# taz.de -- Umstrittenes Bauprojekt in Pankow: Bis zum Herbst bleiben die Höfe wohl grün
       
       > Das Verwaltungsgericht hat die Gesobau beim umstrittenen Bauprojekt in
       > Pankow gestoppt. Die wollte Fakten schaffen, ohne Rücksicht auf
       > Artenschutz.
       
 (IMG) Bild: Auf Artenschutz gibt die landeseigene Gesobau offenbar nicht so viel
       
       Sie ist fast schon eine Posse geworden, die scheinbar niemals endende
       Auseinandersetzung um die verwilderten [1][Höfe an der Pankower
       Ossietzkystraße]. Seit Jahren versuchen der Senat und das landeseigene
       Wohnungsunternehmen Gesobau in den Höfen den Bau von zwei Wohnblöcken
       durchzudrücken, gegen den Willen von Anwohner:innen und
       Umweltorganisationen. Unermüdlich kämpfen diese um die Bäume und Sträucher
       im Hof, die Lebensraum für Vögel und Fledermäuse darstellen.
       
       Nun dürfte das Projekt mindestens bis zum Herbst auf Eis liegen. Am
       Dienstag hat das Berliner Verwaltungsgericht die Gesobau gestoppt. Diese
       hatte zuvor erklärt, nicht länger warten und sofort mit der Rodung beginnen
       zu wollen. Umweltverbände warnten vor einem offenen Rechtsbruch eines
       landeseigenen Unternehmens, Anwohner:innen organisierten eine
       Mahnwache, um die anrückenden Kettensägen zu stoppen.
       
       In ihrer Hauruckankündigung berief sich die Gesobau auf eine kreative
       Interpretation eines älteren Beschlusses des Verwaltungsgerichtes. In
       diesem hatte das Gericht eigentlich eine [2][artenschutzrechtliche
       Ausnahmegenehmigung gekippt], die das Bezirksamt einmal der Gesobau erteilt
       hatte, weil diese viel zu ungenau war. Doch die Gesobau leitete daraus ab,
       dass es jetzt überhaupt keine Artenschutzgenehmigung mehr brauche. Dabei
       bezog sich das Unternehmen auf eine bereits angelegte Ausgleichsfläche in
       der Umgebung.
       
       Mit einer Untersagungsverfügung stellte das Amt klar: Mit dem Bauen darf
       auf keinen Fall begonnen werden! Gegen diese Verfügung hatte die Gesobau
       erneut vor dem Verwaltungsgericht geklagt – und dabei jetzt eine Schlappe
       erlitten. Das Gericht erklärte, die Untersagungsverfügung des Bezirks sei
       rechtmäßig – und es stellte darüber hinaus erhebliche Zweifel an der
       Eignung der geleisteten Ausgleichsmaßnahmen fest.
       
       ## Vorhaben faktisch bis Herbst gestoppt
       
       Bei den Umweltverbänden herrscht deshalb große Erleichterung. Denn mit dem
       Beschluss ist das Bauvorhaben faktisch bis zum Herbst gekippt. Zwar kann
       die Gesobau Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einreichen, da aber die
       Rodungssaison Ende Februar endet, dürfte wohl – wenn überhaupt – erst
       wieder im Herbst mit der Rodung begonnen werden.
       
       Bis dahin müsste die Gesobau wohl auch die Kritik ausräumen, die das
       Gericht an den Ausgleichsmaßnahmen hatte: Mit den Umpflanzungen sei teils
       noch nicht begonnen worden, teils seien die neuen Pflanzen weniger als zwei
       Jahre alt. Das ist aber erforderlich, damit für die bedrohten Vogelarten –
       insbesondere den Haussperling – bei Rodung bereits Ersatz zur Verfügung
       steht. Auch bezog sich das Gericht auf Fotos der Bürgerinitiative, die
       zeigen sollen, dass errichtete Fledermaustürme auf der Ausgleichsfläche
       seit April 2025 mit Klebeband verschlossen sind – und damit für die
       bedrohten Fledermäuse nicht nutzbar.
       
       „Es ist für uns nicht nachvollziehbar, warum die Gesobau seit Jahren
       versucht, mit einer rechtlich nicht tragfähigen Rambomentalität ihre
       überdimensionierten Baupläne durchzuziehen“, sagte Gabi Jung,
       Geschäftsführerin des BUND Berlin. Die Umweltverbände stünden für eine
       Kompromisslösung bereit, beteuerte sie, solange die artenschutzrechtlichen
       Anforderungen eingehalten werden. „Diese Möglichkeit schlägt die Gesobau
       seit Jahren aus – zum Schaden aller“, so Jung.
       
       Tatsächlich hatten Anwohner:innen mit der Pankower
       Bezirksverordnetenversammlung schon 2021 einen alternativen B-Plan
       erarbeitet, bei dem für 70 statt 100 Wohnungen nur 14 statt 60 Bäume
       gefällt werden müssten. Doch nachdem der Bezirk einen Bauantrag der Gesobau
       abgelehnt hatte, wandte diese sich an die SPD-geführte Senatsverwaltung für
       Stadtentwicklung, die diesem stattgab – mit der Begründung, dass nun
       Geflüchtetenunterkünfte geplant seien, für die ein Sonderbaurecht greife.
       
       „Wir werden weiter wachsam sein, weil der Gesobau nicht zu trauen ist“,
       sagte Britta Krehl von der Bürgerinitiative Grüner Kiez Pankow zur taz. Man
       werde aber im Frühling noch einmal auf die Gesobau zugehen mit dem
       Vorschlag, einen „Modellkiez“ zu entwickeln, der Grünflächen, bezahlbaren
       Wohnraum und Integrationsprojekte vereine. Bis dahin fordert sie, dass die
       Gesobau die Zäune abbaut, die sie um die bedrohten Bäume errichtet hat. Die
       Gesobau teilte der taz mit, man sei von der Gerichtsentscheidung
       „überrascht“. Die Auswertung des Beschlusses dauere noch an.
       
       12 Feb 2026
       
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