# taz.de -- Eine Ikone wird gesprengt: Stadion ohne Flutlicht
> Gegen lautstarken Protest lässt der Senat zwei Flutlichtmasten am
> Jahnstadion sprengen. So soll Platz für ein Prestigeprojekt geschaffen
> werden.
(IMG) Bild: Wumms. Und schon waren es zwei Masten weniger
Solche Sprengungen kennt man aus dem Ruhrgebiet. Nur werden dort manchmal
die Kamine alter Industrieanlagen gesprengt. Im Prenzlauer Berg traf es am
Donnerstag die beiden östlichen Flutlicht-Masten des
[1][Friedrich‑Ludwig‑Jahn‑Sportparks]. Was war da los?
Anwohner:innen aber auch Schaulustige haben sich bereits um 10.30 Uhr
vor einem Wohnhaus in der Topsstraße versammelt. Sie wollen einen letzten
Blick auf die Masten werfen und sehen, wie sie gegen 11 Uhr in die Mitte
des Sportplatzes kippen. Immer wieder zücken sie ihre Handys oder tauschen
sich mit Nachbar:innen und Freund:innen über die geplante Sprengung
aus.
Einige Meter entfernt im Mauerpark schauen ganze Schulklassen in Richtung
der Masten. Die Schüler:innen hüpfen aufgeregt umher. Für die Kinder ist
es ein großes Spektakel und kein großer Verlust.
Ältere sehen das anders. In der Gaudystraße erklärt Friedrich Tuczek der
taz: „Die Masten wurden zum 750. Geburtstag von Berlin gebaut. Für viele
Bewohner sind sie ein wichtiges, weithin sichtbares Erkennungszeichen.“
Tuczek gehört zur Bürgerinitiative Jahn-Sportpark, die sich seit fünf
Jahren gegen das Vorhaben des Senats wehrt, das Stadion abzureißen und als
Inklusionssportpark neu zu bauen. In einer Pressemitteilung schreibt die
Initiative: „Senat setzt auf Eskalation statt Verantwortung.“
## Initiative warb für Alternativkonzept
Tatsache ist: Der sanierungsbedürftige Sportpark kann derzeit nur noch
eingeschränkt genutzt werden. Was daraus folgt, darüber streiten sich die
Initiative und der Senat. Die Bürgerinitiative möchte den Sportpark nur
umbauen und sanieren und entwarf dafür das [2][Alternativkonzept RESTART
JSP].
[3][Der Senat hingegen möchte das Stadion erneuern.] Er will den
Jahn-Sportpark zu einem „inklusiven Stützpunkt für den Behindertensport“
entwickeln. Zudem möchte der Senat das Areal um Sportanlagen für Schul- und
Vereinssport ergänzen. Sanierung oder Umbau würden die
Inklusionsanforderungen nicht erfüllen. Das neue Stadion soll 20.000 Plätze
haben und 2028 eröffnen.
Die zwei westlichen Flutlichtmasten und die Trümmerschuttwälle bleiben
erhalten. Dafür hatte sich die Initiative eingesetzt. „Hier hat der Senat
verstanden, dass es sich um Wahrzeichen handelt, um Ikonen für den
Mauerpark“, meint Tuczek.
Die Sprengung der östlichen Flutlichtmasten zeige, dass der Senat auf
kritische Stimmen aus der Stadtgesellschaft nicht hört. In der
Vergangenheit habe die Initiative 15.000 Unterschriften gegen den Plan
gesammelt. „Berlin kann sich so ein großes Stadion nicht leisten, wenn
gleichzeitig die Berliner Universitäten massiv einsparen müssen.“
Das Gespräch endet und das erste Warnsignal ertönt eine Viertelstunde
später als geplant. In der Gaudystraße erklärt eine Mutter mit Baby einer
Frau, dass die Masten zu ihrer Kindheit gehören würden.
Eine weitere Viertelstunde später das nächste Signal. Danach folgt die
erste, dann die zweite Sprengung. Es ist erst still, doch schließlich
klatschen einige, andere grölen „Geil!“.
Die Sprengung und der Umbau sind als Spektakel inszeniert, doch für viele
Bewohner:innen wurde heute ein Teil ihrer Geschichte gesprengt. Für ein
Prestigeprojekt.
12 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Beritan Dik
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