# taz.de -- Wettbewerbsfilm „Moscas“ auf Berlinale: Tristesse und Fliegen an der Wand
> Im Drama „Moscas“ von Fernando Eimbcke trifft eine grantige Vermieterin
> auf einen trauernden Jungen. Dabei finden sie tröstende Gemeinsamkeiten.
(IMG) Bild: Teresita Sánchez und Bastián Escobar in „Moscas“
Auf der diesjährigen Berlinale präsentieren sich auffallend viele
Produktionen zurückgenommen in Schwarz-Weiß, so auch der Spielfilm „Moscas“
(Flies) des mexikanischen Regisseurs Fernando Eimbcke im Wettbewerb.
Grau wirkt auch der Alltag der Protagonistin in „Moscas“, einer
alleinstehenden Frau, die in einem Wohnkomplex gegenüber des großen
Krankenhauses lebt. Die Geräusche der Nachbarn stören Olga (Teresita
Sánchez) genauso wie die Fliegen an der Wand. Die Kamera nimmt sich viel
Zeit, um die Tristesse in den Eingangsszenen festzuhalten.
Dann zwingen unvorhergesehene Ausgaben die Einzelgängerin, ein Zimmer
unterzuvermieten. Die Veränderung bringt Olgas Abläufe empfindlich
durcheinander und es kommt Bewegung in den Film. Denn schon bald zieht ein
Vater mit seinem Sohn bei ihr ein. Willkommen sind die Untermieter nicht.
Im Hospital gegenüber kämpft die Mutter des Neunjährigen ums Überleben.
Kindern aber ist der Zutritt dort untersagt, und mit bemühter
Unbeschwertheit versucht der Vater, von der dramatischen Situation
abzulenken. Begeistert und mit großer Könnerschaft spielt Cristián täglich
am Münzautomaten im Laden um die Ecke „Cosmic Defender Pro“. Und dieses
Videospiel in der Ästhetik früher Computerspiele der 1990er Jahre wird in
„Moscas“ zum zentralen, dramaturgischen Objekt einer Filmerzählung über
Ohnmacht, Tod, Trauer und Verlust.
## Lokaler Kontext im Hintergrund angedeutet
Ebenfalls aus der Perspektive eines Kindes, mit dem nahenden Tod des Vaters
konfrontiert, überzeugte [1][„Tótem“ der mexikanischen Regisseurin Lila
Avilés 2023 im Wettbewerb der Berlinale]. Bereits in diesem Spielfilm war
die Schauspielerin Teresita Sánchez in der Nebenrolle der pflegenden
Krankenschwester zu sehen.
Im Vergleich wird besonders deutlich, wie sehr man jene Unvorhersehbarkeit
und Vielschichtigkeit in Fernando Eimbckes durchkomponiertem Beitrag
vermisst. Zu kontrolliert und wenig risikofreudig entwickelt der Regisseur
die Figuren und die Handlung des Films – trotz des im Hintergrund
aufschlussreich angedeuteten lokalen Kontexts.
Als die teuren Medikamente für die Krebsbehandlung ihre Ersparnisse
verschlingen, muss der Vater für einen mehrtägigen Job den Jungen alleine
in der Wohnung zurücklassen. Selbstständig meistert der Neunjährige die
Abwesenheit, versucht sogar mit Tricks die Kontrollen im Krankenhaus zu
überlisten und vor allem der unsympathischen Olga aus dem Weg zu gehen. Bis
beide feststellen müssen, dass sie sehr viel mehr verbindet.
19 Feb 2026
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(DIR) Eva-Christina Meier
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