# taz.de -- Berliner Wagenburg Köpi: Noch mal zwangsversteigert?
       
       > Der ehemalige Wagenplatz ist an einen „privaten Bauträger“ verkauft.
       > Sollte sich dessen Insolvenz bestätigen, ginge die Chose von vorne los.
       
 (IMG) Bild: Leeres Gelände: An den Wagenplatz Köpi erinnert dieser Tage (fast) nichts mehr
       
       Auf dem ehemaligen Köpi-Wagenplatz steht tatsächlich noch ein Bauwagen. Am
       Samstagabend flackert eine Kerze trübe im Inneren, der Securitymann steht
       lieber draußen und telefoniert. Dass hier mal ein Wagenplatz stand, habe er
       nicht gewusst, sagt er freimütig und wendet sich wieder seinem Smartphone
       zu.
       
       Ende 2021 hatte ein Großaufgebot der Polizei den Wagenplatz an der
       Köpenicker Straße in Berlin-Mitte auf Steuerzahlerkosten geräumt. Die für
       die umstrittene Aktion verantwortliche Startezia GmbH hatte behauptet, dort
       bauen zu wollen. Ein Bauantrag war genehmigt, von Wohnungen und sogar einem
       Yachthafen war die Rede. Die Wagenplatz-Bewohner*innen hingegen warfen der
       Firma damals vor, das Gelände nur räumen zu wollen, um es danach lukrativ
       verkaufen zu wollen. Nun wurde der ehemalige Wagenplatz Ende 2025
       tatsächlich an einen „privaten Bauträger“ verkauft, der dort Wohnungen
       errichten will. Das teilten das Bezirksamt Mitte und dessen Planungsbüro
       KOSP auf taz-Anfrage gleichlautend mit.
       
       Die beiden Grundstücke an der Köpenicker Straße 133–138, auf denen sich der
       ehemalige Wagenplatz und das Hausprojekt Köpi befinden, waren seit 2013
       Eigentum der Startezia GmbH. Hinweise auf wirtschaftliche Schwierigkeiten
       der Startezia sind bislang nicht offiziell bestätigt; ein
       Insolvenzverfahren war zum Redaktionsschluss nicht öffentlich registriert.
       
       Sollte sich jedoch eine Insolvenz bestätigen, könnte die Köpi unter
       Umständen zwangsversteigert werden, und das nicht zum ersten Mal. Dann wäre
       denkbar, dass Nehls über sein Unternehmensnetzwerk beziehungsweise über
       eine Strohperson erneut die Köpi kauft. Deren Bewohner*innen besitzen –
       im Gegensatz zu den ehemaligen Bewohner*innen des Wagenplatzes –
       gültige Miet- und Nutzungsverträge bis 2037.
       
       ## Ein gebaggertes Loch
       
       Nach der Wagenplatzräumung ließ die Startezia nicht bauen, sondern
       lediglich ein Loch baggern. Dabei rammten die Bagger mehrmals die Außenwand
       des angrenzenden Hausprojekts. Die Bewohner*innen der Köpi vermuten,
       dass dies mit Absicht geschah, um die Statik des Hauses zu beschädigen.
       
       Tatsächlich wies die Startezia auf eine angebliche „akute Einsturzgefahr“
       und ihre Sorge um Leib und Leben der Bewohner*innen hin und schickte
       2022 eine Räumungsaufforderung. Das Gericht folgte dieser Argumentation
       jedoch nicht, die Räumungsklage wurde abgewiesen und das Urteil im Dezember
       2024 rechtsgültig.
       
       Die Anwaltskanzlei der Startezia, Malmendier Legal, legte Widerspruch ein –
       verpasste allerdings die dafür vorgesehene Frist. Laut Unterlagen, die die
       taz einsehen konnte, machte die Kanzlei für diesen Fauxpas eine
       Rechtsanwaltsangestellte verantwortlich, doch es half nichts: Der
       Widerspruch wurde im März 2025 vom Kammergericht zurückgewiesen.
       
       Die Startezia muss nun 10.000 Euro „vollstreckbare Kosten“ für das
       Verfahren, die Anwälte und Gutachten zahlen, teilte der Köpi-Anwalt Moritz
       Heusinger der taz mit. Bereits seit Juli 2025 zahlen die
       Köpi-Bewohner*innen ihre Miete nicht mehr auf das Konto der Startezia,
       sondern auf ein „Fremdgeldkonto“ der Malmendier Legal. Heusinger vermutet,
       dass man damit versuche, das Geld an der Startezia vorbeizuschieben, da sie
       nicht in der Lage sei, die Prozesskosten zu zahlen: „Ich halte die für
       insolvent“, ist der Anwalt überzeugt.
       
       ## Teil des Sanierungsgebiets Nördliche Luisenstadt
       
       Das Areal rund um die Köpi gehört zum Sanierungsgebiet Nördliche
       Luisenstadt. Ein weiterer Teil davon ist das Gelände des ehemaligen
       Postfuhramts, das Ende 2025 ebenfalls verkauft wurde, an den Entwickler HB
       Reavis Germany, der auch den Bau eines Bürohochhauses an der
       Jannowitzbrücke plant.
       
       Laut KOSP ist das Unternehmen an einen städtebaulichen Vertrag mit dem
       Bezirk Mitte gebunden, der „neben der Errichtung von Wohn- und
       Gewerbegebäuden auch die Errichtung einer Kindertagesstätte, die Vorhaltung
       von Sozialträgerwohnungen und eine öffentliche Durchwegung“ vorsieht. Das
       Sanierungsgebiet Nördliche Luisenstadt wird allerdings voraussichtlich
       Anfang 2027 aufgehoben, sodass der neue Eigentümer des Wagenplatzes dann
       keine städtebaulichen Auflagen befürchten muss.
       
