# taz.de -- Neue Ausstellung auf der Burg Beeskow: Dem Land lauschen
> Wie klingt ein Landkreis? Das Museum Oder-Spree hat Kirchenglocken und
> Landstraßen akustisch kartiert. Vor allem der Wald ist ein Ort der
> Polyphonie.
(IMG) Bild: Waldbaden mit Eileen Froelich in Bad Saarow
„Aber bitte nicht anfassen“, lacht Kristina Geisler. Die „Jagdklapper“, die
die Leiterin des [1][Museums Oder-Spree] in ihren historischen Beständen
gefunden hat, ist Marke Eigenbau – und schon etwas klapprig. Aber Lärm
würde sie immer noch machen. Ähnlich wie die Ratschen, mit denen
Fußballfans manchmal ihre Mannschaft anfeuern.
Die Jagdklapper, die Geisler ausgestellt hat, stammt aus dem 19.
Jahrhundert und lärmte einst im Wald. Um das Wild aufzuscheuchen und vor
die Flinten der Jäger zu treiben, gehörten die Holzklappern zur Ausrüstung
von Treibern. Ein Waldgeräusch also, später wurde es abgelöst durch das
Schlagen der Treiber mit Stöcken auf Baumstämme.
Dass ein Waldgeräuschmacher in der neuen Ausstellung des Museums Oder-Spree
gezeigt wird, ist kein Zufall. Mit 48 Prozent seiner Fläche ist der
gleichnamige Landkreis der waldreichste in ganz Brandenburg. In der neuen
Ausstellung „Lauschen und Lärmen“, die am Sonntag eröffnet wurde, geht es
also nicht nur darum, wie der Landkreis klingt, sondern auch, welche Klänge
oder auch welches Lärmen der Wald hervorbringt.
[2][Fünf Jahre ist es jetzt her, dass im Museum auf der mächtigen Beeskower
Burg nicht mehr die historische Sammlung ausgestellt wird, sondern der
Alltag der Menschen zwischen Erkner und Eisenhüttenstadt.] Eine
museologische Zeitenwende, die auch Kristina Geisler gefordert hat. Doch
das Umdenken und Umräumen hat sich gelohnt. „Ein akustisches Highlight“
nennt die Museumsleiterin die neue Ausstellung – und das nicht unbedingt
wegen der Jagdklapper.
Es sind vor allem die Klänge des Alltags, die die Ausstellung präsentiert.
Sie zu sammeln hat sich der [3][Klangkünstler und Musiker Wolfram Spyra]
zum Ziel gesetzt. Mit seinem Team hat er nicht nur das Schlagen der
Kirchenglocken in der Stiftskirche des [4][Klosters Neuzelle], der
wuchtigen Stadtkirche [5][Sankt Marien in Beeskow] oder der Dorfkirche in
[6][Grunow (Niederlausitz)] akkustisch kartiert. Auch das Lärmen einer
Sirene gehört dazu.
## Stille. Wie geht das?
Auch im [7][buddhistischen Zentrum Sukhavati in Bad Saarow] haben die
Ausstellungsmacher gelauscht. Und eine in Nepal gefertigte Fußklangschale
mit nach Beeskow gebracht. Ein Meditations-, aber auch ein
Heilungsinstrument ist sie. Und sie trennt den Klang von der Stille. Die
nämlich tritt ein, wenn der Gong dreimal geschlagen wurde.
„Es gibt hier viele, die Stille suchen, aber nicht wissen, wie“, sagt
Oliver Peters, der Leiter des Zentrums, das vieles in einem ist: Hospiz und
Pflegeheim, buddhistisches Meditationszentrum, Café und Garten.
Im Kursbuch Oder-Spree, das jedes Jahr zusammen mit der Ausstellung
erscheint, wird Oliver Peters porträtiert. Und auch das Zentrum, das er
leitet. „Ein Haus, das versucht, dem Sterben einen anderen Klang zu geben“,
schreibt Autorin Julia Vogel. „Und dem Leben gleich dazu.“
Waldgeräusche, Kirchenglocken, Klangschalen: Ist das nicht in jedem
Landkreis zu finden? Klingt Oder-Spree nicht auch ein bisschen wie
Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen oder Bad Kissingen in Bayern? Vor allem
aber: Welche Botschaft hält die akustische Kartierung bereit? Gibt es
Klanglandschaften, die für die Region zwischen Spree und Oder typisch sind?
