# taz.de -- Dozentin über Leseförderung mit Hund: „Ein Hund lacht nicht aus“
> Lesen lernen mit Hund macht Spaß und nimmt die Angst. Deshalb kommt
> zweimal pro Woche ein Lesehund in die Bücherhalle Hamburg-Lokstedt.
(IMG) Bild: Wirkt beruhigend auf Kinder mit Leseschwierigkeiten: Lesehund
taz: Warum liest es sich leichter mit Hund, Frau Dräger?
Dajana Dräger: Weil die Kinder sich mit einem Hund besser dafür öffnen
können. Wir haben einen Raum, wo wir separat von den anderen Gästen unser
Lesetraining machen. Und wenn die Kinder den Raum betreten, leuchten die
Augen ziemlich, weil sie sich so auf den Hund freuen.
taz: Möchte man dann als Kind nicht eigentlich nur die Zeit mit dem Hund
verbringen und weniger lesen?
Dräger: Den Gedanken kann ich durchaus verstehen. Es ist aber tatsächlich
so, dass die Kinder ganz gerne [1][lesen]. Sie wollen dann auch etwas
erreichen und dem Hund vorlesen.
taz: Nehmen die Kinder es so wahr, dass der Hund ein freundliches Gegenüber
ist, also Fehler nicht bemerkt oder nicht übel nimmt?
Dräger: Auf jeden Fall. Ein Hund bewertet nicht, er lacht nicht aus und
verbessert nicht. Und wenn man gerade nicht so richtig weiter kommt, dann
kann man kurz etwas mit dem Hund spielen und danach geht es wieder viel
besser.
taz: Wenn man einem Menschen vorliest, weiß man, dass die Person versteht,
was man liest. Wie ist es, einem Tier vorzulesen?
Dräger: Es ist ja immer noch ein Mensch dabei – entweder eine Ehrenamtliche
oder ich. Ich glaube, die Kinder sind dann darauf ausgerichtet, dass sie
auch uns vorlesen. Sie haben ein bisschen die Hand im Fell des Tieres, das
reicht ihnen oft schon. Der Hund schaltet einfach ab, legt sich dazu. Er
muss nicht ins Buch gucken, es genügt seine Nähe.
taz: Wie genau läuft so eine Leseförderung ab?
Dräger: Pro Kind ist es immer eine halbe Stunde, wir wollen niemanden
überfordern. Es gibt ein kleines Willkommensritual, dass die Hunde würfeln
und Leckerlis bekommen.
taz: Der Hund würfelt?
Dräger: Ja, die [2][Hunde] bei uns können natürlich ein paar Tricks. Meine
Hündin ist so ein kleiner Flummi und macht da sehr gerne mit. Wir haben
einen größeren Schaumstoffwürfel, den wir dann vor sie hinlegen. Dann
bewegt sie ihn mit der Pfote und das nennen die Kinder würfeln.
taz: Wie geht es danach weiter?
Dräger: Wir suchen zusammen die Bücher aus und dann wird erst mal ein
bisschen gelesen. In der Mitte machen wir eine Pause und spielen ein Spiel.
Wir haben zum Beispiel ein Chipspiel, wo der Hund zusammen mit dem Kind die
Möhrchen rausrupfen kann. Dann wird noch mal gelesen, und zum Schluss gibt
es einen Parcours, wo die Kinder zusammen mit dem Hund noch mal etwas
Sportliches machen können.
taz: Wie aufwendig ist die Ausbildung zum Lesehund?
Dräger: In der Regel ist es gar nicht so schwierig. Es gehört natürlich ein
guter Grundgehorsam dazu, und es wäre ungünstig, wenn der Hund keine Kinder
mag. Er braucht einen Eignungstest. Dann gibt es einen Tagesworkshop, wo
man lernt, wie die Leseförderung mit Hund genau abläuft. Dann legt der
Halter oder die Halterin noch mal einen Hundeführerschein mit einer
theoretischen und einer praktischen Prüfung ab. In meinem Fall brauchten
wir den Eignungstest nicht mehr zu machen, weil meine Hündin eine
Besuchshundausbildung hat.
taz: Wen besucht sie?
Dräger: Wir hatten es ursprünglich geplant für das Altenheim. Sie wurde bei
den Maltesern ausgebildet, aber dann kam Corona und wir konnten unsere
Einsätze nicht mehr machen und dann ist das Projekt leider im Sande
verlaufen. Weil ich aber unbedingt etwas tun wollte, habe ich hier bei den
Bücherhallen die [3][Leseförderung] mit Hunden ins Leben gerufen.
taz: Das heißt, Sie haben sich das Projekt selber ausgedacht?
Dräger: Es gibt diese Konzepte schon lange und es gibt einen
Lesehundverein, in dem ich auch Mitglied bin. Ich habe das Konzept auf
meine Weise ein bisschen umgewandelt und inzwischen gibt es mehrere Teams
bei den Bücherhallen.
28 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Friederike Gräff
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