# taz.de -- Chinesische Kaffeekette in Berlin: Wem gehört der Kaffee?
> Mit Cotti Coffee drängt eine chinesische Billigkaffeekette in deutsche
> Großstädte. Ob sie zur Konkurrenz für LAP Coffee wird, bleibt abzuwarten.
(IMG) Bild: Schnell. Billig. Lecker?
„Wenn neue Anbieter mit aggressiven Rabatten und maximaler Automatisierung
in den deutschen Markt eintreten, stellen wir eine (…) Frage: Ist das
nachhaltig – für die Teams, die Qualität und die Nachbarschaften?“, fragte
Ralph Hage im Tagesspiegel. Eine berechtigte Frage – je nachdem, wer sie
stellt.
Aus dem Mund des [1][LAP-Coffee-Gründers] wirkt sie wie blanker Zynismus.
Schließlich wird LAP Coffee vorgeworfen, kompromisslos auf Wachstum und
Effizienz zu setzen und mit Investorengeldern und Dumpingpreisen
inhabergeführte Nachbarschaftscafés zu verdrängen. Ausgerechnet Hage
kritisiert nun diese Machenschaften bei einer Kette, die [2][LAP] mit ihrer
aggressiven Preis- und Expansionsstrategie Konkurrenz machen könnte: Cotti
Coffee.
Der Billiganbieter aus Peking hat im Januar seine ersten Filialen in
Deutschland eröffnet: in Köln, Hamburg, Düsseldorf und an der
Friedrichstraße in Berlin. Das Geschäftsmodell gleicht dem von LAP:
radikaler Minimalismus und Effizienz. Das heißt kleine, spartanisch
eingerichtete Läden mit wenig Sitzgelegenheiten, vollautomatisierte
Kaffeemaschinen statt aufwändiger Siebträgermaschinen sowie digitale
Bestellungen. Es gibt kein Geschirr und keine Keramikbecher, sondern nur
Papp- und Plastikbecher. Zielgruppe ist bei beiden ein junges, urbanes,
technologieaffines Publikum, das durch Rabattaktionen und
Social-Media-Kampagnen erreicht wird. Das alles spart Personalzeit und
Personalkosten.
Cotti Coffee gelingt es, noch aggressiver an der Preisschraube zu drehen
als LAP: Hafer- und Kuhmilch sowie Sirup gibt es dort gratis zum
Selbstbedienen. Ein Espresso kostet bei Vorbestellung per App 99 Cent, ein
Cappuccino 2,79 Euro. Wer auf Instagram ein Foto postet und drei
Freund*innen markiert, erhält ein Getränk gratis. Nach Registrierung in
der App und Verifizierung der Mobilnummer gibt es die ersten drei Getränke
für jeweils 1,99 Euro. Das Sammeln und Auswerten von Nutzer*innendaten
inklusive.
Ob Cotti Coffee LAP Marktanteile streitig machen kann, hängt davon ab, ob
es der Kette gelingt, Kaffee ähnlich erfolgreich durch Eventisierung und
Cross-Marketing als Lifestyle-Produkt zu inszenieren. Das sogenannte
„Community Building“ beherrscht der chinesische Konzern jedenfalls bereits:
Von Jakarta bis nach Berlin promoten Gen-Z-Influencer und prominente eigens
ernannte „Global Brand Ambassadors“ die Kette erfolgreich auf [3][TikTok]
und Instagram.
## Drittgrößte Kaffeekette weltweit
Der Impuls, Jugendliche und Influencer*innen für ihre naive
Begeisterung über den 1,99-Euro-„Mango Kokos Latte“ zu kritisieren,
besteht, greift aber zu kurz. Nicht die Konsument*innen sind der Kern
des Problems, sondern Geschäftsmodelle, die aus Inflation, steigenden
Mieten und Verdrängung Profit schlagen. Und Cotti Coffee macht aus seinen
Ambitionen kein Geheimnis: Die Kette will der „weltweit führende Anbieter
von Kaffee-Lieferketten- und Technologielösungen“ werden, heißt es auf der
Website.
Der Konzern, der erst vor vier Jahren von Qian Zhiya, Ex-Chefin der
chinesischen Kette Luckin Coffee, gegründet wurde, kommt inzwischen nach
eigenen Angaben auf 18.000 Filialen in 28 Ländern. Zum Vergleich: Starbucks
betreibt rund 40.000 Filialen. Damit ist Cotti Coffee die weltweit
drittgrößte Kaffeekette – nach Starbucks und Luckin Coffee. Eine
taz-Anfrage zu den Plänen des Konzerns in Deutschland blieb bis
Redaktionsschluss unbeantwortet.
Seit den Eröffnungen der Filialen in Deutschland erscheinen hierzulande
zahlreiche Berichte über den chinesischen Konzern. Während bei LAP erst
Monate später, auch durch die Recherchen und Interventionen von
Aktivist*innen, breiter diskutiert wurde, was hinter dem Geschäftsmodell
steckt, steht Cotti Coffee von Beginn an unter Beobachtung. Das hat mit den
Erfahrungen mit LAP zu tun, dürfte aber auch mit der Herkunft des
Unternehmens zusammenhängen. Die reflexhafte Vorstellung eines
datenhungrigen „Big Brother“ aus China, der aggressiv expandiert, offenbart
eurozentristische Vorurteile. Die Logik datengetriebener Expansion ist
längst kein fernes Phänomen.
## Wem gehört die Stadt?
Cotti Coffee mag zunächst weniger gefährlich erscheinen als LAP, weil die
Kette nicht gezielt in die [4][gentrifizierten Kieze] expandiert, sondern
auf stark frequentierte Lagen und Verkehrsknotenpunkte setzt. Doch ein
Konzern, der offen das Ziel formuliert, zur größten Kaffeemarke der Welt
werden zu wollen, dürfte wohl kaum auf lukrative Innenstadtlagen verzichten
– auch wenn dort Protest droht.
Muss Cotti Coffee mit ähnlichen Protestaktionen wie LAP rechnen, dessen
Berliner Filialen mit Farbbeuteln attackiert wurden? Ein Aktivist der
Kampagne „LapCoffeeScheiße“ bleibt gegenüber der taz zurückhaltend. Er sagt
nur: „Am Ende steht immer dieselbe Frage: Wem gehört die Stadt?“
Und wem der [5][Kaffee]?
18 Feb 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Lilly Schröder
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