# taz.de -- Disqualifizierter Skeletonfahrer: Olympia verloren, Orden gewonnen
> Wladislaw Heraskewitsch wird bei Olympia wegen seines „Gedenkhelms“
> disqualifiziert. Selenskyj verleiht ihm derweil den „Freiheitsorden“.
(IMG) Bild: Wladislaw Heraskewitsch, ukrainischer Skeletonfahrer bei Olympia, mit dem Helm des Anstoßes
Für den ukrainischen Skeletonfahrer Wladislaw Heraskewitsch sind die
Olympischen Spiele in Italien zu Ende. Am Donnerstag wurde er [1][vom
Internationalen Olympischen Komitee (IOC) disqualifiziert.] Heraskewitsch,
kein Mann des Kompromisses, hatte sich geweigert, einen Helm mit Bildern
ukrainischer im Krieg gefallener Athleten, abzulegen.
Über diesen Skandal wurden in die Ukraine sogar die russischen Angriffe zur
Nebensache: Ebenfalls am Donnerstag zeichnete Präsident Wolodymyr Selenskyj
Heraskewitsch mit dem „Freiheitsorden“ aus.
Heraskewitsch ist 27 Jahre alt. Als Kind trainierte er Tanz, Boxen,
Kampfsport (Sambo) und Judo. 2013 wechselte er zum Skeleton – trainiert von
seinem Vater Michail, ein ehemaliger Bobfahrer. Da es in der Ukraine keine
Skeleton-Anlagen gibt, verbrachten der junge Mann und sein Vater viel Zeit
in Lettland, auf den Pisten in Sigulda bei Riga. Die Bedingungen waren
suboptimal, erinnerte er sich später: wenig komfortable Umkleiden, Kälte
und Wind.
## Ein eiserner Wille
Heraskewitsch besitzt offenbar einen eisernen Willen. Er hat einen
Bachelor-Abschluss in Mathematik und Physik. „Meine Familie hat meine Noten
immer im Blick behalten“, erzählte er einmal.
2016 gab Heraskewitsch sein Debüt auf der internationalen Bühne. Er war
zwar kein absoluter Star in der Skeleton-Weltszene, landete aber auch nie
auf den letzten Plätzen. Im Alter von 19 Jahren qualifizierte sich
Heraskewitsch erstmals für eine Teilnahme am Skeleton-Wettbewerb bei den
Olympischen Spielen. In Südkorea wurde er 2018 Zwölfter – ein
bemerkenswerter Erfolg für einen Debütanten.
Bei den Weltmeisterschaften 2025 im US-amerikanischen Lake Placid belegte
er den vierten Platz. Unmittelbar nach dem letzten Lauf entrollte
Heraskewitsch die ukrainische Flagge und zitierte die Worte von Nazariy
Grintsewitsch, einem getöteten Soldaten, der Mariupol verteidigt hatte:
„Egal was passiert: Liebt eure Mutter, esst euren Haferbrei, liebt die
Ukraine!“
Bei den Olympischen Spielen in Peking 2022, kurz vor der vollumfänglichen
russischen Invasion, hielt Heraskewitsch nach einem Lauf ein Schild hoch
mit der Aufschrift „Kein Krieg in der Ukraine“. Diese Geste beeindruckte
viele.
In den ersten Kriegsmonaten gab er täglich mehrere Interviews. Er räumte
ein, zu Beginn des Krieges an die Existenz „guter Russen“ geglaubt zu
haben, er sei jedoch schnell eines Besseren belehrt worden. Auch unter vier
Augen hätten seine russischen Mitstreiter im Wettbewerb keine Worte des
Mitgefühls oder der Vergebung für den Krieg gefunden.
## Ein Fonds für Kriegsinvaliden
Seit Beginn seiner sportlichen Karriere organisiert der junge Mann
Wohltätigkeitsveranstaltungen, sammelt Spenden für die ukrainische Armee
und leistet humanitäre Hilfe. Er gründete einen Fonds. Dieser unterstützt
ukrainische Sportler, die als Invaliden aus dem Krieg zurück gekehrt sind
und Angehöriger Gefallener.
Heraskewitsch genoss in der Ukraine lange Zeit nur ein geringes Ansehen, da
er den einst legendären Leichtathleten Serhij Bubka kritisiert hatte.
[2][Bubka leitete das Nationale Olympische Komitee], schwieg aber lange zum
Krieg. „Schweigen im Krieg ist eine Form der Mittäterschaft“, sagte
Heraskewitsch. Dennoch war es „Vlad“, dem bei den Olympischen Spielen in
Mailand und Cortina die Fahne der ukrainischen Nationalmannschaft
anvertraut wurde. Umsonst war das nicht.
Aus dem Russischen Barbara Oertel
12 Feb 2026
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(DIR) Juri Konkewitsch
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