# taz.de -- Nachruf auf Cees Nooteboom: Der europäische Tramp
> Cees Nooteboom liebte das Reisen und schrieb darüber sowie über seine
> Kriegserfahrungen. Nun ist der niederländische Schriftsteller im Alter
> von 92 Jahren verstorben.
(IMG) Bild: Cees Nooteboom, 2004 in Berlin
Europa war sein Thema, seine kulturellen Traditionen, deren Lasten und das,
was bleibt. Cees Nooteboom kannte sich auf seinem Kontinent aus, er reiste
viel, als junger Mensch liebte er, nicht und sogar nicht vorwiegend aus
finanziellen Gründen, das Trampen. Losfahren und nicht wissen, wohin es
geht, sagte er einmal, neugierig bleiben, wach, aufmerksam, aber nicht
zerspannt.
Der Niederländer war ein großer Schriftsteller, obwohl er in seiner Heimat
weniger berühmt war als in Deutschland, wo Suhrkamp eine Werkausgabe
[1][von ihm herausgab]. „Allerseelen“, „Rituale“, „Die folgende Geschichte“
sind bekannte Titel seiner Bücher.
Nooteboom, Kind aus einer katholischen Familie, geboren 1933 in Den Haag,
Halbwaise seit 1943, weil sein Vater bei einem fehlgeleiteten britischen
Bombenangriff (auf die nazibesetzten Niederlande) ums Leben kam. Zur Schule
gegangen zunächst auf Klosterschulen, die er aber – aus Gründen des
prinzipiellen Zweifels am Dogma des Klerus – wieder verließ.
Nooteboom hielt es in der Enge seiner Verhältnisse nicht aus, er wollte
raus, reisen – und unternahm, ohne dies besonders geplant zu haben,
ausgedehnten Reisen durch den kriegsverwüsteten Kontinent.
## Der Nobelpreis wurde ihm angeraunt
Losfahren, um sich loszulassen, so ließe sich das Momentum seines Lebens
vielleicht fassen: Nooteboom, der in den sechziger und siebziger Jahren
Lieder für Künstler wie Hermann van Veen oder Lisbeth List schrieb – mit
ihr war er auch viele Jahre liiert –, schuf ein preisgekröntes Werk, nur
der ihm angeraunte (von [2][Marcel Reich-Ranicki] und anderen)
Literaturnobelpreis wurde ihm nicht zuerkannnt.
Nooteboom, ein Unruhiger im Gemüt, liebte die Ruhe, so schrieb er in einem
seiner Reiseberichte, mochte gerade den (touristischen) Dauertrubel in
seiner Heimatstadt Amsterdam sehr, aber doch nicht immer, was er auch in
puncto Venedig bekannte: sehr hübsch, ja mehr noch, aber doch oft sehr
lärmend.
Silvester in größeren Städten mied er am liebsten, des Böllerns wegen, weil
der „wahnsinnige Krach der Silvesternacht (erinnert) mich immer an den
Krieg“. Da war er wieder, dieser beiläufig-feine Ton in Nootebooms
Literaturen, beobachtend, in diesen innerlich notierten Blicken sattelfest,
hier die entsetzliche Kriegserfahrung seiner ersten Jugendjahre spiegelnd.
Am 11. Februar ist er im Alter von 92 Jahren in seinem Haus auf Menorca
gestorben.
12 Feb 2026
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