# taz.de -- Bundeswehr bei Olympia: Sportliche Streitkräfte
       
       > Zwei Drittel der Olympiaplaketten haben die Deutschen dem Einsatz der
       > Sportsoldaten zu verdanken. Die Bundeswehr ist zumindest
       > medaillentauglich.
       
 (IMG) Bild: Bundeswehrerfolge: Soldaten der Luftwaffe schmücken sich beim Rodel-Weltcup mit den Trophäen von Julia Taubitz und Max Langenhan
       
       Erstatte Bericht, Herr Pistorius! Der deutsche Verteidigungsminister
       [1][Boris Pistorius] hat unlängst am Rande eines Nato-Gipfels beanstandet,
       die deutschen Medien würden die Bundeswehrerfolge bei den Olympischen
       Winterspielen nicht so würdigen, wie das in anderen Ländern üblich sei. Die
       Sportlerinnen und Sportler sowie die Bundeswehr hätten es verdient, dass
       darauf hingewiesen werde. Wir vermelden gehorsamst, dass die Bundeswehr
       zwar immer [2][noch nicht kriegstüchtig], aber hochgradig medaillentüchtig
       ist. Und das ganz ohne Sondervermögen.
       
       [3][Auf seinem Instagram-Kanal versucht Pistorius] dieser Tage, gegen die
       Bundeswehrignoranz bei den Olympischen Spielen anzukämpfen. Neben den Fotos
       von der Münchner Sicherheitskonferenz, Eurofightern, Militärhubschraubern
       tauchen immer wieder jubelnde Sportsoldaten auf. Vergleichsweise
       medaillenarm sieht es dagegen auf dem [4][Account von Christiane
       Schenderlein], der Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, aus. Pistorius
       hatte schon in der ersten Woche der Winterspiele erklärt: „Wer sich die
       deutschen Medaillenerfolge bis jetzt anguckt, der wird nicht umhinkommen,
       festzustellen, dass entweder die Medaillen von deutschen Sportsoldaten
       errungen wurden oder aber mindestens Bundeswehrsoldaten beteiligt waren an
       den Medaillen.“
       
       Gegen Ende der Spiele lässt sich feststellen, dass ein paar Medaillen schon
       auch auf zivilem Wege zustande gekommen sind, viele sind es aber nicht.
       Genau 14 der 21 deutschen olympischen Plaketten, also zwei Drittel, gehen
       auf den Einsatz der deutschen Streitkräfte zurück. Auf deren Website sind
       alle Gewinnerinnen und Gewinner mit Dienstgrad fein säuberlich aufgelistet.
       Vom einfachen Feldwebel Max Langenhan (Gold, Rennrodeln), über die
       [5][Unteroffizierin Emma Aicher] (Silber, Ski Alpin) bis zur
       Hauptfeldwebelin Julia Taubitz (Gold, Rennrodeln) haben sie alle ihre
       Aufträge vorbildhaft ausgeführt.
       
       Von den 188 Athletinnen und Athleten, die für das Team Deutschland zu den
       Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo nominiert wurden, gehören 76 den
       Sportfördergruppen der Bundeswehr an. Das sind über 40 Prozent und somit
       eine kleine Steigerung zu den Winterspielen 2022 in Peking (37 Prozent).
       
       ## 67 Millionen Euro aus dem Verteidigungsetat
       
       Mit 890 Förderstellen ist die Bundeswehr der größte staatliche Unterstützer
       des Hochleistungssports in Deutschland. Die Bundespolizei und der Zoll
       finanzieren ebenfalls Spitzensportler. Aus dem Etat des
       Verteidigungsministeriums fließen derzeit 67 Millionen Euro in die
       Sportförderung. Im Jahr 2005 waren es noch 25 Millionen Euro. Allerdings
       haben sich im gleichen Zeitraum auch die Sportförderbeiträge aus dem
       Bundesinnenministerium von 133 Millionen Euro auf 331 Millionen Euro
       deutlich gesteigert.
       
       Um gesellschaftliche Anerkennung für ihren Beitrag an deutschen
       Sporttriumphen wirbt die Bundeswehr schon lange. Vor den Sommerspielen 2016
       hoffte man mit dem Slogan „Wir kämpfen für die Freiheit. Und für
       Medaillen“, auch mehr Rekruten für sich zu gewinnen. Eine Studie der
       Informationsstelle Militarisierung e. V. hielt im Jahre 2019 fest, die
       Olympischen Spiele würden sich zunehmend zu „Militärfestspielen“
       entwickeln. Neben den USA, Russland und China würden auch viele europäische
       Nationen wie Deutschland, Italien oder Österreich auf Sportsoldaten setzen.
       
       Als im Jahr 2017 der Fechter Max Hartung in seiner Funktion als
       Athletensprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) infrage
       stellte, ob die Bundeswehr ein „besonders gutes Instrument der
       Sportförderung“ sei und für eine stärkere zivile Förderung warb, wurde er
       vom DOSB sofort gerügt. Die Bundeswehr, hieß es, sei ein unverzichtbarer
       Partner.
       
       Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine und der damit verbundenen
       Aufwertung der Bundeswehr im Staatshaushalt scheint der Sport mehr denn je
       als gute Plattform gesehen zu werden, um das gesellschaftliche Ansehen der
       Streitkräfte zu steigern. Und umgekehrt scheinen die Berührungsängste
       abzunehmen.
       
       Als die Bundeswehr 2025 als Partner des Deutschen Fußball-Bundes und des
       Finaltages der Amateure, dem größten Event im deutschen Amateurfußball,
       einstieg, erklärte Dirk Brennecke, Geschäftsführer des Fußball-Verbandes
       Mittelrhein: „Gemeinsam mit der Bundeswehr wollen wir Werte wie Teamgeist,
       Leistungsbereitschaft und Resilienz stärker sichtbar machen und deren
       Bedeutung für den Zusammenhalt der Gesellschaft unterstreichen.“
       
       Es ist eigentlich erstaunlich, dass Boris Pistorius nur aus der Ferne für
       die deutschen Sportsoldatinnen und Sportsoldaten kämpft. Bei den
       Olympischen Winterspielen ist er bislang auf den Tribünen noch nicht
       gesichtet worden.
       
       20 Feb 2026
       
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