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Luis Bretthauer
       
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