# taz.de -- Unterkünfte für queere Geflüchtete: Schutz braucht neue Dringlichkeit
> In Hamburg müssen ausgerechnet LGBTIQ*-Geflüchtete in Regelunterkünfte
> umziehen. Dabei zeigen Erfahrungen, dass sie dort oft Gewalt erfahren.
(IMG) Bild: Die besonders Verletzlichen unter den Geflüchteten: Hamburg bietet zu wenig Plätze
Vermutlich geht es hier nicht mal um bösen Willen. Wahrscheinlich sind es
eher eine gefühlte geringe Dringlichkeit und ein Mangel an Organisation
aufseiten der Hamburger Innenbehörde. Für die Betroffenen spielt das
allerdings keine Rolle:Nach der kurzfristigen Schließung der
Erstaufnahmeeinrichtung in der Kaltenkirchener Straße in Altona sind
ausgerechnet die ohne Schutz, die ihn am dringendsten brauchen.
Acht LSBTIQ*-Personen wurden in öffentlich-rechtliche Folgeunterbringungen
verlegt. Dass sie dort [1][häufig körperliche Gewalt oder Beleidigungen von
anderen Geflüchteten und dem Personal erleben], darauf verweisen Beratende
aus der Flucht- und Migrationsarbeit schon lange.
2023 forderte eine Initiative in einem offenen Brief an Innensenator Grote
(SPD) vom ersten Tag an eigene Unterkünfte für LSBTIQ+-Personen. Doch im
Folgejahr [2][verhinderten die Proteste von Anwohner:innen die
Eröffnung einer ebensolchen Unterkunft in Winterhude]. Daraufhin begann die
Behörde in einer bestehenden Einrichtung Plätze für Personen mit besonderem
Schutzbedarf umzuwandeln. Das sind nach Auskunft von Linken-Politikerin
Carola Ensslen bislang aber gerade mal ein bis zwei Plätze. Viel zu wenige
also.
„Es gibt große Ankündigungen, und dann passiert wenig“, sagt Ensslen. Der
Senat hat angekündigt, dass ab Februar Zwei- und Vierbettzimmer mit eigenem
Sanitärbereich für Menschen mit besonderem Schutzbedarf in einer Unterkunft
in Horn entstehen. Ensslen setzt darauf noch keine allzu großen
Erwartungen.
Niemand behauptet, dass es eine einfache Aufgabe ist, den besonders
Verletzlichen unter den Geflüchteten den Schutz zu geben, den sie brauchen
und auf den sie laut Istanbuler Konvention ein Anrecht haben. Nicht in
einer Zeit, in der bereits ihre Anwesenheit hinterfragt wird. Um so
schöner, wenn Hamburg aufholte und dem Schutz eine neue Dringlichkeit gäbe:
weil er gebraucht wird.
16 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Queere-Gefluechtete-in-Hamburg/!5963027
(DIR) [2] /Unterkunft-fuer-LGBTQI-Gefluechtete/!6064229
## AUTOREN
(DIR) Friederike Gräff
## TAGS
(DIR) Geflüchtete Frauen
(DIR) Queer
(DIR) Geflüchtete
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Hamburg schließt Schutzunterkunft: Kein Schutz für geflüchtete Frauen
Hamburg hat eine Schutzeinrichtung für von Gewalt betroffene Geflüchtete
kurzfristig geschlossen. Der Senat begründet das mit Sanierungsarbeiten.
(DIR) Maßnahmen gegen Queerfeindlichkeit: Bundesländer sind unterschiedlich stark engagiert
Queerfeindlichen Straftaten nehmen bundesweit zu. Die Bundesländer
reagieren darauf auf unterschiedliche Weise. Gute Daten gibt es nur aus
Berlin.
(DIR) Unterkunft für LGBTQI*-Geflüchtete: Gerne queer – bloß nicht hier
In Hamburg sollte eine Unterkunft für queere geflüchtete Menschen
entstehen. Die Nachbarn verhinderten das aus Angst, ebenfalls bedroht zu
werden.