       Die Startezia GmbH hat ihren Sitz seit 2022 in der Baruther Straße 20/21 in
       der als Steuerparadies bekannten Stadt Zossen und verfügt weder über eine
       Telefonnummer noch einen Internetauftritt. Geschäftsführer der Startezia
       ist der Immobilienunternehmer Siegfried Nehls, der in der Vergangenheit
       wiederholt Gegenstand öffentlicher Kritik war. Der 63-Jährige ist laut der
       Unternehmenssuchmaschine North Data auch Geschäftsführer der Sanus
       Beteiligungs AG sowie zahlreicher weiterer Firmen, fast alle mit Sitz im
       selben Bürogebäude in Zossen.
       
       Das ist insofern erstaunlich, als die Gemeinde Zossen 2019 mehrere von
       Nehls geführte Gesellschaften für einen Ausfall von 3,2 Millionen Euro
       Gewerbesteuern verantwortlich machte. „Diese Firmen sind in Zossen
       angemeldet und haben keine Gewerbesteuer gezahlt, sind teilweise insolvent,
       die Geschäftsführer ins Ausland abgemeldet oder Ähnliches“, beschwerte sich
       Ende 2019 die scheidende Bürgermeisterin Michaela Schreiber. „Hinsichtlich
       neuer Anmeldungen von mit der Sanus verbundenen Firmen ist […] die Stadt
       Zossen wachsam“, so Schreiber weiter.
       
       ## Mehrere Firmen nach Zossen verlegt
       
       Ihre Amtsnachfolgerin scheint jedoch nicht so wachsam zu sein, denn Nehls
       hat in den vergangenen vier Jahren mehrere seiner Firmen nach Zossen
       verlegt. In der Baruther Straße 20/21 sind ganze 80 Unternehmen gemeldet,
       davon können über 30 dem Firmengeflecht von Nehls zugerechnet werden, etwa
       zehn Firmen werden von ihm geführt oder sind Partner eines seiner
       Unternehmen. Auf Nachfrage möchte die Stadtverwaltung „aus rechtlichen
       Gründen derzeit keine Auskunft geben“.
       
       Weder Startezia-Geschäftsführer Siegfried Nehls noch sein angeblicher
       Sprecher, „Kommunikationsexperte“ Frank Schmeichel, waren per Anruf oder
       E-Mail zu erreichen. Schmeichels CDU-nahes Wirtschaftsmagazin Berlinboxx
       präsentierte Nehls mit seinen Visionen „ganz im Sinne Albert Einsteins“ und
       veröffentlichte 2024 ein Interview mit Rechtsanwalt Bertrand Malmendier,
       dem Gründer von Malmendier Legal.
       
       Laut dem Rechercheportal Correctiv ist das CDU-Mitglied Malmendier „der
       deutsche Anwalt der Wahl, wenn es um russische Staatsinteressen geht“.
       Unter anderem vertrat er 2022 das russische Mineralöl-Unternehmen Rosneft
       und setzte sich für die Aufhebung von Sanktionsmaßnahmen gegen deren
       deutsche Raffinerien ein. Unter der Adresse von Malmendiers Kanzlei findet
       sich zudem die Pearl Gold AG, eine Beratungsfirma für Investments in
       Bergbauunternehmen.
       
       Nehls selbst scheint sich inzwischen eher in Frankreich aufzuhalten, in
       Saint-Tropez hat er sich am 1. Juni 2025 als Unternehmer registriert und in
       Nizza eine Immobilienfirma unter dem originellen Namen „S.I.G.I.“
       gegründet. Diese residiert jedoch nicht etwa mit Blick auf die Côte d’Azur,
       sondern in einem Bürogebäude an einer vierspurigen Ausfallstraße.
       
       ## Weder die nötige Expertise noch das nötige Kapital
       
       „Sigi“ Nehls hat sich in den vergangenen zwei Jahren drei jüngere
       Teilhaber*innen in den Vorstand einiger seiner Unternehmen in Zossen
       geholt, die bislang nicht als Immobilienunternehmer*innen
       aufgefallen sind: Eine 32-jährige Turnierreiterin und ehemalige
       Radiomoderatorin, eine 37-jährige Innendesignerin und ehemalige
       Theaterschauspielerin sowie ein 39-Jähriger, der zuvor eine Abschleppfirma
       geführt hatte.
       
       Da die drei weder die nötige Expertise noch das nötige Kapital zur Führung
       von millionenschweren Immobilienunternehmen vorweisen dürften, fragen sich
       Beobachter*innen, welche Rolle diese neuen Beteiligten tatsächlich im
       Firmengeflecht spielen. Belastbare Angaben zu ihrer Funktion gibt es
       bislang nicht.
       
       Die Köpi wurde bereits 2007 bei einer Zwangsversteigerung von einem
       Firmengeflecht erworben, hinter dem Siegfried Nehls steckte. Damals hatte
       er einen Strohmann vorgeschickt, der dann allerdings mit dem Hausprojekt
       den bis 2037 gültigen Vertrag aushandelte – was wohl nicht im Interesse von
       Nehls lag. „Cleverer als ein Immobilienhai“, lobte der Spiegel damals die
       Köpi, die sich bis heute als „Risikokapital“ bezeichnet.
       
       23 Feb 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Darius Ossami
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Im Haifischbecken
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
 (DIR) Köpi
       
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