## Naturklang und Zivilisationslärm
Es ist vor allem die in weiten Teilen geschützte Natur. Wolfram Spyra hat
darum nicht nur das Läuten von 15 Kirchenglocken aufgezeichnet, sondern
auch das Summen auf Sommerwiesen, das Gurgeln an Bachläufen, das Zirpen auf
Waldlichtungen, das Plätschern an Flussufern.
In einem sogenannten Audio-Drama ist all das auf Knopfdruck zu hören, aber
auch miteinander kombinierbar. Eine Natursinfonie, zu der sich zwangsläufig
der Zivilisationslärm gesellt: Hundegebell, Schweinegrunzen, der Laster auf
der Bundesstraße.
Mit den interaktiven Klanginstallationen geht das Museum einen nächsten
Schritt, der nur möglich wurde durch eine entsprechende Förderung durch die
Sparkasse Oder-Spree und die Ostdeutsche Sparkassenstiftung. Vor allem bei
den Kleinen kommt das an. Wer sich dagegen auf das Froschquaken in den
[8][Gosener Wiesen] konzentrieren will, muss warten, bis die Kids genug
haben. Auf den zahlreichen Kopfhören sind immer alle Soundscapes
gleichzeitig zu hören. Auch das, wenn man so viel, eine Sinfonie.
„Gibt es noch lauschige Winkel?“, fragt Museumsleiterin und Kuratorin
Kristina Geisler bei der Eröffnung. Und Landrat Frank Steffen (SPD)
erinnert an die Geräuschkulisse und die Beschallung, die uns Tag für Tag im
Alltag verfolgt. „Wer vor hundert Jahren Musik hören wollte, musste sie
selber machen.“
Das heißt nichts anderes, als dass wir in einem Jahrhundert des Lärmens
leben. Es lärmen die Handys in der Bahn, die Schreihälse in den sozialen
Medien, die aufgetunten Autos auf den Landstraßen. Insbesondere aber lärmt
die Stadt. Das zumindest ist die Erfahrung von [9][Eileen Froelich]. Es
sind vor allem Menschen aus Berlin, die zum Waldbaden kommen, das die
zertifizierte Kunst- und LOM-Therapeutin anbietet. Wie lässt sich die
äußere Unruhe so weit reduzieren, dass die innere Stimme wieder hörbar
wird? Ganz einfach sei das nicht, erzählt Froelich dem Kursbuch-Autor
Nicolas Flessa: „Wenn es ruhig wird, wird es laut im Kopf.“
Eine innere Ruhe stelle sich erst später ein. „Natürliche Klänge wie
Vogelgezwitscher oder Blätterrascheln lenken die Aufmerksamkeit sanft auf
den Moment“, sagt sie. „Belastende Erinnerungen oder Zukunftssorgen, die
krankmachende Stresshormone auslösen, spielen nun keine Rolle mehr.“
Klingen alle Wälder gleich? Natürlich nicht, weiß Eileen Froelich. „Dichte
Nadelwälder mit moosbedecktem Boden dämpfen Geräusche eher, wohingegen
luftige Buchenwälder klarer und lebendiger klingen.“ Und dann ist da auch
noch der Wind. „Er verändert den Klang des Waldes je nach Stärke und
Richtung.“
Wer also Ruhe sucht und Lauschen will, ist im Wald gut aufgehoben, diesem
ganz besonderen Ort der Polyphonie. Und manchmal ist vielleicht sogar ein
Jagdhorn zu vernehmen. Auch das ist in Beeskow ausgestellt. Es stammt von
Horst Wilde aus Giesensdorf, der den alten Brauch, eine Stecke aus erlegtem
Wild zu „verblasen“, wiederbeleben will.
Für das Jagdhorn hat Museumsleiterin Kristina Geisler ebenfalls ein
passendes Objekt aus dem Depot gefunden. Ein Schirmständer aus dem 19.
Jahrhundert, gefertigt aus Geweihen erlegter Hirsche.
6 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://museumoderspree.de/ausstellungen/
(DIR) [2] /Neue-Museen-in-Brandenburg/!5664098
(DIR) [3] https://derspyra.de/
(DIR) [4] https://www.klosterneuzelle.de/
(DIR) [5] https://de.wikipedia.org/wiki/Marienkirche_(Beeskow)
(DIR) [6] https://de.wikipedia.org/wiki/Dorfkirche_Grunow_(Grunow-Dammendorf)
(DIR) [7] https://www.sukhavati.eu/
(DIR) [8] https://www.umweltkalender-berlin.de/angebote/details/76629
(DIR) [9] https://gokonfetti.com/de-de/p/eileen-froelich-therapie-coaching-wd10gw/
## AUTOREN
(DIR) Uwe Rada
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