# taz.de -- Die Wahrheit: Malle olé in Duisburg
> Fideler als imperiales Säbelrasseln ist die saufgestützte Landnahme. So
> haben deutsche Touristen eine ganze Mittelmeerinsel besetzt.
Sehr ins Gerede geraten ist in jüngerer Vergangenheit Grönland, die größte
Insel der Welt, die sich dieser ungünstig frisierte Soziopath aus
Washington unter den Nagel reißen will. Um das Eiland und den Mann soll es
jetzt aber gar nicht gehen. Die ganze Angelegenheit ist mir einfach zu
widerlich, zu unanständig, zu geistlos.
Ich erwähne sie auch nur, um darauf hinzuweisen, dass man Länder, die einem
nicht gehören, dass man fremde Staatsgebiete, und hier insbesondere Inseln,
auch sehr viel menschenfreundlicher, manierlicher, kurzum: viel
zivilisierter besetzen, übernehmen, also annektieren kann.
Wie das geht, das beweisen seit Jahrzehnten mit nicht nachlassender Liebe
und Leidenschaft wir, die Deutschen. Ja, ich weiß, Eigenlob stinkt, aber
die freundliche und völkerrechtlich völlig unbedenkliche Übernahme der
eigentlich zum Staat Spanien gehörenden Mittelmeerinsel Mallorca durch
deutsche Urlaubsultras aus der Rote-Sangria-Fraktion ist, auch im
internationalen Vergleich, absolut vorbildlich.
Mallorca hat 950.000 mallorquinische, also gewissermaßen einheimische
Einwohner, wird aber jährlich von rund fünf Millionen Deutschen
eingenommen, die die Anwesenheit der indigenen Bevölkerung nicht nur als
nicht störend empfinden, sondern durchaus schätzen, vor allem im
Dienstleistungsbereich.
So gesehen ist es nur logisch, dass die Insel seit Jahrzehnten als das 17.
Bundesland der Bundesrepublik gilt, aus Gründen der typisch deutschen
Leben-und-Leben-lassen-Lässigkeit aber offiziell weiter als zum
Hoheitsgebiet Spanien gehörend geduldet wird.
## Sprichwörtlicher Ballermann
Die innige Verbundenheit der Deutschen mit Mallorca ist bei Weitem nicht
nur sprichwörtlich. Wie wir alle von uns selbst wissen, ist dumpfer
Baller-, Bums- und „All you can sauf“-Tourismus nicht unser Ding. Für uns
sind Achtung und Wertschätzung der vorgefundenen Kultur seit Urzeiten
selbstverständliche Bedingung jeder achtsamen Okkupation.
Es ist darum ein wahrhaftiger und tiefgründiger Liebesbeweis der Deutschen,
wenn jetzt in der pittoresken Musical-Hauptstadt Duisburg die
Mallorca-Erfolgs-Show „Malle olé“ daueraufgeführt wird. Ein
Kultur-Power-Event, das mitten auf der Show-Insel Ruhrgebiet in emotionaler
und poetischer Weise die Verschmelzung, wenn nicht sogar die Verschmilzung
der kultivierten Deutschen mit ihrer Insel Malle auf die Bühne bumst.
Die Ankündigung der Veranstalter lässt jedenfalls keinen Zweifel daran:
„Malle olé, das Musical, das ballert. Mit den größten Ballermann-Hits aller
Zeiten. ‚Endlich keine Jungfrau mehr‘ und ‚Ich liebe dir, viel mehr als
Bier.‘ So ungefähr wie Mama Mia, nur mit besserer Musik.“
Erzählt wird die Geschichte von dem Installateur Alex und der Arzthelferin
Laura, die beide mit ihren Cliquen und Herzschmerz nach Mallorca reisen,
heißt es.
Also, liebe Mallorca-Fans. Ab nach Malle. Mitten in Duisburg.
10 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Fritz Eckenga
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