# taz.de -- Folgen des Klimawandels: Vierfache Gefahr
       
       > Der Klimawandel zerstört Flächen. Diese werden so eine Gefahr für sich
       > selbst – damit erhöht sich die Gefahr für Waldbrände und Überschwemmungen
       > erneut.
       
 (IMG) Bild: Ist ein Jahrhundert-Hochwasser noch Jahrhundert-Hochwasser, wenn es alle paar Jahre kommt?
       
       HQ100 ist ein Begriff aus der Ingenieurssprache, er beschreibt das höchste
       Hochwasser, das statistisch einmal in einhundert Jahren auftreten kann. Für
       die Ingenieure geht es bei HQ100 aber nicht um Statistik, sondern um
       Sicherheit: Der Wert dient als Berechnungsgrundlage für ihre Bauwerke.
       Brücken, Deiche, Rückhaltebecken, ja die gesamte Bausubstanz in einem Tal
       müssen diesem Wert HQ100 standhalten. Steigt die Flut über den Wert, ist
       die Brücke nicht zu retten. Weil die Wahrscheinlichkeit dafür aber im
       Prozentbereich liegt, wird der Verlust in Kauf genommen: [1][Mehr
       Sicherheit würde mehr kosten].
       
       Das war früher vor dem Klimawandel so. Eine wärmere Atmosphäre kann nach
       der Gleichung von Clausius-Clapeyron mehr Wasser speichern. [2][Das hat zur
       Folge, dass Fluten intensiver und häufiger werden.] HQ100 könnte in Zukunft
       alle zehn Jahre eintreten, entsprechend müsste die Sicherheit um den Faktor
       zehn angehoben werden, was die Kosten mindestens verzehnfacht.
       
       Gern und intensiv wird über Anpassung an die Klimaerhitzung geredet. Das
       soll uns wohl ein positives Gefühl vermitteln: Wenn wir das Problem schon
       nicht mehr aufhalten, werden [3][wir uns aber doch schon irgendwie mit den
       Folgen arrangieren] können. Eine Studie zu den Waldbränden zeigt nun, wie
       trügerisch dieses Gefühl ist: Demnach hat die Häufigkeit schwerer
       wirtschaftlicher Katastrophen durch Flächenbrände seit 1980 um das
       4,4-Fache zugenommen. Um sich daran anzupassen, müssten die
       Feuerwehrkapazitäten vervierfacht werden.
       
       Was vielleicht noch möglich wäre. Allerdings sind die Feuer selbst zum
       Treiber der Klimakrise geworden, 2023 brannten weltweit etwa 26 Millionen
       Hektar Wald – eine Fläche etwa so groß wie Großbritannien. Dadurch wurden
       8,8 Milliarden Tonnen Kohlendioxid freigesetzt, was fünfzehn Mal so viel
       ist, wie die Bundesrepublik jährlich emittiert. Statt jetzt aber
       Klimaschutz endlich ernst zu nehmen, versucht Bundeswirtschaftsministerin
       Katherina Reiche (CDU) mit ihrem „Netzpaket“ den Ausbau der Erneuerbaren zu
       bremsen. Vermutlich will sie uns weismachen, wir könnten uns an die Folgen
       anpassen.
       
       20 Feb 2026
       
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